Grün-As

Busse und Bahnen in Grünau:
Neue Linien stehen fest

Planungen zum LVB-Netz sind abgeschlossen - Bürgerhinweise zum Teil erfolgreich

Die schlechte Nachricht zuerst:Wie geplant werden die Straßenbahnlinien 2 und 8 in Grünaus Mitte gekappt. Im vergangenen Monat haben die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) dafür die Wendeschleife am Ratzelbogen modernisiert, ab 10. Oktober ist für die Linie 2 dort Endstation. Für Linie 8 geht es dann bis nach Schönau zur Endstelle Grünau-Nord, die dafür behindertengerecht umgebaut wird. Die frühe öffentliche Vorstellung der Pläne hatte den LVB viel Lob (für die Möglichkeit der Beteiligung) und viel Kritik (für die Pläne selbst) eingebracht.

Schon bei der Vorstellung der für Grünau besonders einschneidenden Pläne hatte Angebotsplaner Ekkehard Westphal angedeutet, dass in der Verkürzung der Bahnen die größte Einsparmöglichkeit liege - und deshalb dort keine Kompromisse zu erwarten seien. Das Murren vieler Grünauer wurde von etlichen Vorschlägen begleitet. Einige Hinweise wurden erhört - offenbar genau dort, wo den Verkehrsbetrieben durch Ausnahmen keine Extrakosten entstehen. Den beinahe abgekoppelten Bewohnern der Florian-Geyer-Siedlung hat es letztlich sogar zum Vorteil gereicht. Gegenüber »Grün-As« stellten Ekkehard Westphal und sein Kollege Eduard Flacker das endgültige Liniennetz im Leipziger Westen vor:

Linie 1 verkehrt wie bisher nach Lausen, wird aber auf jeder Fahrt als letzten Waggon einen Niederflurbeiwagen mit sich führen. Damit wird kompensiert, dass die durchgängig niederflurige Linie 2 nur noch bis Grünau-Süd fahren wird. Schon im ersten Entwurf war beabsichtigt, diese Linie zumindest an den Sommer-Wochenenden weiterhin bis zum Kulkwitzer See zu führen. Dieser Plan wurde umgesetzt und etwas ergänzt: Unter der Woche sollen einzelne Bahnen der Linie 2 am (sehr) frühen Morgen bereits ab Lausen, aber nur bis 7 Uhr (sozusagen für die Frühaufsteher im Berufsverkehr) starten. Im westlichen Grünau resultiert durch den Wegfall auf der Ratzelstraße ein 10-Minuten-Takt. Wer an den Wilhelm-Leuschner-Platz will, muss künftig umsteigen oder auf den Citytunnel warten.

Ähnlich verhält es sich ein wenig weiter nördlich: Da fährt die Linie 15 schon jetzt fast ausschließlich mit neuen Wagen. Zwischen Endstelle Miltitz und dem Schönauer Ring ist es ab Oktober die einzige Verbindung im 10-Minuten-Takt. Linie 8 verkehrt dann erst ab der modernisierten Endstelle Grünau-Nord und stößt am Schönauer Ring hinzu - allen Bedenken wegen der anstehenden baustellenbedingten PKW-Vollsperrung der Lützner Straße zwischen Lindenau und Grünau zum Trotz (Termin steht noch nicht fest). Einmal pro Stunde führt diese Bahn einen niederflurigen Waggon, wofür die neue Endstelle fit gemacht wird. LVB-Untersuchungen zufolge deckt das eingeschränkte Angebot auch zukünftig den Bedarf sicher ab. Ausnahmen wie auf der Ratzelstraße sind nicht geplant.

Weil die »8« genau wie die »2« auch weiterhin nicht zu den wichtigsten Linien gehört und beide Bahnen daher weder spätabends noch Sonntagvormittag verkehren, bleibt nur für diese Ausfallzeiten ein Busangebot ähnlich der entfallenden Linie 63 bestehen: Als Anschluss oder Zubringer zur Linie 15 werden Fahrgäste bis Kursdorfer Weg oder Weimarer Straße gefahren. Die Querverbindung zum Kaufland entfällt jedoch auch dann. Die für Schönau interessante Option, stattdessen eine Runde um das Viertel zu fahren, wurde vorerst verworfen, weil dafür zusätzliche Haltestellen des neuen Quartiersbusses genutzt werden müssen, die keinesfalls bis Oktober fertig sind.

Während sich am 10-Minuten-Takt auf Linie 65 zwischen Markkleeberg und Großzschocher nichts ändert und Linie 62 wie geplant eingeführt wird - sie verbindet Lausen, Wolkenweg mit Burghausen über Kiewer Straße und Rückmarsdorf ähnlich der jetzigen »129«, allerdings halbstündlich, auch samstags und etwas länger in die Abendstunden hinein - gibt es bei den anderen Verbindungen in Lausen Erfreuliches zu vermelden. Allerdings haben sich dort die Liniennummern nochmals geändert. Linie 61 fährt stündlich zwischen Schönauer Ring in Richtung Schkeitbar - das erledigt zurzeit die »161« - und nimmt dabei die Runde über Ärztehaus Lausen und Wolkenweg weiterhin mit.

Das Wohngebiet wird also durch 61/62 unter der Woche weiterhin dreimal stündlich bedient. Linie 161 fährt dann Montag bis Freitag ebenfalls stündlich von Schönauer Ring über Lausen (aber ohne Extrarunde) und Göhrenz nach Markranstädt. So entsteht auf weiten Teilen der Strecke ein Halbstundentakt, während bisher drei Busse pro Stunde fuhren. Am Wochenende bleibt dieser Abstand erhalten, weil die »61« halbstündlich von Schönauer Ring bis Lausen fährt. Wie bei der heutigen Anbindung fährt jede dritte Stunde ein Bus ins Umland weiter. Ist für die Linie 62 Betriebsschluss, übernimmt die »61« die Fahrten in den Wolkenweg - also abends und sonntags.

Deutliche Proteste haben die LVB auf der Querverbindung Lausen-Geyersiedlung-Großzschocher zum Umdenken bewogen. Jetzt wird zunächst der Schülerverkehr durch eine Morgen-Fahrt der neuen Linie 162 ab Lausen und fünf nachmittäglichen Rückfahrten ab Großzschocher gesichert. Außerhalb dieser Zeiten ermöglicht ein Anruf-Linientaxi den Bewohnern der Geyersiedlung die Anbindung an Großzschocher. Dabei müssen sich die Fahrgäste rechtzeitig telefonisch für die Taxifahrt nach Fahrplan anmelden, zahlen aber nur den normalen LVB-Tarif. Wenn niemand anruft, fällt die Fahrt einfach aus - was für die meisten der vielen wählbaren Verbindungen vermutlich eintritt und ein Gewinn für beide Seiten ist: Die LVB sparen Busse und mit jeder ausfallenden Fahrt Geld, die Fahrgäste sind mit dem auch am Wochenende und spät gültigen Angebot wesentlich flexibler und mobiler als derzeit.

Ein aktualisierter Liniennetzplan ist laut Flacker gegenwärtig im Entstehen, war aber bei Redaktionsschluss noch nicht mit allen Änderungen unter netz2010.lvb.de verfügbar.

Reinhard Franke
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