Grün-As
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Grünau dank Gusche

»Grün-As«-Porträt: Peter Niemann, ehemaliger Grünauer Revierleiter

Im Januar 2010 hätte Grünau ein besonderes Jubiläum feiern können. Dann nämlich wäre das hiesige Polizeirevier 30 Jahre alt geworden. Durch die Zusammenlegung der Reviere Nordwest und Grünau zu Jahresbeginn bleibt dem Stadtteil zwar die große Polizeiparty verwehrt. Doch den Wechsel einiger Ordnungshüter in andere Reviere, nehmen wir zum Anlass, einen von ihnen in unserer Porträtreihe vorzustellen.

Peter Niemann war nicht nur Polizist der ersten Stunde im jungen Leipziger Stadtteil. Er verbrachte darüber hinaus auch die Hälfte seiner Dienstzeit im Revier Grünau - die letzten 18 Jahre als dessen Leiter. Sein Wunsch war das jedoch nicht...

»Nach Grünau?«, erinnert er sich lachend »Da möchtest'e eigentlich nicht hin!«. Er kannte das Terrain im Leipziger Westen bereits. Vor allem Bombenfunde beim Bau der S-Bahn-Strecke machten immer wieder große Polizeieinsätze nötig. »Nur Beton. Das war nichts für mich«, sagt Niemann. Genützt hat ihm dieses klare Statement aber nichts, denn der damalige Meister der VP war schon längst dafür auserwählt. Quasi strafversetzt, weil er immer die große »Gusche« hatte, meint er. Man glaubt es ihm. Wie ein zu groß geratener Junge in Uniform sitzt der gemütliche Endfünfziger mit den weniger werdenden Haaren in seinem neuen Büro und spielt unablässig mit einem Schnippsgummi, während er aus seinem Leben plaudert.

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Die Polizei - dein Freund und Nachbar

Geboren wurde Peter Niemann am 17. Dezember 1950 in Elbingerode. Die ersten acht Jahre seiner Kindheit verbrachte er im Harz. Seine Eltern hatten im Nachbarort Rübeland eine kleine Bäckerei. Direkt neben der berühmten Baumannshöhle betrieben sie zudem eine Eisdiele. Den Spruch, mit dem sie ihre kalte Leckerei bewarben, kann er bis heute auswendig: »Der Höhlenbär, der schleckt, weil Niemanns Eis ihm so gut schmeckt.«

Als die Familie 1958 das Haus im Harz nicht mehr behalten konnte, verschlug es sie in die alte Heimat des Vaters - nach Leipzig. Ihrem Handwerk blieben die Niemanns jedoch treu und eröffneten in der Weißenfelser Straße eine neue Bäckerei. »Für mich hieß der Betrieb meiner Eltern, dass ich seit frühester Kindheit mit anpacken musste. Kohlen schleppen war nur eine meiner Aufgaben«, sagt Peter Niemann ernst, aber keineswegs verbittert.

Das Geschäft übernehmen, wollte er allerdings nicht und auch die VP musste noch eine Weile auf ihn warten. Denn obwohl der junge Peter in direkter Nachbarschaft zum Polizeirevier Südwest aufwuchs und die Arbeit der Ordnungshüter - wie für die meisten Jungen dieses Alters - eine gewisse Anziehungskraft hatte, entschied er sich zunächst für eine Maschinenbau-Lehre in den nahe gelegenen KIROW-Werken. Dort wäre er vielleicht sogar noch heute beschäftigt, wenn er nicht 1969 zur Armee gemusst hätte.

Klaudia Naceur

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