Grün-As

Areal mit Potenzial

Zukunftspläne im WK 5.1 vorgestellt

Beinah ein Jahr ist es her, dass »Grün-As« erstmals und ausführlich über bevorstehende Stadtumbaumaßnahmen im WK 5.1 berichtete. Zuvor hatten sich in enger Kooperation die Genossenschaften KONTAKT (ca. 850 Wohnungen im WK 5.1), UNITAS (ca. 150 Wohnungen) und VLW (ca. 450 Wohnungen) sowie die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB - ca. 1000 Wohnungen im WK 5.1) über eine gemeinsame Strategie zur Aufwertung und Umstrukturierung des Quartiers verständigt.

Das Problem - zu hoher Leerstand in der vorwiegend sechsgeschossigen Bebauung - beklagten die Unternehmen unisono. Logisch, wenngleich ein Novum in der Grünauer Stadtumbaugeschichte, dass auch bei der Lösung alle an einem Strang ziehen wollten. Erste Ergebnisse dieser Zusammenarbeit erbrachten den kompletten Abriss der LWB-Blöcke Lindennaundorfer Weg 4 bis 16, Frankenheimer Weg 2 bis 14 und Schönauer Ring 25 bis 29 - insgesamt 291 Wohnungen - sowie die Abtragung von zwei Geschossen des UNITAS-Blockes Frankenheimer Weg 22 bis 32, wobei ein Eingang ebenfalls gänzlich »vom Markt genommen« werden sollte - insgesamt 47 Wohnungen. Die Planungen der WBG KONTAKT sahen hingegen den Umbau ihrer Bestände im Frankenheimer Weg zu Terrassenhäusern vor. (Nachzulesen unter Online-Ausgabe 2012/11).

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Planungen der UNITAS

In den vergangenen Monaten wurden diese Pläne weiter entwickelt, leicht modifiziert (die WBG KONTAKT hat den Plan der Terrassenhäuser fallen lassen und wird nun ebenfalls komplett abreißen - konkret betrifft das den Frankenheimer Weg 1 bis 7 und 9 bis 13 - 119 Wohnungen) und zum Grünauer Forum am 4. Dezember 2012 der interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Unter dem Motto »Schönau/WK 5.1 - gemeinsam gestalten, weiterentwickeln und für die Zukunft stärken«, kamen sowohl die beteiligten Wohnungsunternehmen, als auch die Rathausspitze in Person des Bürgermeisters für Stadtentwicklung und Bau, Martin zur Nedden, sowie Stefan Geiss, Abteilungsleiter West vom zuständigen Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) zusammen, um über die bevorstehenden Maßnahmen und Entwicklungspotenziale des bislang noch recht unansehnlichen Wohnkomplexes zu informieren.

Dabei war man sich einig: Das Quartier ist mit seiner exponierten Lage zwischen Schönauer Park, Schönauer Viertel und Schönauer Lachen sowie der hervorragenden Anbindung zum Zentrum Grünaus eines der attraktivsten im ganzen Stadtteil. Es müsse nur aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden. Dass es weit mehr als nur eines Kusses bedarf, um den WK 5.1 für potenzielle Neuzuzüge interessant zu machen, dürfte spätestens bei der jetzigen Bestandsaufnahme klar werden: So monierten denn auch einige langjährige Bewohner des betroffenen Areals, dass in der Vergangenheit zu wenig getan worden wäre, um das Gebiet aufzuwerten.

Straßen und Wege seien in einem äußerst desolaten Zustand, Sauberkeit und Ordnung ließen zu wünschen übrig. Die Containerplätze ein Bild des Grauens und Graffiti überall. Der Vorwurf zwischen den Zeilen: Hier wurde gezielt entmietet, um mit dem Argument des hohen Leerstandes die ohnehin verfolgten Abrisspläne plausibel zu machen. Tatsächlich wurde der WK 5.1 bei Straßensanierungen etwas stiefmütterlich behandelt und auch die Bestände im hinteren Teil des Komplexes sind bis auf wenige Ausnahmen noch in ihrem ursprünglichen Zustand belassen worden - das heißt: Seit mehr als 30 Jahren wurde hier nichts bis wenig getan. Das sieht man dem Quartier an und soll sich nun ändern.

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"Vorstellbares" - Planungen der LWB

Den sichtbaren Beginn einer sukzessiven Aufwertung des Schönauer Quartiers hatte bereits das ASW gemacht: Mit der Sanierung der 90. Schule samt Hofgelände mit angrenzendem Kitabereich im vergangenen Jahr, brachte das Amt einen ersten Farbtupfer in das Areal jenseits der Lützner Straße, das nach den umfangreichen Abrissen, die größtenteils noch in diesem Jahr realisiert werden sollen, viel Platz für neue Wege aufzuweisen hat. Dabei stehen die »neuen Wege« nicht nur als Sinnbild für eine visionäre Umgestaltung, sondern dürfen durchaus wörtlich genommen werden, denn die Stadt wird sich intensiv mit der Gestaltung des öffentlichen Raumes beschäftigen.

Zwar seien die Planungen aufgrund der unklaren finanziellen Ausstattung diverser Fördertöpfe noch nicht ganz konkret, aber man habe sich zumindest eine Optimierung der Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer in Ost-West-Richtung zum Ziel gesetzt. Dass ein Wohngebiet aber nicht nur aus Wegen und Grünflächen besteht, verrät allein schon der Name. Was also wird aus der relativ großen zusammenhängenden Fläche, auf der bislang rund 400 Wohnungen Bestand hatten und die nunmehr alle freigelenkt auf ihren Abbruch warten?

Eigentümer und Stadtverwaltung halten sich mit allzu weit greifenden Phantasien noch bedeckt. KONTAKT-Vorstand Rainer Löhnert spricht zwar von »einem entstehenden Areal, welches Potenzial für neue Entwicklungen für die nächsten 10 bis 15 Jahre bietet« und die LWB gibt in ihrer Präsentation einen kleinen Vorgeschmack auf »Vorstellbares« (siehe Grafik), aber wie sich das Gebiet konkret entwickeln wird, kann oder will derzeit noch niemand genau benennen.

Klaudia Naceur
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