Grün-As
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Chronik der Siedlung Grünau

1919

Die Tauchnitzschen Erben, die Besitzer des Rittergutes Kleinzschocher sind, verkaufen am 7.April 1919 die Flurstücke 238 bis 243 an den Leipziger Architekten Walter Krüger. Dieser lässt das Gebiet in Parzellen aufteilen und von Robert Riedel vermessen. Die 1.000 bis 1.500 Quadratmetern großen Grundstücke verkauft er wiederum schrittweise an interessierte Siedler. Grundstückspreise im vorderen Teil der Siedlung liegen dabei wesentlich höher als im mittleren und hinteren Teil. Der Quadratmeterpreis der Bamberger Straße 16 betrug beispielsweise 3,25 RM (Reichsmark). Im gleichen Jahr übernimmt die Allgemeine Transportanlagengesellschaft (ATG) das Gelände an der Ecke Schönauer Straße / Lausener Weg und produzierte dort bis 1933 vorwiegend Erzeugnisse der Fördertechnik.

1921

Bildung der Kleinhaussiedlung Leipzig-Kleinzschocher spätere Ortsgruppe Leipzig-Kleinzschocher, beziehungsweise »Am Lausener Weg« im Sächsischen Siedlerverband.

1926

Der 1921 gegründete Verein »Siedlung am Lausener Weg« wird in »Siedlung Grünau e.V.« umgewandelt und gibt sich gleichzeitig den bis heute gültigen Namen. Der Vorschlag dafür kam von Martha Fischer, die Frau des späteren Versammlungsleiters Rudolf Fischer in einer außerordentlichen Generalversammlung am 8. Februar 1926.Sie hatte Jahre zuvor in Berlin-Grünau gearbeitet. Die Siedler fanden Grünau für ihr langsam grün werdendes Gebiet sehr passend und stimmten zu. Die Bildung des Vereins liegt im sprunghaften Interesse am Bau für Eigenheime begründet. Durch einen Verein, glaubt man, können Probleme rund um die Bautätigkeit effektiver und flexibler gelöst werden. So standen denn auch Fragen zur Baufinanzierung anfangs im Mittelpunkt der Vereinsarbeit. Bis heute hatte der Verein 14 Vorsitzende - aktuell lenkt der 44-jährige Steffen Lehmann seit fünf Jahren dessen Geschicke.

1927

Die Straßenbahnstrecke wird von Kleinzschocher »Am Adler« bis zu den Meyerschen Häusern verlängert. Mit der Verlängerung der Linie 25 vom Hauptbahnhof über den Schleußiger Weg bis zu den Meyerschen Häusern werden die Verkehrsbedingungen für die Siedler erheblich verbessert.

1928/29

Infolge starker Zunahme der Bauanträge wurde durch den Rat der Stadt ein Bebauungsplan erarbeitet, verabschiedet und in der Folgezeit vervollkommnet. In diesem wird auch geregelt, dass nur Wohngebäude errichtet werden dürfen, die bis auf Ausnahmen zweigeschossig sein müssen, Eckhäuser nicht zulässig seien und die Vorgärten als Ziergärten angelegt werden sollen. Des Weiteren wird festgelegt, dass die Grundstücksbesitzer keinen Anspruch auf Licht und Wasserzuführung haben. Die Siedler beleuchteten ihre Wohnhäuser und Gartenlauben mit Petroleumlampen und gruben in ihren Gärten Brunnen. Außerdem legte die Stadt Leipzig 1929 auf Antrag der Siedler Namen für die Straßen fest, die bis dahin mit römischen Buchstaben bezeichnet waren. Sie wurden ausnahmslos nach fränkischen Städten benannt. Die Siedler waren laut gesetzlichen Bestimmungen für Ausbau und Pflege der Straßen selbst verantwortlich. Aufgrund fehlender Materialien wurde deren Zustand bereits damals immer katastrophaler. Im gleichen Jahr gründete sich der Kleintierzüchterverein. Er feierte im Februar dieses Jahres somit 80-jähriges Bestehen. Ebenfalls 1929 wurde die 55. Volksschule (heutige 55. Mittelschule) in der Ratzelstraße eingeweiht. Bis etwa 1980 diente sie als Grund- beziehungsweise Oberschule der zweiten bis fünften Generation der Grünauer Siedler.

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1938

Die Siedler werden durch die Stadt Leipzig zur Landabgabe veranlasst, die auch im Grundbuch wirksam wurde. Grund dafür war die Verbreiterung der Straßen.

1944

Am Rande der Siedlung schlagen beim Luftangriff auf Leipzig am 20. Februar Bomben ein. Mögliches Ziel waren die nahe gelegenen ATG-Werke, in denen seit 1933 vorwiegend für die Rüstungsindustrie produziert wurde und auch Zwangsarbeiterinnen beschäftigt waren. Die Frauen waren im Außenlager des KZ Buchenwald untergebracht, das sich an der heutigen Lindenallee befand.

