Grün-As

Ein Lächeln als Dank

Caritas verköstigt sozial benachteiligte Kinder

Mittagszeit im »FAMILIENlocal« der Caritas. Einige Tische in dem gemütlichen kleinen Raum sind schon belegt. An diesem Mittwoch stehen Königsberger Klopse auf dem Speiseplan. Dazu gibt es wahlweise eine Banane, Nektarine oder Weintrauben - denn Vitamine gehören immer dazu. Steve, ein elfjähriger Junge aus der Nachbarschaft ist noch skeptisch. Er mag lieber Grießbrei, verrät er.

Bild Seine Schwester Angélique hingegen lässt es sich schon lange schmecken. »Lecker«, lautet das Urteil der Siebenjährigen, die kaum Probleme hat, die große Portion auf ihrem Teller zu vertilgen. Die jüngste der drei Geschwister - die siebenjährige Sissi guckt neidisch zu. Sie darf heute wegen eines Magenvirus nichts essen, nimmt aber eine Dose mit Klöpsen und Kartoffeln mit nach Hause - mal sehen, wer abends noch Appetit hat.

Jeden Tag kommen die drei nach der Schule in die karitative Einrichtung im WK 8.3. Gemeinsam mit rund 30 anderen Kindern und Jugendlichen werden sie gegen Vorlage des Leipzig-Passes für 30 Cent pro Tag verköstigt. Manchmal verirren sich auch Straßenkinder hierher. Dann gibt es einen Teller umsonst. Denn das Angebot richtet sich vor allem an sozial benachteiligte Kinder.

»Die Idee dazu hatte die Leipziger Tafel«, erzählt die Caritas-Mitarbeiterin Christina Teichmann. »Zunächst wollten sie uns mit fertigem Essen beliefern, was wir nur noch ausgeben sollten. Aber da wir hier sowieso selbst kochen, war es besser, einfach ein paar Portionen mehr zu machen. Allerdings holen wir uns immer dienstags Lebensmittel von der Tafel - vor allem Obst und Gemüse.«

Vor gut einem Jahr startete das Projekt. Damals waren es gerade einmal zehn Kinder, die täglich zum Essen kamen. Seither werden es von Woche zu Woche mehr hungrige Gäste, die sich zur Mittagszeit in der Liliensteinstraße einfinden. Für manche ist es gar die einzige ordentliche Mahlzeit am Tag, weiß Christine Teichmann zu berichten. Man erkenne es unter anderem daran, wie schnell die Teller leer gegessen sind.

Bild Und noch etwas spricht dafür, dass hier Kinder und Jugendliche einkehren, die vom Leben nicht gerade verwöhnt werden: »Keiner mäkelt am Essen rum. Natürlich hat jeder so seine Lieblingsspeise und wir erfüllen - so weit uns das möglich ist - auch die Wünsche der Kinder. Aber generell wird das angenommen, was eben da ist«, sagt Köchin Lydia Schneider, während sie eilends mit vollen Tellern, die kleinen Gäste bedient.

Die gebürtige Kasachin, die seit sieben Jahren in Deutschland lebt, ist eine von zwei festen Mitarbeitern, neben sechs ehreamtlich Tätigen in der Küche der Caritas-Einrichtung. So viele fleißige Hände tun auch Not. Denn die günstige Mittagsversorgung spricht sich rum. Schon jetzt kommen viele nicht mehr nur aus dem direkten Umfeld sondern aus ganz Grünau. »Es kämen sogar noch mehr, wenn sie eine Fahrkarte hätten. Viele möchten unser Angebot nutzen, sind aber nicht mobil«, glaubt Christina Teichmann.

Überlegungen, ein zweites Lokal in zentraler Lage zu eröffnen, hegt die Caritas dennoch nicht, denn: »Wir würden zwar gern, aber es ist einfach nicht möglich, das mit Personal abzudecken. Hinzu kommt, dass wir ja nur mit den gespendeten Lebensmitteln agieren können. Langsam stoßen wir an unsere Grenzen. 50 Kinder könnten wir maximal versorgen«, schätzt sie die reellen Möglichkeiten der Caritas ein.

Bild Dass das »FAMILIENlocal« so gut angenommen wird, liegt aber nicht allein an den Kochkünsten der Hobbyköche. Es sei die ganze Atmosphäre, die hier herrscht, sagt eine Rentnerin, die gern unter den vielen anderen Menschen ihr Mittag zu sich nimmt. Unangenehm sei ihr das gar nicht, im Gegenteil: Es ist gemütlich, familiär, die Leute sind nett und mit den Kindern verstehe sie sich auch prima, ist die 80-Jährige begeistert.

Am Nachbartisch ist Steve dabei, die letzten Kartoffeln zu verputzen. Es war zwar kein Grießbrei, aber der Teller ist leer. »Na, da hat es wohl doch geschmeckt?«, fragt ihn Lydia Schneider augenzwinkernd. Als Antwort schenkt ihr der Junge ein Lächeln und die Köchin freut sich: »Das ist der schönste Dank«.

Klaudia Naceur
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