Grün-As

Chance für die Kleinen

Initiative beendet Leerstand

Reihenweise stehen Geschäfte in Grünauer Ladenstraßen leer: Manche Ladennutzer mußten ihren Traum von der eigenen Selbstständigkeit wieder begraben, da die mittlerweile überall existierenden großen Einkaufs-Center aufgrund ihrer günstigeren Kostenstruktur eine zu große Konkurrenz im Wettbewerb darstellen.

Ein weiterer Grund dafür, sind aber auch die zur Vermietung angebotenen zu großen Ladenflächen und die daraus abgeleiteten zu hohen Gewerberaummieten, die sich nicht immer an der konkrete Umsatzsituation des kleinen, des mittleren Gewerbetreibenden und potentiellen Ladennutzers, sowie an der realen Kaufkraftsituation der Bürger orientieren.

Die Gebäudeeigentümer als Vermieter dieser Läden, wie die LWB und die Genossenschaften, beharren aber oft noch auf ihren Mietzins-Forderungen und zwingen den Gewerbetreibenden so auch mit zur Aufgabe seines Ladens. So geschehen zum Beispiel in der Stuttgarter Allee, wo eine Modeboutique den geforderten Mietzins von monatlich 7.500 DM (3864,63 Euro) nach einem Jahr nicht mehr aufbringen konnte und der Eigentümer nicht bereit war, Abstriche von seinen Forderungen zu machen. In dieser Ladenzeile nördlich des Allee-Centers stehen jetzt schon wieder zwei Läden leer.

Teilweise verdienen die Selbständigen weniger als den Sozialhilfesatz. Sie machen aber trotzdem weiter. Denn im Aufbau der eigenen wirtschaftlichen Existenz stecken unendlich viel Zeit und Kraft, aber auch oft persönliches Kapital und Risiko. Es bleibt aber auch festzuhalten, dass das gemeinsame Engagement der Geschäftsleute in diesen Ladenstraßen noch zu gering ist, so z.B. bei der Kooperation und Bündelung der Kräfte für die Bildung von Werbegemeinschaften.

Das Allee-Center und das PEP machen es tagtäglich vor: Dort werden verkaufsfördernde Aktionen, Ausstellungen, Konzerte u.v.m. initiiert, organisiert und aus dem gemeinsamen Werbetopf finanziert. Das lockt natürlich neue Kunden an und bindet die alten an diese Verkaufseinrichtungen. Es ist keine neue Weisheit, dass wenn Kunden erst einmal da sind, in der Regel auch etwas konsumiert, gekauft wird. Kleinen Werbegemeinschaften stehen im Vergleich zum Allee-Center weniger finanzielle Mittel für Maßnahmen zur Kundenbindung zur Verfügung. Und trotzdem, auch mit wenig Geld lassen sich mit innovativen, mit neuen Ideen tolle Aktionen starten.

Die Beteiligten müssen sich nur einig sein gegen die große Konkurrenz. Daß es leider noch nicht überall so ist, beweist die unlängst vom Stadtplanungsamt angeregte erste Diskussionsrunde zur Aufwertung der Plovdiver Straße, an der nur ein Gewerbetreibender teilnahm!

Ein Beispiel ganz anderer Art zeigt, wie man mit einer guten Idee, mit Mut und gesunder Risikobereitschaft eine Ladenstraße in eine funktionierende Einkaufsmeile umwandeln kann: Die Urs-Immobilien GmbH mietete einen leer stehenden 350 qm großen Laden von der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft. Dieser wird nun mit firmeneigenen Mitteln in mehrere kleine Läden (hier: vier) unterteilt. So steigt die Vermietungschance für den Betreiber, die kleineren Ladenflächen können zu verbesserten Konditionen als bisher angeboten werden. Die neugeschaffenen Geschäfte sind also schneller vermietet, neue Arbeitsplätze werden geschaffen und die Ladenstraße "lebt" weiter - auch gegen die große Konkurrenz.

Trotzdem bleiben aber in erster Linie die Wohnungseigentümer selbst in der Verantwortung, solche Umbauten im Interesse der Verbesserung der Vermietbarkeit und damit ihrer eigenen Wirtschaftlichkeit generell selbst einzuleiten und durchzuführen. Noch in diesem Monat erfolgt am Ende der Straße die Eröffnung der Selliner Passage als neues Wohn- und Geschäftshaus. Mit vielen neuen Angeboten werden auch diese Ladennutzer vor Ort ihren Beitrag leisten, um die Bewohner unmittelbar und nah qualitiv hochwertig zu versorgen. Denn für den alltäglichen Bedarf gibt es dann so gut wie alles vor der Haustür!

Es zeigt sich immer wieder, dass nicht Jammern und Klagen, sondern neue Ideen und kluges Engagement Wirkung für sinnvolle Veränderungen zeigen. Nur so können letztendlich die Kleinen im immer stärker werdenden Verdrängungswettbewerb bestehen. Denn nur wenn alle - Bewohner und Kunden, Gebäudeeigentümer und Gewerbetreibende, Stadt und Behörden - gemeinsam an einem Strang ziehen, wird es gelingen, dass sich eine gesunde Infrastruktur im Interesse der Einwohner entwickelt und unser Grünau lebenswert bleibt.

Uwe Walther
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