Grün-As

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser, wie oft habe ich mir als passionierte Radfahrerin gewünscht, es gebe einen wassernahen Non-Stopp-Weg von Leipzig bis ans Meer - ohne, dass ich dafür zunächst umständlich mit dem Auto oder dem Zug irgendwo hinfahren muss?

Wie oft stand ich am Ende des Karl-Heine-Kanals und bedauerte, dass es nur ein paar hundert Meter sind, die mich von meinem Ziel trennen und wie oft habe ich dabei an die vielen frustrierten Wassersportler gedacht, denen es mindestens genauso gehen dürfte.

Die Vision eines Anschlusses der Messestadt zu den Weltmeeren hatten schon Viele. Mehr oder weniger erfolgreich wurde dieses Ziel in den vergangenen Jahrhunderten angegangen. Bislang sind all diese Versuche allerdings bedauer licherweise gescheitert. Nun gibt es jedoch einen neuen Anlauf. Kanal und Hafenbecken werden in den kommenden Monaten miteinander verbunden und damit die ersten fehlenden 665 Meter überbrückt. Das freizeitlich-sportlich orientierte Herz in meiner Brust jubiliert und wähnt sich schon auf einer sommerlichen Radtour gen Hamburg. Doch da war doch noch was...

Genau. Da gibt es noch die ehrgeizigen Pläne einer ehrgeizigen Stadt, die mit jenem Durchstich einhergehen. Kritiker sprechen von einem Prestigeprojekt ähnlich dem des Citytunnels, das viel Geld verschlingt und nur wenigen etwas nützt. Denn beim Vorhaben »Lindenauer Hafen« geht es nicht nur darum, eine Wasserverbindung herzustellen, um ungehinderte Bootsfahrten zu ermöglichen, sondern hier soll praktisch ein gänzlich neues Quartier entstehen. Der Verkauf der Grundstücke soll im günstigsten Fall letztendlich die Baukosten von 9 Millionen Euro refinanzieren.

Zugegeben: Jeder Leipziger würde wahrscheinlich mit dem Kopf schütteln, versenkte die Stadt Millionen in ein paar hundert Meter Wasserstraße, ohne davon auch zu profitieren. Allein mit glücklichen Paddlergesichtern kann eine Kommune nun einmal nicht haushalten und wer das Gelände östlich des Hafenbeckens kennt, der kommt nicht umhin zuzugeben, dass es kein besonders schönes Fleckchen Erde ist. Aufwertung tut dringend Not, aber muss es denn unbedingt wieder Wohnbebauung im gehobenen Preissegment sein, die Geld ins Stadtsäckel zurückführen soll? Birgt das nicht schon wieder die Gefahr, dass ein Stück gemeinschaftlich nutzbarer Freiraum nur einer ganz bestimmten Klientel zugänglich gemacht wird?

Bei aller Skepsis: Zugute halten muss man den Planern, dass sie entgegen des Konzeptes »Olympisches Dorf 2012« den idyllischen westlichen Uferbereich größtenteils unberührt lassen. Hätten die Spiele dieses Jahr in Leipzig stattgefunden, so wäre auch dort umfangreich gebaut worden. So aber soll sich lediglich der bereits jetzt schon existente Radweg durch die Ausläufer der Schönauer Lachen schlängeln und wird irgendwann Bestandteil meiner sommerlichen Tour von Leipzig an die Landungsbrücken. Darauf freut sich Ihre

Klaudia Naceur
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