Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Editorial

Per Pedes nach Grünau

Liebe Leserinnen und Leser, nun ist es endlich richtig Frühling geworden und ich nutze die Chance, des Öfteren zu Fuß quer durch Leipzig auf Arbeit zu laufen - nicht zuletzt auch, um für die 7-Seen- Wanderung rund um das Neuseenland zu trainieren. Auf den gut ein dutzend Kilometern, die ich auf diese Weise unterwegs bin, sieht und erlebt man Dinge, die einem sonst verborgen bleiben.

Natürlich nimmt diese Fortbewegungsart mehr Zeit in Anspruch, als die Fahrt mit dem Auto oder die Bahn, aber die niedrigere Geschwindigkeit per Pedes hat auch seine Vorteile: Man entschleunigt so zu sagen und nimmt Vieles ganz anders war.

Morgennebel beim Autofahren? Eher lästig. Gegen 7 Uhr auf der Wiese am Scheibenholz - wunderschön. So wie der Tau und die Ruhe des Wassers - dort wo an schönen Tagen und am Wochenende hunderte Boote rum schippern. Man trifft auf Jogger, Läufer, Walker und natürlich auf Radfahrer. In mir reift die Erkenntnis, dass sich immer mehr Leipziger auf den Pfaden durch die Parks und auf den Radwegen zur Arbeit, zum Kindergarten oder zur Schule bewegen. Manche sicher auch leider zum Amt...

Bei dem ein oder anderen, der einem begegnet, macht man sich Gedanken: Was er wohl beruflich macht? Warum jener gerade hier joggt oder dieser sich hüpfender weise mit einem Rucksack auf dem Rücken fortbewegt? Ich werde es nie erfahren und es ist gut so.

Beim Anblick vorbeilaufender Walker fällt mir ein Witz ein: »Die wahren Verursacher der Feinstaubbelastung«. In Wirklichkeit kann man durch alternative Mobilität natürlich jede Menge Feinstaub vermeiden - deutlich effektiver, als durch alle Partikelfilter und saubere Heizmethoden zusammen. So ein Spaziergang beruhigt aber nicht nur das ökologische Gewissen, sondern bietet auch Freude für alle Sinne: Blühende Sträucher, duftender Bärlauch, Vogelgezwitscher ... und ganz nebenbei trifft man manchmal auch bekannte menschliche Gesichter.

Mein Weg führt mich raus aus dem Park, auf die Straßen Schleußigs hin zum Karl-Heine-Kanal, wo man wieder auf Natur, urbanes Leben und ein vielfältiges Baugeschehen trifft. Längst ist die alte Wasserstraße aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht: Alte Fabrikgebäude werden saniert und umgenutzt - nebenan wird direkt am Wasser elitär neu gebaut.

Während man so vor sich hinläuft, kann man den bevorstehenden oder zurückliegenden Tag noch einmal gedanklich durchspielen, Ideen entwickeln oder sich von Orten inspirieren lassen, an denen man vorbeiläuft. Am Liegeplatz der »Weltfrieden« vorbei, die man noch aus vergangenen Zeiten vom Auensee kennt, überquere ich den Kanal und laufe in Richtung »Kanal 28«. Dort gelange ich auf die Saarländer Straße - nun schnell noch bei MIKROSA vorbei und schon bin ich in Grünau am Grundstein.

Da fällt mir die engagierte Bewohnerin ein, die unlängst bei mir im Büro anrief und zwielichtige Gestalten mit einem LKW meldete, die sich am Denkmal zu schaffen machten. In Zeiten, wo Buntmetalldiebe aller Orten mitgehen lassen, was nicht niet- und nagelfest ist, durchaus ein gut gemeinter Hinweis. Allerdings stellte sich glücklicherweise heraus, dass es die beauftragte Kunstwerks- Reinigungsbrigade war. Aber man kann ja nie wissen. Die gleiche Dame wünschte sich entlang des Radweges Bänke zum Ausruhen und Verweilen. Und als ich da so lang laufe, denke ich: Sie hat recht.

Mein Weg führt mich weiter - vorbei am Allee-Center, über die noch sehr ruhige Stuttgarter Allee und weiter stadtauswärts über die Alte Salzstraße. Dort komme ich an der ehemaligen Wohngebietsgaststätte »Alte Salzstraße« vorüber. Das Gebäude wird gerade vom neuen Eigentümer umgebaut, innovativ saniert und wird künftig Arbeitsstätte für mehr als 100 Angestellte sein - aber dazu mehr im nächsten »Grün-As«.

Die Kirche lasse ich auf meiner letzten Etappe im geografischen Sinne links liegen. Dort wird demnächst wieder der Kultursommer eröffnet. Weiter geht es durch die Siedlung, wo mich Plakate einer Partei mit dem Hinweis »Südwest« stutzig machen und mir bei der darauf folgenden Recherche bewusst wird, dass die Grünauer Siedlungsgebiete nicht zum Wahlbezirk 6 gehören. Warum aus der Mitte des Stadtteils einfach etwas herausgeschnitten wird, erschließt sich mir nicht.

Aber lange darüber nachdenken kann ich auch nicht, denn ich bin nach knapp zwei Stunden schon am Ziel am KOMM-Haus im WK 8 und freue mich erst einmal auf einen Kaffee im Büro, bevor die Hektik des Tages mich wieder einfängt. Wenn Sie sich jetzt haben anstecken lassen, sich an der frischen Luft ein wenig zu bewegen, dann kommen Sie doch einfach zur ersten Kulki-Wanderung am 6. Juli. Ich freue mich auf Sie.

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