Grün-As

Damit bliebe ein Minusgeschäft

Jürgen Kasek und Silvia Maria Richter zum Kanalprojekt

Grün-As fragte zum Kanalprojekt:

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Jürgen Kasek

Jürgen Kasek
Rechtsanwalt, Stadtbezirksbeirat für die Grünen

Zunächst mal muss man festhalten, dass das ASW die Fördermittelsituation gut im Auge behalten hat. Denn tatsächlich wäre eine Realisierung des Projektes ohne die Fördermittelkulisse nicht möglich und die Fördermittel müssen dieses Jahr abgerufen werden. Trotzdem wird eine falsche Prioritätensetzung deutlich. Die Eigenmittel der Stadt sollen durch den Verkauf der Grundstücke wieder hereingeholt werden. Bedeutet im besten Fall erreicht die Stadt eine schwarze Null. Dazu erscheint aber die dargelegte Rechnung der Stadt nicht plausibel. Die angesetzten Verkaufskosten sind schlicht und ergreifend zu hoch angesetzt und es bestehen erhebliche Zweifel, ob die erwartenden Verkaufssummen tatsächlich realisiert werden können, was ich nicht glaube. Damit bliebe ein Minusgeschäft.

In der aktuellen Situation wäre es sinnvoller gewesen die Eigenmittel der Stadt in die Infrastruktur zu stecken, etwa in den Bereich Bildung. Weiterhin muss kritisiert werden, dass bei der Entwicklung des Hafens Bürgerbeteiligung so gut wie keine Rolle gespielt hat. Das Projekt Lindenauer Hafen ist nicht für die Bürger konzipiert, sondern einzig und allein für mögliche Grundstückskäufer. Die Ausstrahlungswirkung des Hafens wird zudem in Grünau kaum spürbar sein. Wenn es zu einer Aufwertung kommen sollte, dann vor allen Dingen in Altwest in der Region um die Plautstraße.

Den Grünauern ist hier aber immer wieder vorgegaukelt worden, dass das ganze ein Projekt von Grünau wäre. Betrachtet man die Lage des Hafens, seine derzeitige Bedeutung für die Stadt und Grünau und die Planungsgrundlagen, ist diese Behauptung durch nichts belegbar. Außerdem wird der entstehende Wohnraum nur für wohlhabende Familien bei erwarteten 8 Euro pro qm Miete (kalt) zu bezahlen sein, was der sozialräumlichen Entmischung der Stadtquartiere Vorschub leistet. Auch sind die Einschnitte in die Umwelt nicht ausreichend ausgeglichen und im Verfahren nicht hinreichend thematisiert. Daher ist die Entwicklung des Lindenauer Hafens derzeit meines Erachtens nicht zielführend.

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Silvia Maria Richter

Silvia Maria Richter
Diplom-Geographin

Kaum zu glauben, aber es ist schon wieder sieben Jahre her, dass ich mich in meiner Diplomarbeit intensiv mit Nutzungsmöglichkeiten des Gebietes rund um den Hafen, der eigentlich keiner ist, aber nun endlich werden soll, beschäftigt habe. Inhalt der Arbeit war unter anderem eine Nutzerbefragung, die schon damals die Vielfältigkeit der Vorstellungen einer möglichen Entwicklung des Lindenauer Hafens darstellte und es künftigen Planern nicht einfach machen würde, die Wünsche von Bürgern, Naturschützern, Wassersportlern, Investoren, Städtebauern und vielen mehr unter einen Hut zu bekommen - eine schwierige Aufgabe, die natürlich Kritik mit sich bringen würde.

Ich möchte mich mit Kritik zurückhalten und bin einfach froh, dass der Lindenauer Hafen nun nach so langer Zeit aus seinem noch nicht ganz 100-jährigen Dornröschenschlaf geweckt wurde und ein Stück weit seiner eigentlichen Aufgabe zugeführt wird - ein Hafen zu sein. Ich hoffe natürlich, dass sich am Ende alle Nutzergruppen in dem Areal wiederfinden können.

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