Grün-As

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser, ganz sicher ist sie Ihnen auf dem Weg zu Grünaus Einkaufstempel Nr. 1 auch schon einmal aufgefallen - die große Ansammlung Jugendlicher an der Stuttgarter Allee direkt am Eingang zum Allee-Center. Zu übersehen ist sie zumindest nicht.

Als ich Anfang April nachmittags dort vorbeifuhr, glaubte ich zunächst an eine Kundgebung, Demo, Happening oder ähnliches, musste jedoch schnell feststellen, dass dort nichts dergleichen stattfand, sondern der Platz einfach gerade zum In-Treffpunkt der Kids auserkoren wurde. Dagegen kann ja eigentlich Niemand etwas haben und so störte ich mich anfangs nicht an dem bunten Haufen, der an besagter Stelle herumsitzt, - steht, manchmal sogar - liegt. Schließlich gibt es in ganz Leipzig etliche Punkte, die von mehr oder weniger angenehmen Zeitgenossen in kleinerer oder größerer Zahl frequentiert werden.

Wie gesagt: Anfangs. Mittlerweile hat sich das ein wenig geändert. Über den Verlust meiner heiß geliebten Fahrrad-Anhänger-Flagge, der mir an eben jener Stelle von eben jenen Kids beigebracht wurde, könnte ich vielleicht noch hinweggehen, aber das Problem trinkender, rauchender, pöbelnder, randalierender und stehlender Kinder darf und sollte nicht ignoriert werden. Während ihren erwachsenen Pendants an Grünauer »Trinkerstellen« ab Juni von Straßensozialarbeitern Hilfe angeboten wird (einen ausführlichen Bericht können Sie demnächst lesen), fehlt beim jungen Center-Klientel bislang jeglicher Ansatz.

Centermanagement und Polizei zumindest können restriktive Maßnahmen ergreifen. Hausverbote gibt es bereits zuhauf. Die Läden wurden zu stärkeren Kontrollen bei der Alkoholabgabe angehalten. Die Polizei ist des Öfteren vor Ort. Aber dies alles sind ja nur Reaktionen, von denen sich die Jugendlichen kaum abhalten lassen. Vorstellbar, dass sie es gar als sportlichen Wettkampf sehen und sich die Situation letztendlich noch aufschaukelt. Nein - hier bedarf es präventiver Maßnahmen. Die Frage ist lediglich, wer diese bieten kann und die gestaltet sich schwierig.

Die Streetworker der Mobilen Jugendarbeit heben resigniert die Hände. Als das Problem der Riesenclique im vergangenen Jahr schon einmal hochkochte, fühlten sie sich nicht zuständig. Heute heißt es: Wir können das personell nicht wuppen. Zwei Leute für rund 100 Kids, die darüber hinaus aus verschiedenen Stadtteilen und Milieus stammen - das geht nicht und das mag man auch einsehen. Aber wer kann es dann? Das Jugendamt - möchte man meinen. Aber so richtig nehmen die sich des Themas nicht an. Die Jugendclubs - könnte man denken - allen voran die Völle gleich in der Nähe. Doch die fühlen sich überfordert, können Niemanden in ihre vier Wände zwingen - auch einleuchtend.

Also warten, bis sich das Problem von alleine löst und riskieren, dass das so schnell nicht der Fall sein wird oder dabei der ein- oder andere auf der Strecke bleibt? Das zumindest will der Stadtbezirksbeirat West verhindern und hat das Thema zur wichtigen Angelegenheit erklärt. Im Mai zur nächsten Sitzung (14. Mai) werden sowohl Polizei, als auch Jugendamt, Centermanagement und Streetworker anwesend sein, um eine konstruktive Lösung zu finden oder zumindest den Ansatz einer solchen. Die Sitzung findet - wie passend - im Jugendclub Völkerfreundschaft statt und ist wie immer öffentlich. Vielleicht sehen wir uns ja dort!?

Ihre Klaudia Naceur
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