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Grünau als tristes Plattenbaughetto?

Liebe Leserinnen und Leser, »Alle Leipziger, die GERne Kinder fördern und ihnen Gutes tun, versammeln sich einmal jährlich, um zu zeigen, was Leipzig in Sachen Bildung seinen jüngsten Mitmenschen zu bieten hat«. Diese einleitende Erklärung auf den Internetseiten des Bildungsfestes macht neugierig auf mehr. Und auch die nachfolgenden Erläuterungen lassen auf Gutes hoffen: Bestehend aus drei Teilen - der Bildungsmesse, der Podiumsdiskussion und dem Bühnenprogramm - ist das Leipziger Bildungsfest seit dem Jahr 2004 ein fester Bestandteil der Leipziger Bildungslandschaft. Die Veranstalter ziehen von Ortsteil zu Ortsteil, von Stadtbezirk zu Stadtbezirk und weben so an einem engmaschigen Bildungsnetzwerk. Gemeinsam knüpfen Sie einen Bildungsfaden, der sich wie ein buntes Band, beginnend im Leipziger Norden, über den Osten nun auch bis in den Leipziger Westen zieht. Soweit - so gut.

In diesem Jahr haben sich die Veranstalter nun entschieden, das 4. Leipziger Bildungsfest im Schönauer Park stattfinden zu lassen. Was dann jedoch als »Werbung« für dieses Fest auf der entsprechenden Internetseite zu lesen ist, hat mit Kreativität und erst recht mit beWERBEN nichts zu tun. Das Leipziger Bildungsfest, das selbst mit dem Slogan »Die junge unverblümte Leipziger Bildungstradition« wirbt, ist sich dem Unterschied zwischen »unverblümt« und »unverschämt« scheinbar nicht bewusst - oder aber zeigt selbst, was es tatsächlich meint. Direkt unter den netten Einleitungssätzen »wirbt« das Bildungsfest mit einem unkommentierten (satirischen) Artikel aus der TAZ, der im Zusammenhang mit dem Anliegen unpassender nicht sein kann. Darin wird ein Szenario von Grünau entworfen, das nicht einmal in einem (bösen) satirischen Zusammenhang noch witzig erscheint.

Grünau als tristes Plattenbaughetto? Wohnort einer Unterschicht vor der Soziologen schon immer gewarnt haben und bei der die Integration gescheitert ist? Perspektivlose und sich an Feuertonnen wärmende Jugendliche? Wozu dann eigentlich noch ein Bildungsfest, wenn eh alles so sinnlos ist? Zumindest im Geist der Verantwortlichen des Leipziger Bildungsfestes. Aber ob diese als (angebliche) Interessenvertretung für Kinder geeignet ist, bleibt fraglich...

Im Zusammenhang mit dem Bildungsfest hat es im Vorfeld bereits viel Verwirrung und Verärgerung im Stadtteil gegeben. Auch der Campusrat befürchtet durch dieses Auftreten der Bildungsorganisatoren erhebliche Probleme für eigene Aktivitäten und überlegt sich weitere Schritte. Trotz intensiver Bemühungen von verschiedensten Akteuren aus Grünau ist es bisher nicht gelungen, die Veranstalter dazu zu bewegen, diesen Artikel von Ihrer Homepage zu entfernen. Im Gegenteil - die Veranstalter verstehen die Proteste überhaupt nicht und zeigen keinerlei Einsicht in die Unpassendheit des Artikels als Aufhänger für ein Bildungsfest. So sollten sie sich auch nicht wundern, wenn die Resonanz des Stadtteils vielleicht etwas »verhalten« ausfällt...

Antje Kretzschmar, Stadtteilmoderatorin
Hinweis der Online-Redaktion
Den genannten satirischen TAZ-Artikel, von Gregor Mothes aus dem Jahr 2006, finden sie auf der Homepage des Leipziger Bildungsfestes, unter dem Titel »Ein Pudel für alle Schichten«. Ein Kommentar zur Verwendung des Artikels finden Sie unter dem Titel »wir wissen es doch wirklich besser...oder!«.
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