Grün-As

Grünau dank Gusche

»Grün-As«-Porträt: Peter Niemann, ehemaliger Grünauer Revierleiter (2)

Das Geschäft übernehmen, wollte er allerdings nicht und auch die VP musste noch eine Weile auf ihn warten. Denn obwohl der junge Peter in direkter Nachbarschaft zum Polizeirevier Südwest aufwuchs und die Arbeit der Ordnungshüter - wie für die meisten Jungen dieses Alters - eine gewisse Anziehungskraft hatte, entschied er sich zunächst für eine Maschinenbau-Lehre in den nahe gelegenen KIROW-Werken. Dort wäre er vielleicht sogar noch heute beschäftigt, wenn er nicht 1969 zur Armee gemusst hätte.

Bild »Das«, so sagt Niemann, »wollte ich aber vermeiden. Zu der Zeit konnte man sich davon befreien, in dem man sich bei der Polizei verpflichtete. So konnte ich auch weiterhin meinen Eltern behilflich sein.«

Aus den drei Jahren wurden bis zum heutigen Tage beinah 40. Warum er dabei geblieben ist, kann er heute gar nicht mehr so eindeutig sagen. Die Anfänge im Polizeidienst waren nämlich alles andere als ein Zuckerschlecken. Seine Wache war jene, die er seit seiner Kindheit bestens kannte und der Streifenweg führte ihn täglich rund um den Felsenkeller - die ersten sechs Wochen als »grüner Kommissar«, wie die Anwärter umgangssprachlich genannt wurden und später als Unterwachtmeister.

»Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Unsere Dienstfahrzeuge waren ein LO (gesprochen Ello), eine Schwalbe und ein Fahrrad. Ich bin täglich acht bis zwölf Stunden getippelt - allein. Wenn wir zu zweit waren, haben wir eigentlich gegen die Vorschriften verstoßen«, erzählt der hochgewachsene 58-Jährige lächelnd. Der Streifeneinzeldienst blieb seine Aufgabe und so anstrengend dieser zuweilen auch gewesen sein mag. Zwischenzeitlich wünschte er sich nichts sehnlicher, als wieder stundenlang allein durch sein Viertel zu »tippeln«.

Fehlende Beflaggung beendet Langeweile

Zweieinhalb Jahre nämlich war Niemann abgestellt - zum so genannten Missionsschutz. Das bedeutete 12-Stunden-Schichten im sowjetischen Konsulat am Kickerlingsberg für den 22-Jährigen. Nicht, dass die Aufgabe besonders anspruchsvoll oder unangenehm gewesen sei. »Es war einfach nur langweilig. Ich wollte etwas erleben, mit Menschen in Kontakt treten und nicht irgendwo alleine rumsitzen«, kommentiert er seine einstige Unruhe. Der Zufall wollte es, dass er seine alte Stelle wieder bekam, obwohl diese Geschichte auch anders für den inzwischen verheirateten jungen Vater hätte ausgehen können: »Ich hatte zum 1. Mai keine Fahne aus dem Fenster gehangen und irgend jemand hatte mich deswegen bei meinen Vorgesetzten verraten.«

Klaudia Naceur

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