Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Zusammenleben in Grünau

Heute und morgen

Die Bevölkerungsentwicklung in Grünau steht derzeit an einem Wendepunkt. Erstmals seit zwei Jahrzehnten ist die Bilanz wieder positiv: Grünau gewinnt mehr Einwohner als es verliert.

Nach Jahren der Abwanderung, des Leerstands und des Abrisses von Wohngebäuden kommen nun auch wieder mehr Zuzüge ins Gebiet. Dies war Anlass für die Pauluskirchgemeinde im Rahmen ihrer Festwoche zum 30-jähigen Bestehen der Pauluskirche zusammen mit der Stadt Leipzig, Amt für Wohnungsbauförderung (ASW) und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) zu einer Diskussionsrunde am 12. November 2013 einzuladen.

Diese fragte danach, wie das Zusammenleben von Alteingesessenen und Zuziehenden, von unterschiedlichen Generationen, sozialen und auch ethnischen Gruppen, sich heute gestaltet und wie es sich in Zukunft entwickeln kann. Dazu wurde die Form eines Dialog- Cafés gewählt, in dem ein moderiertes, intensives Gespräch in kleinen Gruppen mit immer wieder wechselnder Zusammensetzung stattfindet und nicht lange Vorträge mit anschließenden Fragerunden. An sieben Tischen diskutierten die anwesenden Grünauer miteinander zu folgenden Themen:

  • Zuzüge nach Grünau (Wer kommt, warum und woher?),
  • Umzüge in Grünau (Wer geht und warum?),
  • Kirche in Grünau (Was kann und was soll Kirche in Grünau erreichen?),
  • Migration (Gelingt die Integration in Grünau?),
  • Generationen (Wie leben Alt und Jung zusammen?),
  • Soziales Mosaik (Welche Lebensstile finden hier Platz?)

Der siebte Tisch wurde zum »Joker-Tisch« erklärt - hier fanden alle die Themen Platz, die den Grünauern zusätzlich am Herzen lagen. Während die Diskutierenden sich nacheinander an verschiedenen Tischen zum jeweiligen Thema verständigten, blieb ein Moderator während der ganzen Zeit am Tisch und sorgte dafür, dass alle angesprochenen Beobachtungen, Fragen und Vorschläge transparent für alle festgehalten wurden.

Aus den vielen Ergebnissen möchten wir hervorheben, dass Grünau unbedingt differenziert zu betrachten ist. Die verschiedenen Teile Grünaus verändern sich immer weiter - und das in unterschiedlichem Maße und mit unterschiedlichen Trends. So wurden aus den verschiedenen Wohnkomplexen sehr verschiedene Geschichten erzählt, die von himmlischer oder gespenstischer Ruhe bis hin zu starken Spannungen und Konflikten reichten. Den Gastgebern des Abends fiel dabei auf, dass eine Sehnsucht nach dem lebendigen, kinderreichen Grünau der 1980er Jahre in einem gewissen Gegensatz zum heute oft anzutreffenden Wunsch nach Stabilität in der Nachbarschaft und nach Ruhe im Alter steht.

Grünau verzeichnet neuen Zuzug, und damit auch Zuzug von ausländischen Bürger innen und Bürgern. Dies wird einerseits begrüßt, denn so beleben sich auch wieder Spielplätze und leerstehende Wohnungen. Andererseits entstehen auch neue Spannungen. Um die Prozesse zu verstehen und Skeptikern aus dem eigenen Umfeld sachlich begegnen zu können, wurden mehr Informationen gewünscht. Ein interessantes und auch überraschendes Ergebnis war die Diagnose einiger Teilnehmer, dass Nachbarschaften dann leben, wenn sie Verantwortung für ihr Wohnumfeld übernehmen und dieses in gemeinsamen Aktionen gestalten können.

Wenn diese Aufgaben heute zunehmend von »Profis« erfüllt werden, ist mangelnder Kontakt die Folge. Einige Grünauer wünschen sich diese Gestaltungsspielräume zurück und sind bereit, mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Darüber hinaus wurde über neue Wohnformen diskutiert. Neben dem Wunsch nach altengerechtem und barrierefreiem Wohnen sind auch verschiedene Arten gemeinschaftlicher Wohnformen angesprochen worden.

Die Ergebnisse und Erkenntnisse fließen nun in unterschiedliche Arbeitsprozesse auf Stadt- und Quartiersebene ein.

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