Grün-As

Was bleibt ist ein bitterer Beigeschmack

Es ändert sich also wieder etwas in Grünau. Die Schulnetzplanung wird erneuert und einige Schulen werden zusammengelegt. Auf den ersten Blick hat diese Idee sogar Charme, kann sie doch dazu beitragen, gestärkte Schulstandorte zu entwickeln. Aber schon beim zweiten Blick tauchen vermehrt Fragen auf und erscheint das Konzept des Schulverwaltungsamtes umso zweifelhafter.

Denn durch Zusammenlegung der 78. mit der 100. Schule im WK 8 und dem für später geplanten Umzug der 94. MS aus dem Miltitzer Weg, existiert ausgerechnet im WK 7 keine einzige Schule mehr. Der Umzug des Klinger in nicht allzu ferner Zukunft, ist dabei schon beschlossene Sache. Damit wird der WK 7 als Standort weiter geschwächt. Die Zukunft des Jupiterzentrums und damit auch des gesamten Komplexes scheint ungewiss. Ohne Zweifel muss aufgrund von sinkenden Schülerzahlen gehandelt werden. Nachvollziehbar auch, dass das Schulverwaltungsamt sich dem Ministerium in Dresden beugt.

Bild Aber durch Schulschließungen oder Schulverlagerungen wie das Beispiel 84. und 55. beweist, wird der Standort Grünau in absehbarer Zeit seinen Vorteil im Hinblick auf ein breit gefächertes Bildungsangebot einbüßen. Campusinitiative ade! Denn wo keine Schulen mehr existieren, werden auch keine jungen Familien hinziehen. Der sinkenden Bevölkerungszahl im Stadtteil wird mit dieser Planung weiter Vorschub geleistet. Ärgerlich auch, dass der Schulstandort der 84. Schule nicht gehalten und stattdessen die 55. Schule vorgezogen wird. Die einzige Begründung hierfür ist, dass das Gebäude der 55. Schule unter Denkmalschutz steht. Seit zehn Jahren hat die Stadt versucht, den Schulstandort der 55. zu sichern und zu entwickeln. Gelungen ist es ihr nicht, wie die niedrigen Schülerzahlen beweisen.

Durch Zusammenlegung mit der 84. Schule scheint jetzt die Lösung gefunden. Denn nunmehr müssen die Schüler den dann im Gebiet einzig verbliebenen Mittelschulstandort besuchen. Dass aber der Denkmalschutz das entscheidende Argument bei der Schulfusion ist, scheint vor dem Hintergrund Pisa Studie und dem Stichwort Stadtteilentwicklung, geradezu abenteuerlich. Und noch etwas beweist die vorgelegte Planung: dass die Leipziger Ämter offenbar nicht zusammen arbeiten. Denn Nachnutzungskonzepte liegen nicht vor, sind noch gar nicht mit in die Überlegungen einbezogen worden. Das wäre Aufgabe des Liegenschaftsamtes. Austausch zwischen den Ämtern um den Prozess für alle möglichst effizient zu gestalten, wie so oft in Leipzig - Fehlanzeige. Die Entscheidungen und Planungen geben zu denken. Was bleibt ist aus Grünauer Sicht ein mehr als bitterer Beigeschmack.

Jürgen Kasek
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