Grün-As

Adieu Brotfabrik

Bäckerei Kleinert gibt genervt auf

Er hatte sich alles so schön vorgestellt - nun ist der Traum einer großen Brotfabrik mitten im Herzen Grünaus ausgeträumt. Jürgen Kleinert hebt die Hände. Vier Jahre Behördenärger und ein Kleinkrieg mit den Nachbarn haben den Chef des alten Leipziger Familienunternehmens resignieren lassen. »Das hat keinen Sinn mehr hier. Das Umfeld war uns einfach nicht freundlich gesinnt«, sagt er hörbar frustriert.

Als Kleinert 2005 das fast leer stehende Gebäude an der Alten Salzstraße kaufte, hatte der Bäckermeister hehre Ziele: Der Flachbau sollte nicht nur zur modernen Bäckerei umfunktioniert werden, sondern auch ein Café beherbergen. Gläserne Wände sollten zudem für Schauwerkstattatmosphäre sorgen. In Kauf und erste Sanierungsarbeiten investierte Kleinert schon ein kleines Vermögen. Erste behördliche Hürden waren noch relativ einfach zu nehmen. Ein Lärmgutachten wurde in Auftrag gegeben und positiv beschieden. Aus Rücksicht zur Nachbarschaft plante das Unternehmen gar die komplette Be- und Entladung der Lieferfahrzeuge im Halleninneren zu realisieren. Zuversichtlich wollte der engagierte Bäcker die ersten Brötchen bereits Ende 2006 in seiner neuen Fabrik backen.

Die Rechnung hatte er jedoch ohne die Anwohner gemacht. Diese befürchteten eine olfaktorische Belästigung und beharrten auf einem Geruchsgutachten. Der Mittfünfziger war auch zu diesem Zeitpunkt noch optimistisch, ließ die Expertise anfertigen und konnte damit alle Bedenken zerstreuen (»Grün-As« berichtete im Juli 2007). Dennoch dauerte es noch ein halbes Jahr bis die Baugenehmigung im Dezember 2007 endlich erteilt wurde. Zu spät für Jürgen Kleinert und sein visionäres Vorhaben. Denn die lange Verzögerung hat ihn richtig viel Geld gekostet (»Grün-As« berichtete im Januar 2008). An einen zügigen Fortgang der umfassenden Umbau- und Sanierungsarbeiten war nicht mehr zu denken.

Bild Bis zu 300.000 Euro hätten diese immerhin gekostet - Geld, das nicht mehr in diesem Umfang zur Verfügung stand. Das Aus? »Nein«, sagte Jürgen Kleinert vor eineinhalb Jahren noch, wenngleich nicht mehr so euphorisch wie zu Beginn. Kleinere Schritte wollte er gehen und zumindest mit dem Innenausbau bis Ende 2008 fertig sein. Im Mai 2009 endlich eine Veränderung an der ehemaligen Großraumgaststätte. »Zu verkaufen« prangt in großen, weißen Lettern auf roter Plane am Sims des Flachbaus. In seinem Innern sieht es nach wie vor trostlos aus. »Die Zeiten sind im Allgemeinen nicht günstig. Wir würden die Finanzierung momentan nicht schaffen«, verweist der einst so hoffnungsvolle Brotfabrikant in spe auf die wirtschaftliche Krise, die so viele Pläne derzeit lahm legt. Ganz aufgegeben hat er seine Ziele zwar noch nicht. Immerhin wollte und musste er sich aufgrund der räumlichen Enge im angestammten Backbetrieb in der Lützner Straße vergrößern.

Aber beim Namen Grünau, winkt Kleinert ab: »Wir hätten hier auf lange Sicht keinen Frieden gehabt. Unser Umfeld hat nur darauf gelauert, uns beim Ordnungsamt anzuschwärzen. Das war einfach keine Basis.« Explizit hat es keiner erwähnt, aber bei der Entscheidung, ob der Standort Alte Salzstraße überhaupt noch Sinn hat oder nicht, dürfte die Ansiedlung des Discounters Netto auch eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. Der Neubau, der im Juli eröffnet, wurde der geplanten Brotfabrik großflächig quasi genau vor die Nase gesetzt und wird zukünftig einen eigenen Backshop beherbergen. Von Behörden und Stadtteil enttäuscht, versucht Jürgen Kleinert nun wenigstens einen Teil seiner Investition durch den Verkauf der Immobilie zurück zu bekommen. Was passiert, wenn ihm das nicht gelingen sollte, weiß er noch nicht so recht. Was Grünau mit dem Scheitern eines solch innovativen Projektes verliert, dürfte hingegen klar sein.

Klaudia Naceur
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