Grün-As

Vom Kohlebergbau zum Naherholungsgebiet

Kulkwitzer See glich vor 20 Jahren noch einer Mondlandschaft

Besucher unseres Naherholungsgebietes »Kulkwitzer See« sind sehr erstaunt, wenn sie erfahren, dass hier noch vor etwas mehr als 20 Jahren Braunkohle im Tagebau gefördert wurde und diese Gegend einer Mondlandschaft glich. Genau 100 Jahre Kohlebergbau, davon allerdings die ersten 75 Jahre unter Tage, veränderten zwischen Kulkwitz, Göhrenz, Albersdorf, Lausen, Miltitz und Markranstädt die Topographie der Landschaft wesentlich und z.T. natürlich auch die sozialökonomische Struktur dieser Orte.

Wenn auch diese 100 Jahre nur eine Episode in der Wirtschaftsgeschichte unserer engeren Heimat darstellen, sind diese doch so interessant und bemerkenswert, dass darüber und über die erfreuliche Nachfolgenutzung als Naherholungsgebiet berichtet werden soll. Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts ließ der Landwirt Traugott Schröter aus Göhrenz auf eigene Rechnung an verschiedenen Stellen der dortigen Flur Bohrungen durchführen. Dabei wurden in etwa 20 Meter Tiefe drei bis neun Meter mächtige Braunkohleschichten festgestellt.

Auf Grund dieses Resultats und nach, entsprechenden Verhandlungen bildete Schröter mit den Herren Staffelstein, Schönemann, König, und dem Berginspektor Randhahn ein Konsortium mit dem Ziel, diese Kohle zu fördern. Abbau natürlich unter Tage, denn Tagebau und die dazu notwendigen Bagger usw. waren damals noch unbekannt. Im Jahre 1864 gründete man die »Grube Mansfeld« (der Name deshalb, weil aus dem Mansfeldischen erfahrene Bergleute hergeholt wurden) und ließ im Albersdorfer Flur in der Nähe von Kohlwagens Mühle den ersten Schacht abtäufen. Man bekam aber die starken Wassereinbrüche nicht unter Kontrolle und mußte recht bald an dieser Stelle die Förderung aufgeben.

Mit dem »Glück-auf-Schacht«, der nun in der Nähe der Zwenkauer Straße, am Abzweig nach Göhrenz angelegt wurde, hatte man mehr Glück. Um die Jahrhundertwende förderten aus diesem Schacht 200 Bergleute täglich 900 »Hektoliter« Braunkohle. Deshalb wurden 1910 in unmittelbarer Nachbarschaft des Braunkohlewerkes die Landkraftwerke Kulkwitz gebaut und in Betrieb genommen.

Im Jahre 1937 wurde die unrentable Untertageförderung aufgegeben und längs der Zwenkauer Straße, zwischen Ortsgrenze Markranstädt und dem Braunkohlewerk mit der Kohleförderung im Tagebau begonnen, denn inzwischen waren die notwendigen Großgeräte für die Beseitigung des Abraumes und des Kohleabbaus erfunden und gebaut worden.

Dieser erste Tagebau fand dann seine Fortsetzung westlich von Göhrenz und Lausen bis hin nach Miltitz (ab 1956). Dafür mußten verschiedene direkte Verbindungswege zwischen Markranstädt und Göhrenz bzw. Lausen sowie die beiden Wasserwerke geopfert und die Fernverkehrsstraße F 87 zwischen Markranstädt und Miltitz im Bogen nach Norden verlegt werden.

Den geförderten Abraum transportierte man anfangs auf die sich durch den vorherigen Tiefbau gebildeten, für die Nutzung gesperrten sogenannten Bruchfelder zwischen Kulkwitz und Markranstädt, später an das Restloch an der Zwenkauer Straße, so dass hier eine Hochkippe entstand, auf der teils Wald angepflanzt, teils Klärgärten angelegt wurden.

Die Auskohlung des Tagebaues im Bereich Miltitz war 1963 beendet. Bereits fünf Jahre vorher wurde entschieden dieses letzte Restloch, das sich von Göhrenz bis Miltitz erstreckt, als Naherholungsgebiet zu gestalten.

Bild Eine entsprechende Konzeption, deren stufenweise Realisierung auf 30 Jahre angelegt war, wurde erarbeitet. Schon zu dieser Zeit - also 1958 - begann man mit Böschungsregulierungen. Nach Abtransport der Bagger, sowie anderer Geräte und Einrichtungen füllte sich die Grube von Jahr zu Jahr deutlich sichtbar mit Grund- und Niederschlagswasser (immerhin etwa drei Millionen Kubikmeter pro Jahr). 1983, nach 20 Jahren, war der See 150 Hektar groß: die größte Länge 2.700 m, die größte Breite etwas mehr als 1.000 m und die größte Tiefe 25 Meter. Das gesamte Naherholungsgebiet nimmt eine Fläche von etwa 400 Hektar ein!

Vorerst konzentrierte man, sich auf den Ausbau und die Gestaltung des Ostufers. Ab 1971 liefen verstärkt die Planierungs-, Erschließungs- und Hochbauarbeiten an. Im Jahre 1972 wurde »Frieda« - ein Saale-Lastkahn von 53 m Länge und 6 m Breite - in drei Teilen auf Tiefladern von Wettin nach hier transportiert, auf ein vorgefertigtes Fundament gesetzt, wieder zusammengeschweißt und als moderne Schiffsgaststätte umgebaut und eingerichtet.

Mit ihr - als »MS Leipzig« - wurde im Mai 1973 das Naherholungszentrum Kulkwitzer See offiziell eröffnet. Als zentrale gastronomische Einrichtung mit 180 Plätzen ist sie später mit einer geräumigen Freifläche und einer Reihe weiterer Versorgungseinrichtungen umgeben worden, deren Betreiber gemeinsam bemüht sind, die Wünsche der Besucher - und das sind an heißen Sommertagen an die 30.000 zu erfüllen.

Der Wald auf der Hochkippe im Südwesten des Sees lädt mit seinen schattigen Wegen zu ausgedehnten Spaziergängen ein und bietet einen herrlichen Blick über den See. Wo man Baden, Tauchen, Segeln, Surfen oder Spielen kann, das weiß sicher auch jeder Grünauer?

Weniger sicher ist, ob alle noch wissen, dass man in den 80er Jahren sogar Strandkörbe am Kulki ausleihen konnte. Wer also gern einmal vor seiner Haustür wandern oder radeln möchte, kann dies rund um den Kulkwitzer See tun. Die einfache Umrundung ist kleiner als 10 km.

Günther Kluge
Auszüge aus »Historisches rund um Grünau«
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