1945-1947

Nach Befreiung durch amerikanische Truppen im April 1945, wurde im Sommer desselben Jahres ganz Leipzig der Sowjetarmee übergeben. In vielen der weitestgehend intakten Grünauer Siedlungshäusern wurden daraufhin Offiziersfamilien und Soldaten einquartiert. 1945/46 Aufgrund des schlechten Versorgungsstandes wurden die Grundstücke nun ausschließlich zum Obst- und Gemüseanbau sowie zur Kleintierzucht genutzt. Gleichzeitig organisierte sich eine Selbstschutzgruppe der Siedler gegen Diebstähle.

1946

Südlich der Siedlung auf den Fluren von Großzschocher entsteht ein Neubauerndorf. Im gleichen Jahr werden die ATG-Werke entsprechend des Potsdamer Abkommens in die SU verlagert und die Gebäude an der Schönauer Straße / Lausener Weg anschließend gesprengt. An einigen Siedlungshäusern entstehen durch die Sprengung Schäden wie zerborstene Fensterscheiben und Fassadenrisse. Ab 1946 Die Materialknappheit, fehlende Bauhandwerkskapazitäten und zeitweiliges Bauverbot lassen nur bescheidenen Häuserbau zu. Dennoch lassen sich etliche Aktivisten nicht abschrecken. Die Hausform wird in erster Linie von den Möglichkeiten der Materialbeschaffung und am hohen Anteil der Eigenleistung bestimmt. Es entstehen deshalb eingeschossige Häuser ohne Dachausbau. Typenlösungen kommen erst zum Ende der 80-er Jahre zur Anwendung.

1953-1956

Die Siedler befestigen vier Kilometer Straße in freiwilliger Aufbauarbeit mit Trümmerschutt.

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1958

In der Windsheimer Straße 17 wird ein Jugend- und Siedlerheim errichtet und fortan als Zentrum des geselligen Lebens von Jung und Alt genutzt. Vormals stand an etwa selber Stelle das Restaurant »Stadt Windsheim«.

1961

Ebenfalls in der Windsheimer Straße wird ein Sportplatz eingeweiht.

1963/64

Die bereits in den 50-er Jahren befestigten Straßen werden nun asphaltiert.

1973

Beginn des Ausbaus des ehemaligen Braunkohletagebaus Kulkwitz zum Leipziger Naherholungsgebiet.

1976

Grundsteinlegung für das zweitgrößte Plattenbauwohngebiet der DDR, das sich nördlich und westlich von der Siedlung erstreckt. Die Siedlung dient als Namensgeber.

1976-1983

Mit der Entstehung des angrenzenden Neubaugebietes und dessen Infrastruktur, verbessert sich auch die Situation der Siedler grundlegend. Das Straßenbahnund S-Bahnnetz wird bis Lausen erweitert und auch die Kaufhallen an der Peripherie zur Siedlung können bequem genutzt werden. Im Gegenzug dient die Siedlung den Plattenbaubewohnern als Naherholungsgebiet und bevorzugte Spazierstrecke. Für die Kleingartensparten »Immergrün« und »Edelweiß« bedeutet das rasant wachsende Grünau jedoch das Aus. Sie müssen den Wohnungen weichen.

1977

Die Reichsbahnstrecke Plagwitz-Pörsten (die seit 1897 existiert) wird um einen Haltepunkt Leipzig Süd-West am Lausener Weg erweitert und sichert den Siedlern den direkten Verkehrsgang nach Plagwitz.

1985-1987

Die Doppelhäuser an der Wilsnacker und der Alten Salzstraße werden in Plattenbauweise errichtet.

1985

Auf dem Gelände des ehemaligen Sportplatzes Windsheimer Straße entsteht die Kleingartensparte »Löwenzahn«.

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1987

Der Grundstein für die sogenannte FDJ-Siedlung, heute Siedlung am Lausener Weg, wird gelegt. Als Projekt zum 40. Jahrestag der DDR werden hier bis 1990 20 Doppelhäuser und zwei Einzelhäuser vom Typ EW 65 errichtet. Dies führt zur starken Verdichtung des ursprünglichen Areals.

1992

Kurz nach der Wende beginnt eine rasante Bautätigkeit, die die Siedlung innerhalb kürzester Zeit mit Ein- und Zweifamilienhäusern verdichtet, denn die enorme Steigerung der Grundstückspreise von 2,- DDR-Mark bis zu 250 - 300 DM pro Quadratmeter hatte in der Regel eine Teilung der Grundstücke zur Folge. Die Bebauungspläne der Vorkriegszeit hatten nun keine Bedeutung mehr und die Vielfalt der Häuser nahm zu. Zum Ärgernis für alte Siedler werden Grundstücke, die weitgehend zubetoniert werden, dem Grün somit sehr geringe Chancen einräumen und damit den Charakter der Siedlung empfindlich verändern.

1993

Der Ratzelbogen entsteht nördlich der Siedlung und sorgt für eine weitere Verbesserung der Infrastruktur für die Siedler.

1995-1997

Die Straße am Lausener Weg wird ausgebaut. Über die Höhe der veranschlagten Baukosten für die Siedler und die Vorgehensweise der Stadt in Vorbereitung und Durchführung der Maßnahmen wird noch heute gestritten. 2000 Rechts und links vom Neubauerndorf entsteht eine große Eigenheimsiedlung.

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