Um Grünau ist mir nicht bange
Interview mit LWB-Geschäftsstellenleiter Klaus Hochtritt
- Klaudia Naceur
- 2007 war für Grünau und seine Bewohner ein Jahr mit vielen richtungsweisenden Entscheidungen. Wie beurteilen
Sie die Konzeptionen der Stadt und welche Bilanz zieht Ihr Unternehmen ganz speziell für sich?
- Klaus Hochtritt
- Die Sicherheit für die Bewohner im Kernbereich und in den Stabilisierungskernen ist natürlich positiv
zu bewerten. Die LWB hat dort auch die meisten ihrer Bestände und ist damit ganz zufrieden. Allerdings muss man nun
schauen, wie und ob sich einzelne Planungen umsetzen lassen. Oft scheitern gute Ansätze ja leider an der Finanzierung...
- Klaudia Naceur
- Sprechen Sie jetzt aus eigener Erfahrung?
- Klaus Hochtritt
- (lacht) ... Sicher gab es das auch bei uns in der Vergangenheit ... Aber konkret im letzten Jahr hatten wir uns
lediglich auf Instandhaltungsmaßnahmen konzentriert. Das ist zwar nicht so spektakulär und man sieht es den Häusern von
Außen oft nicht an, aber es muss schließlich gemacht werden. Beispielsweise müssen die alten Aufzugsanlagen gegen moderne
ausgetauscht und die Häuser auf den neuesten Brandschutzstand gebracht werden. Das kostet richtig viel Geld. 2007 haben wir
für solche Arbeiten etwa eine Million Euro investiert. In diesem Jahr wird die Summe ähnlich hoch gelagert sein.
- Klaudia Naceur
- Nun wurde aber nicht nur modernisiert, sondern auch
abgebrochen.
- Klaus Hochtritt
- Das ist richtig. Es waren die letzten großen Rückbaumaßnahmen für uns in Grünau. Wenn der PH9 Karlsruher Straße 8 im
Frühjahr weg ist, ist das Thema Abriss für uns praktisch Geschichte.
- Klaudia Naceur
- Das ist ein Ausblick fürs neue Jahr. Gibt es weitere?
- Klaus Hochtritt
- Wie gesagt, werden wir uns verstärkt der Instandhaltung widmen. Schwerpunkte sind dabei der Dölziger Weg 2 und 4, Am
kleinen Feld 9 sowie der 11-Geschosser Ludwigsburger Straße. Längerfristig haben wir uns zum Ziel gesetzt, mit dem
Austausch aller Aufzugsanlagen bis 2011 fertig zu sein.
- Klaudia Naceur
- Und kurzfristige Ziele? Bei dem geplanten Umzug des Theatriums in die Alte Salzstraße sind sie ja als Eigentümer des
11- Geschossers in diesem Bereich in die Gesamtkonzeption eingebunden, oder?
- Klaus Hochtritt
- Zunächst muss ich sagen, dass dieses Vorhaben für uns ideal ist. Wir bieten dort vor allem 3- und 4-Raum-Wohnungen an
und würden vom Zuzug junger Familien nur profitieren. Was die Zusammenarbeit angeht, stehen wir derzeit noch in Gesprächen
mit der TLG, dem Konsum und der Stadt. Ich schätze, wenn das Theatrium dann wirklich kommt, ziehen alle nach. An dieser
Stelle könnte sich wirklich einmal zeigen, wie effektiv es ist, wenn alle an einem Strang ziehen.
- Klaudia Naceur
- Gibt es schon Ideen für die Nutzung der gewerblichen Räume im Erdgeschoss? Eine ist ja, so weit bekannt,
gescheitert.
- Klaus Hochtritt
- Ja, leider. Es gab Bestrebungen, eine Rollstuhlfahrer-WG dort unterzubringen. Das hat nicht geklappt. Aber in Richtung
Umnutzung soll es schon gehen. Eine gewerbliche Nutzung wäre zwar schön, ist aber nach heutiger Erkenntnis kaum mehr
realisierbar.
- Klaudia Naceur
- ...wie beim ewigen Aufregerthema Nachnutzung. Da klaffen ja Wunschvorstellungen und Realisierbarkeit auch weit
auseinander...
- Klaus Hochtritt
- Obwohl wir jetzt nach den guten Erfahrungen in der Gärtnerstraße bis zum Sommer weitere 20 Garagen in der Dahlienstraße
bauen werden. Zwei weitere wirtschaftlich sinnvolle Nachnutzungskonzepte für die großen Freiflächen im WK 7 und 8 liegen
bereits in der Schublade. Dazu können wir in drei Monaten mehr verraten.
- Klaudia Naceur
- Wir kommen darauf zurück. Abschließende Frage: Wie sehen Sie
Grünaus Zukunft?
- Klaus Hochtritt
- Mir ist um Grünau nicht bange. Das ist ein schöner Stadtteil, der den Vergleich mit anderen Teilen Leipzigs nicht zu
scheuen braucht. Vielleicht sollte man aufhören, ihn zu zerreden. Die LWB hat jetzt begonnen, zu erfassen, wer nach Grünau
kommt, wer es verlässt und warum. Das ist für uns und unsere Mieterbindung enorm wichtig und das ist es, worauf es
letztlich ankommt. Damit die Grünauer sich auch weiterhin wohl fühlen.