Grün-As

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser, heute wende ich mich in erster Linie an unsere weibliche Leserschaft - steht doch am 8. März mal wieder deren Ehrentag ins Haus. Der »internationale Frauentag«, wie er leicht hochtrabend genannt wird, ist seit meiner frühesten Kindheit untrennbar mit dem Ritual des Blumenstraußverschenkens verbunden.

Zunächst kam natürlich lediglich meine Mutti in den Genuss, ein Sträußchen von mir überreicht zu bekommen. Das war - man möge mein Geburtsjahr (1961) bedenken - gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Generationen ostdeutscher Männer können nachempfinden, was es hieß, im März Blumen erstehen zu wollen. Spontan ging da schon mal gar nichts. Stundenlanges Anstehen vor dem Floristikgeschäft war da schon eher angesagt.

Schlimmer noch als das kollektive Warten in einer vornehmlich männlichen Schlange war allerdings die Aussicht auf lediglich ein paar Stängel Nelken. Auf viel mehr konnte man nicht hoffen, aber egal: Selbst der mickrigste Strauß dieser Blumengattung zauberte ein Lächeln in das Gesicht meiner Mutti und der ganze Stress hatte sich gelohnt. Manchmal kratzte ich auch all mein Taschengeld zusammen und erstand eine Schachtel Pralinen.

Später - als ich längst nicht mehr nur mein weibliches Elternteil beschenkte - bekam ich mit, dass Frauen »ihren Tag« gern gemeinsam begehen - vorzugsweise im Arbeitskollektiv. Besonders intensiv wurde bei den Krankenschwestern im Robert- Koch-Klinikum gefeiert. Meist gingen den ausgelassenen Festivitäten, Auszeichnungen mit entsprechenden Prämienzahlungen voraus. Nicht selten wurde das Geld gleich an Ort und Stelle verfeiert.

Das ist Geschichte - große Frauentagsrunden im Kollegium dürften der Vergangenheit angehören. Blumen bekommt man jeden Tag ohne Anstehen und in einer unüberschaubaren Auswahl. Pralinen wollen die Frauen heutzutage leider auch nicht mehr essen. Eines habe ich jedoch beibehalten: Meiner Mutti schenke ich wie jedes Jahr ein paar Blümchen als kleine Anerkennung für das, was sie in ihrem Leben geleistet hat.

Allen Leserinnen wünsche ich auf diesem Wege einen schönen Frauentag. Den Männern möchte ich raten: Denkt an eure bessere Hälfte und verwöhnt sie - sie haben es sich verdient.

Ihr Uwe Walther
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