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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Editorial

Seidener Faden

Liebe Leserinnen und Leser, geahnt habe ich es ja schon immer – dieser Tage wird es mir allerdings mal wieder so richtig bewusst: Bei der Entwicklung des Stadtteils hängt alles irgendwie an einem Faden – und zwar an einem seidenen, wie mir scheint.

Da weht mir doch kurz vor Redaktionsschluss eine Pressemitteilung der SPD ins Mailprogramm mit der Ankündigung, die Fraktion werde zur kommenden Ratsversammlung (am 15. April) eine Vertagung für die Beschlussvorlage Bildungs- und Bürgerzentrum Grünau beantragen.

Unerklärlich sei laut Stadtrat Heiko Bär, warum diese Maßnahme beschlossen werden soll, noch bevor das integrierte Stadtteilentwicklungskonzept – das sozusagen als Leitfaden für die Entwicklung Grünaus dienen soll – zur Diskussion gestellt wurde. Peng.

Tatsächlich lehnte die der Stadtrat das Papier so wie es ist ab, nachdem es zuvor bereits in diversen Ausschüssen verrissen und auch vom Stadtbezirksbeirat negativ votiert wurde. In erster Linie aus finanziellen Gründen. Lange Zeit blockierte eben deswegen auch Finanzbürgermeister Torsten Bonew das ambitionierte Projekt, dessen Konzept vom ASW erarbeitet wurde und das im Allee-Center verwirklicht werden soll.

Längst steht das Einkaufscenter in Grünaus Mitte schon in den Startlöchern, hat mit Umbaumaßnahmen begonnen und will sie logischerweise auch irgendwann einmal abschließen. Vor diesem Hintergrund ist zugegebenermaßen ein wenig Eile geboten und die Enttäuschung sowohl beim Centermanagement wie ASW verständlich.

Der politische Gegenwind kam – zumindest für mich – ganz unerwartet. In jüngerer Vergangenheit schien das Bildungszentrum lediglich eine Frage der Zeit zu sein. Egal mit wem man sprach – der Umzug von Volkshochschule, Stadtteilbibliotheken, des Bürgeramtes sowie des Stadtteilladens wurde verkündet, als wäre er bereits beschlossene Sache und war folglich fester Bestandteil anderer Entwicklungsszenarien.

Auf die noch immer andauernde Evaluation des KOMM-Haus-Konzeptes, könnte die neu entstandene Situation beispielsweise enorme Auswirkungen haben. Argumentiert das Kulturamt doch stets auch damit, dass der Einrichtung mit dem Auszug der VHS in zwei Jahren ein Großteil seiner Angebote abhanden käme. Wohin also mit der VHS, wenn es kein Bildungszentrum und eventuell kein KOMM-Haus in seiner jetzigen Form mehr gibt!? Und was wird aus dem Plan, eventuell mit dem Haus in die Räumlichkeiten der jetzigen Bibo Süd zu ziehen?

Auch auf andere Bereiche hätte die Entscheidung gegen ein Bildungszentrum in näherer Zukunft Einfluss. Man mag sich darüber streiten, ob dieser eher positiv oder negativ ist. Für das Zentrum WK 7 wäre der Weggang der dortigen Bibo ein herber Schlag. Zwar ist das Gebäude nicht behindertengerecht und alle Bibliothekare in Grünau erklären unisono, dass sich Personal- und Materialsituation in einer gemeinsamen Einrichtung erheblich verbessern würden.

Jedoch weiß man auch um die vielen älteren Nutzer, die den Weg in Grünaus Mitte nicht mehr bewältigen können. Von der Schwächung der ohnehin arg gebeutelten Quartierszentren zu Gunsten eines einzigen Einkaufszentrums will ich gar nicht erst anfangen ... Nach dem in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen Knall Mitte April wird nun hektisch an einer Lösung gearbeitet – Ausgang komplett offen, aber mit weitreichenden Auswirkungen auf die Entwicklung Grünaus. Es hängt eben alles an einem Faden.

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