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Kulkwitzer See: Blesshühner im Anflug

Wasservögel NICHT füttern!

Ersten Scharen von Blesshühnern haben ihr Winterquartier am Kulkwitzer See bereits bezogen. Karl Heyde vom NABU Regionalverband e.V. erinnert sich: »Mehr als 2200 Wasservögel, davon 1200 Blessrallen, belagerten letzten Winter den Kulkwitzer See, weit mehr als er bei seiner Größe vertragen kann.« Dr. Joachim Weiß vom Tauchsportverein Leipziger Delphine e.V. und Leiter der dazugehörigen Biogruppe erklärt: »Blessrallen reißen ganze Pflanzen aus dem Grund des Sees, verwerten jedoch nur die weichen Pflanzenteile. Der große Rest wird an Land gespült. Diese Pflanzenreste sind aktuell und massiv an den Uferrändern zu sehen. Auf diese Art werden die Pflanzen- und Armleuchteralgenbestände, die wichtigsten Sauerstofflieferanten im See, stark dezimiert.«

Angelockt werden die Wintergäste vor allem durch Besucher des Sees, die mit prall gefüllten Beuteln voller nicht artgerechtem Futter und aus falscher Tierliebe anrücken. Die Folge: Eine jährliche Vogelkotschicht von mehreren Zentimeter reichert sich jeden Winter am Grund des Sees an. Bei der Vergärung von 1 kg Brotresten werden 1,5 kg Sauerstoff verbraucht, die dann anderen Wasserbewohnern fehlen. Seit Jahren leisten Vereine und Freunde des Sees umfangreiche Aufklärungsarbeit mit Info-Flyern. »Diese wurden und werden auch in den Wohngebieten verteilt«, resümiert Elke Göbel im Namen der IG Kulkwitzer See. LeipzigSeen GmbH, der Betreiber des Sees im Auftrag der Stadt Leipzig und des Zweckverbandes Erholungsgebiet Kulkwitzer See, ergänzte diese Arbeit im Sommer 2009 mit aufgestellten Hinweisschildern auf beiden Uferseiten des Sees.

JEDER Besucher des Sees sollte selbstverständlich das Anliegen »Wasservögel NICHT zu füttern« unterstützen, wenn der See für nachfolgende Generationen erhalten werden und unsere Kinder weiterhin in einem sauberen See baden sollen, mahnt Rosi Glöckner von der BI Pro Kulki. An einigen Stellen stirbt der See bereits ab. »Gute Sichttiefen sind bereits jetzt Geschichte und haben sich in den letzten Jahren nachweislich stark verringert«, gibt der Tauchsportverein Leipziger Delphine auf Anfrage zur Antwort.

Das Füttern von Wasservögeln und anderen Wildtieren schadet mehr als es nützt. Uferregionen werden verschmutzt, Bakterien und Krankheitserreger verbreiten sich, die Wasserqualität wird auch dadurch nachweislich erheblich beeinträchtigt. Krankheitskeime können auch für Menschen gefährlich werden, und z.B. vor allem Durchfallerkrankungen auslösen. Wasservögel brauchen keinen von Menschenhand »gedeckten Tisch«. Sie sind intelligent genug, sich in allen Jahreszeiten selbst zu versorgen und bei geschlossener Eisdecke an offene Seen oder andere Fließgewässer weiterzuziehen.

Seit Jahren archiviert die Biogruppe des Tauchsportvereins, die im kommenden Jahr ihr 15 jähriges Jubiläum feiert, auf Grund ihrer Untersuchungen Daten hinsichtlich der Entwicklung der Wasserqualität des Sees. Dr. Weiß erklärt: »Eintrübung des Wassers behindert den Einfall des Sonnenlichts in größere Tiefen Das Ergebnis ist eine kahle Unterwasserlandschaft, gestressten Fische fühlen sich nicht mehr wohl und werden durch verstärkten Parasitenbefall krank und sterben. Im weiteren Verlauf der Entwicklung eines Sees kann dies zur so genannten Eutrophierung führen, d.h. zur 'Überdüngung' des Sees.«

»Nicht zu übersehen war die in den Sommermonaten deutlich zu sehende Algenblüte an allen Uferstränden des Sees«, berichtet Elke Göbel. Algenblüte weist auf einen bedenklich zunehmenden Nährstoffgehalt des Sees hin. »Dieser Nährstoffgehalt nimmt nicht nur durch das Füttern der Wasservögel, sondern unter anderem auch durch menschliche Ausscheidungen (durchschnittlich 0,5 Liter Urin pro Badenden pro Tag in der Saison, das sind 20 - 30 gefüllte Badewannen an Spitzentagen, das sind ca. 200 - 300 m³ Urin pro Jahr) zu«, schätzt Dr. Leonhard Kasek, Vorsitzende des NABU Regionalverbandes Leipzig.

Fachliche fundierte Dokumentation verdeutlichen unter www.kulkwitzersee.com, dass die Gefahr für den Kulkwitzer See zunimmt. Experten weisen seit Jahren darauf hin, dass sich der See in absehbarer Zeit zu einem faulen Pfuhl entwickeln könnte, wenn der Mensch nicht endlich die Alarmzeichen des Sees beachtet.

Interessengemeinschaft »Kulkwitzer See« und Bürgerinitiative »Pro Kulki«
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