Grün-As

»Bewegung bedeutet Leben«

Engagiert im Wohnbereich: Ingrid und Fritz Hundt

»Seit 1981 wohnen wir in Grünau. Vor unserem Haus befand sich eine hektargroße, unbepflanzte Fläche. Diesen Zustand konnten wir nicht ertragen und begannen einfach, das Gebiet mit Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen«, erzählen der pensionierte Lehrer und seine Frau, die als Kindergärtnerin gearbeitet hat.

»Wir haben schrittweise alles angelegt, die Beete mit den Blumen, Bänke und Stühle organisiert, die Blumenhäuser, in denen seit einigen Jahren vier freilaufende Katzen wohnen. Ja, und zur Osterzeit schmücken wir, zusammen mit zwei Mitbewohnerinnen, die Sträucher mit bunten Ostereiern. Damit haben wir vor zehn Jahren begonnen.« Zu dritt - Frau Hundt hat Kaffee und Kuchen bereitgestellt - sitzen wir in diesem blühenden Garten, der im Wohnkomplex 5 nicht nur zum Ausruhen einlädt, sondern in dem sich auch Nachbarn begegnen, treffen - und mithelfen.

»Die meisten Anwohner nehmen unsere Tätigkeiten hier wohlwollend an. Manche unterstützen uns, helfen mit bei der Pflege gerade im Frühjahr, bringen Pflanzen oder auch etwas für die Katzen. Einmal brachte uns eine Frau Eier zum Aufhängen vorbei. Zuerst wollte sie, dass wir die Eier befestigen. Das haben wir nicht gemacht, sondern ihr gesagt, sie soll sich einen Busch aussuchen, und die Eier selbst aufhängen.« In der Zwischenzeit kam ein Ehepaar mit dem Fahrrad. Sie haben sich alles angeguckt und fotografiert. Die Frau und das Ehepaar kannten sich, hatten sich aber schon zehn Jahre nicht mehr gesehen.

Eine solche Begegnung - es gibt ja keine Zufälle, lächelt Herr Hundt - ist eine neue Qualität. Manchmal kommen auch Kindergartenkinder, um sich alles anzuschauen. Sogar einmal eine Gruppe mit behinderten Kindern. »Meistens kommen die Kleinen ja mit den Omas«, berichtet Frau Hundt. »Oder mit den Muttis. Sie machen hier erst einmal Station, bevor sie nach Hause gehen.« Aber auch manche Wandergruppen legen einen Halt ein. Familie Hundt zählt nicht die Stunden, die sie im »Garten« arbeiten. Es macht ihnen Freude - und nicht nur ihnen, sondern Jung und Alt, die oft einfach nur vorbeikommen.

»Das ist dann wiederum eine Freude für uns, wenn die anderen sich freuen«. Während der zwei Stunden, in denen wir uns unterhalten, bringt ein Mann in einem Eimer Grünpflanzen, um - er hat es eilig - gleich wieder zu gehen. Eine Frau setzt sich gegenüber auf eine Bank, raucht eine Zigarette. Eine andere bleibt kurz stehen, um ein Problem zu schildern. Ein Arbeitskollege von Herrn Hundt lädt diesen zu seinem 60. Geburtstag ein. Ihnen allen bietet Frau Hundt etwas zum Verzehr an.

Doch die Hundt's sind ebenso in weiteren Bereichen ehrenamtlich aktiv. Noch während seiner Zeit als Lehrer hat Herr Hundt im Sportgymnasium ein Schulmuseum eingerichtet, das er bis heute betreut. Seit acht Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den Grabstätten auf dem Südfriedhof. Ihn interessieren die Geschichten der Leipziger, die hier bestattet sind. Schon über 300 Grabstätten umfasst seine Kartei. Gleichzeitig bietet er Führungen auf dem Friedhofsgelände an. »Natürlich kostenlos.« Beide besuchen zudem zwei alte Damen, die sie pflegerisch begleiten, mit ihnen zum Arzt fahren oder zum Frisör gehen. Ihre vielfältige ehrenamtliche Arbeit ist für Familie Hundt quasi zum Mehrwert ihres Lebens geworden. Sie würden Jedem raten, ein Ehrenamt aufzunehmen. »Es ist auch ein Stück Freiheit, die man dadurch gewinnt.«

W. Walter
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