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Was ist los am Ratzelbogen?

Die Wogen schlagen hoch, Abholzungswahnsinn gegen Nahversorgung?

Am Ratzelbogen wurde eine Reihe von Bäumen gefällt, Baumaßnahmen sind im Gange und die Wogen der Erregung schlagen hoch. Während sich der Umweltverband Ökolöwe vom Vorgehen der Baufirma, die über Nacht sämtliche Bäume auf dem Areal abholzen ließ, überrascht zeigte, drohten die Grünen sogar an, die Sondergenehmigung juristisch überprüfen zu lassen. Einen Großteil der Anwohner hat das Vorgehen mit Befremden aufgenommen und sich in Leserbriefen entrüstet gezeigt. Worum geht es eigentlich genau? Dort, wo jetzt die Baumaßnahmen stattfinden, soll ein neuer SB Markt entstehen. Zum Teil standen dort eine Reihe von Bäumen.

Laut Baumschutzsatzung der Stadt dürfen Bäume aber um diese Jahreszeit nicht mehr geschlagen werden. Nötig wäre dafür eine Sondergenehmigung. Diese Sondergenehmigung war bis auf Weiteres aber erst mal nicht zu bekommen. In der Stadt war spontan keiner in der Lage, Auskunft zu geben, wo die Sondergenehmigung einzusehen ist und wer sie erstellt hat. Der eigentliche Ansprechpartner Herr Nussmann von der Abteilung für Baumschutz verwies auf das Amt für Umweltschutz. Dort war aber kurzfristig niemand zu erreichen. Bleibt die Sache mit dem SB Markt. Dazu gibt es Folgendes zu sagen: Ende letzten Jahres wurde ein Bebauungsplan aufgestellt, indem es zur Planungsbegründung in Bezug auf den damals schon bekannten Plan einen SB Markt zu errichten heißt:

Bild »Mit Blick auf den starken Einwohnerrückgang (in Grünau-Mitte und Lausen-Grünau mit über 30% seit 1998) und der daraus resultierenden Stadtumbau-Strategie für die Großsiedlung werden städtebaulich negative Auswirkungen dieser Erweiterung der Verkaufsflächen auf die benachbarten zentralen Versorgungsbereiche "Karlsruher Straße" und das Zentrum "An der Kotsche" von Seiten der Stadtentwicklungsplanung als nicht unerheblich beurteilt. Auch besteht die Gefahr, dass die bestehende kompakte Bebauung des Nahversorgungszentrums dadurch allmählich strukturell aufgelöst wird.«

Dies lässt eigentlich darauf schließen, dass die Stadt hier eine gewisse Gefahr gesehen hat. Warum es dann doch zu der Bebauung kam, bleibt offen. Von Seiten des Investors heißt es bislang dazu, dass die Planungen der Stadt seit über zwei Jahren bekannt seien und man sie sofort und ausführlich informiert habe. Warum davon allerdings augenscheinlich recht wenig beim Bürger ankam, ist bislang ungeklärt. Zudem seien Ausgleichsmaßnahmen angedacht, die eine deutliche Verbesserung der Grünflächenstruktur darstellen würden, heißt es weiter. Ob man dadurch die bisherige Struktur ersetzen kann, ist aber fraglich. In der nächsten Ausgabe werden wir über das Thema ausführlicher berichten und auch die Planungen des Investors im Detail vorstellen.

Jürgen Kasek
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