Grün-As

Zappenduster

Nach Einbruch der Dunkelheit geht am Kulki nur wenigen ein Licht auf

Es ist gegen 17 Uhr. Gut, dass am Schlüsselbund ein kleines LEDLämpchen hängt. Denn zusammen mit dem spärlichen Mond und den Laternen auf dem Straßenbahngelände reicht das Licht gerade noch aus, um sich den Weg zum Kulkwitzer See zu bahnen. Dort stehen an den geteerten Wegen zwar Laternen, die aber bis auf wenige Ausnahmen ausgeschaltet sind. Der besuchte Gastwirt Mike Seiffert sieht das mit Sorge: »Das verschreckt potenzielle Kunden. Das ist hier zu sporadisch und ich finde das auf jeden Fall nicht passend.« Immerhin werde die Zufahrt über Lausen - der einzige erlaubte Weg für Kraftfahrzeuge - mittlerweile beleuchtet.

Aber wer Restaurantbesuch und See-Spaziergang verbinden wolle, habe derzeit schlechte Karten und müsse aufpassen, dass er nicht verunfallt. Aufpassen heißt es, allerdings aus ganz anderen Gründen, auch für Taucher Reinhard Gräfe und Ingrid Wittig vom gleichnamigen Bootsverleih. »Die Dunkelheit ist problematisch«, sagen beide. Für zwielichtige Gestalten sei es einfacher, hier Schindluder zu treiben. »Vandalismus ist ein Problem«, sagt Taucher Gräfe, und Bootsverleiherin Wittig hat sogleich einen Auswuchs parat: Wachs im Türschloss zum Bootsverleih. »Ich kann natürlich nicht behaupten, das sei wegen fehlender Beleuchtung geschehen. Aber das Potenzial im Dunkeln ist doch viel höher.«

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Abends am Kulkwitzer See

Weil es der Betreiber nicht leistet, wäre eine Beleuchtung in Eigenregie, etwa mit Bewegungsmelder, zu überlegen. So handhabe es die Geschäftsfrau auch am Auensee. Dort übrigens - so verteidigt sie die hier verantwortliche LeipzigSeen GmbH - sei abendliche Beleuchtung ebenfalls nur vereinzelt vorhanden. Reinhard Gräfe sieht diesbezüglich nicht nur die GmbH, sondern auch die Stadt in der Pflicht: »Zum Knöllchenverteilen kommen sie schließlich auch. Aber ansonsten fühlen sie sich nicht zuständig. Wenigstens für die Hauptwege wäre das wichtig.«

»Wir beleuchten, was im Winterhalbjahr bewirtschaftet wird«, sagt Reiner Ihle von LeipzigSeen. Am Strand bleibe es dagegen dunkel. »Das ist natürlich eine Frage des Geldes«, wirbt er um Verständnis: »Das lohnt sich einfach nicht bei der geringen Begängnis.« Unterstützung kommt von Seefreunden: »Wenn ich dort bin, dann im Hellen«, heißt es da, und: »Was soll ich dort nach Sonnenuntergang?«

Ein Konzept für die Gesamtheit der vorhandenen Lampen gibt es bei LeipzigSeen offenbar nicht. Reiner Ihle sitzt zwar am Lichtschalter, kann aber nicht genau sagen, ob die jetzt dunklen Laternen zu anderen Jahreszeiten regulär eingeschaltet werden. Vermutlich nicht, denn dann ist es länger hell und die Notwendigkeit noch geringer. Nur soviel: »Sie funktionieren. Haben wir besondere Veranstaltungen, schalten wir das Licht zu«, so Ihle. »Nur dann ist es auch sinnvoll«, sagt Umweltexperte Leonhard Kasek, der die sparsame Beleuchtung am See befürwortet und sogar noch weiter geht: »Schon aus Gründen der Sicherheit muss der Weg zur Kneipe beleuchtet sein, aber so modern und wenig wie möglich. Und nachdem die Kneipe schließt, muss alles aus.«

Dass jetzt schon wenig brennt, sei demzufolge der richtige Ansatz. Freilich führt der Naturschützer vom Ökolöwen insbesondere grüne Argumente ins Feld: Schmetterlinge würden durch falsches Licht auf Kreisbahnen angezogen und verschmoren, Zugvögel würden durch sternenähnliche Lichtfrequenzen irritiert. Dennoch kommt auch Kasek immer wieder auf wirtschaftliche Effekte zu sprechen: »Selbst wenn es zu unangenehmen Vorfällen kommt, muss man hier die Verhältnismäßigkeit sehen. Nur weil alle zehn Tage jemand draußen ist und Licht braucht, muss man dafür nicht die ganze Nacht alles brennen lassen.«

Vielmehr gebe es interessante Modelle, wie trotz individueller Bedürfnisse jedem das richtige Licht aufgeht: »Interessant ist eine mir bekannte Variante, bei der mittels Handy und Zugangscode jeder Berechtigte bei Bedarf die Lampen an- und abschalten kann. Die Missbrauchsquote ist niedrig, es kostet nicht die Welt, aber die Ersparnis ist enorm«, so Kasek, der schließlich noch ein deutliches Votum für mehr Eigenverantwortung der See-Anrainer abgibt: Es sei auch richtig, wenn man diejenigen Gewerbetreibenden an der Finanzierung beteilige, die dort Licht haben wollten, wo sonst kein öffentliches Interesse da ist. Am See sei genau das der Fall.

Reinhard Franke
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