Eiger Nordwand
Letztes Großprojekt im Rahmen des Stadtumbaus in Grünau
Der geplante Abriss des Elfgeschossers 2 bis 28 in der Neuen Leipziger Straße, - der sogenannten »Eiger
Nordwand«
-, sorgte Anfang November für Unmut unter den Grünauern. Der Vorwurf: Die LWB hätte den Abriss schon
lange geplant, aber ihre Mieter darüber nicht informiert, so dass diese vom geplanten Abbruch aus der Zeitung erfahren
mussten. »Grün-As«
sprach mit LWB-Pressesprecher Gregor Hoffmann.

- Klaudia Naceur
- Wie lange steht eigentlich schon fest, dass der Elfgeschosser Neue Leipziger Straße 2 bis 28 wegkommen soll?
- Gregor Hoffmann
- Es ist bedauerlich, dass viele Mieter tatsächlich aus der Zeitung
vom geplanten Abriss erfuhren, üblicherweise schreiben wir die Mieter zunächst an. Dies war bei der Neuen Leipziger Straße
für den Januar 2006 geplant, - unmittelbar bevor die Kollegen das direkte Gespräch mit den Mietern suchen wollten.
Nun zu ihrer Frage: Unternehmensintern wurden die Weichen für den Abriss im Laufe dieses Jahres gestellt, weil der Leerstand im Haus unaufhaltsam stieg. Der Aufsichtsrat, dem im übrigen Beigeordnete und Vertreter der im Stadtrat sitzenden Fraktionen angehören, stimmte im August den Abbruchplänen zu.
Außerdem befindet sich die Neue Leipziger Straße in einem Gebiet (WK 7), das der Stadtentwicklungsplan (STEP) als Umstrukturierungsgebiet ausweist. In einem solchen Gebiet wird besonders aufmerksam beobachtet, wie sich der Leerstand entwickelt. - Klaudia Naceur
- Wie hoch war der damals? Und heute?
- Gregor Hoffmann
- Als der Aufsichtsrat seine Entscheidung traf, lag der Leerstand bei über 35 Prozent. Inzwischen stehen über die Hälfte der 543 Wohnungen leer.
- Klaudia Naceur
- In einem offenen Brief an die LWB wird von
»Umsiedlung«
gesprochen? Haben Sie Verständnis für solche Reaktionen? - Gregor Hoffmann
- Ich verstehe zwar, dass Menschen, die jahrelang dort lebten und sich wohl fühlten, verärgert sind und wenig Verständnis für den Abriss haben. Andererseits muss jedes Wohnungsunternehmen wirtschaftlich arbeiten und auf den Leerstand reagieren, der enorm hohe Kosten verursacht. Dieses Geld sollte besser in den intakten Wohnungsbestand, in Instandhaltungen und Sanierungen investiert werden.
- Klaudia Naceur
- Woran liegt es, dass sich der Block so schlecht vermietet? Die Nähe zum See und vorhandene Fahrstühle machen das Wohnen in besagtem Elfgeschosser doch eigentlich attraktiv.
- Gregor Hoffmann
- Darüber könnte ich allenfalls spekulieren. Man müsste hierzu diejenigen fragen, die ausgezogen sind und sich für eine andere Wohnung, eine andere Wohnlage entschieden haben. In erster Linie entscheiden doch die Mieter mit den Füßen. Nicht außer Acht lassen sollte man aber auch den weiter anhaltenden Bevölkerungsrückgang in Grünau, der dem Stadtteil weiter Einwohner entzieht.
- Klaudia Naceur
- Wie geht es nun weiter, da die Katze sozusagen aus dem Sack ist?
- Gregor Hoffmann
- Die LWB hat unmittelbar nach dem Erscheinen des LVZ-Artikels
reagiert, indem sie allen Mietern einen Brief geschickt und sie darin detailliert informiert hat. In den nächsten 14 Tagen
beginnen intensive Gespräche.
Den Mietern werden adäquate Wohnungen angeboten, wobei individuell auf bestehende Wünsche eingegangen wird. - Klaudia Naceur
- Es heißt, die LWB habe gar nicht ausreichend Wohnraum anzubieten…
- Gregor Hoffmann
- Da sich der Leerzug des Hauses über einen größeren Zeitraum
hinziehen wird, kann für jeden die passende Wohnung gefunden werden. Angesichts des noch immer hohen Leerstandes in Grünau
wie in Leipzig insgesamt, gibt es für jeden die richtige Wohnung, - auch unsanierte und damit preiswerte Wohnungen gibt es
in ausreichender Zahl.
Sicher werden nicht alle Mieter wieder bei der LWB einziehen, doch jeder wird die Wohnung finden, in der er sich wohlfühlen kann. - Klaudia Naceur
- Wie schnell muss die Freilenkung geschehen? Und wie sieht es mit den Umzugskosten aus?
- Gregor Hoffmann
- Mit der Freilenkung lassen wir uns so lange Zeit, bis auch der
letzte Mieter eine neue und für ihn passende Wohnung gefunden hat. Es gibt keinen Zeitdruck.
Natürlich übernimmt die LWB neben den Umzugskosten alle anfallenden ummeldebedingten Gebühren. Nebenbei bemerkt, im Rahmen des Stadtumbaus mussten in Grünau etwa 1800 LWB-Mieter umziehen. Die LWB verfügt inzwischen also über ein professionelles Umzugsmanagment und große Erfahrungen. - Klaudia Naceur
- Kann es passieren, dass in Kürze neue Hiobsbotschaften auf die Grünauer zukommen?
- Gregor Hoffmann
- Diese kommen dann aber gewiss nicht von uns, denn für die LWB ist
die Neue Leipziger Straße das letzte große Abbruchvorhaben in Grünau.
Vor Beginn des Stadtumbaus verwaltete die LWB in Grünau zirka 7.600 Wohnungen, etwa 2.700 Wohnungen wurden bereits abgebrochen und bei zirka 350 Wohnungen steht dieser unmittelbar bevor. Langfristig werden wir in Grünau unter 4.000 Wohnungen am Markt halten. Damit ist für den LWB-Bestand in Grünau ein Ende des Stadtumbaus in Sicht.
Ob damit freilich das Thema für andere Eigentümer auch beendet ist, bezweifle ich.

