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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Protest

gegen die »schleichende Schließung« einer soziokulturellen Einrichtung

Das Rathaus hat wahrlich bereits einige Protestformen gesehen. Da trillerten sich schon ganze Heerscharen von Betroffenen durch die Gänge, um die direkt gewählten Abgeordneten sowie die Verwaltungsspitze auf ihre ganz spezielle Situation aufmerksam zu machen. Entscheiden die doch am Ende oft über Wohl und Wehe der Bürger.

Zur letzten Ratsversammlung am 20. November war es mal wieder so weit - nicht laut, aber eindrucksvoll postierte sich ein Grüppchen am Rand der oberen Wandelhalle. In den Händen ein Transparent: »Für ein KOMM-Haus mit Zukunft«.

»Eigentlich war das gar nicht so geplant«, sagt Initiatorin Dr. Evelin Müller, Vorsitzende des Grünauer KOMM e.V. Vielmehr hätte man lediglich einen offenen Brief an Oberbürgermeister Jung übergeben wollen. Aber: »Das Schreiben samt Unterschriften wollten wir bereits im Oktober übergeben - ohne großen Trubel. Auf die Bitte, uns einen Terminvorschlag zu unterbreiten, ist Herr Jung einfach nicht eingegangen«, ärgert sich Müller über die fehlende Bürgernähe.

Die Sitzung des Stadtrates sahen die Unterstützer des KOMM-Hauses somit als einzige Chance, ihr Anliegen zeitnah vorzubringen. Ihr Anliegen. Das ist die Sorge um die Zukunft der städtischen Einrichtung. Im Brief, welcher nicht nur parteiübergreifend unterstützt, sondern auch von den vielfältigen Nutzergruppen und Freunden des Hauses getragen wird, nimmt der KOMM e.V. als enger Kooperationspartner der Einrichtung Bezug auf die sich verdichtenden Anzeichen für grundlegende Veränderungen in der Betreibung des Hauses (den gesamten Brief finden Sie in Ausgabe 2014/47).

Dafür, dass es derzeit nicht ganz rund läuft, genügt schon ein Blick auf die personelle Aufstellung im Grünauer Kultur- und Freizeittreff. Die Kürzung von einst zwei Vollzeitstellen auf gegenwärtig eineinhalb, konnten Mitarbeiter und Nutzer durch unkomplizierte Absprachen und flexible Dienste noch irgendwie abfedern. Jedoch hatte dies eine Anhäufung von Überstunden und Urlaubstagen zur Folge, die - und das lässt aufhorchen - allesamt im Dezember genommen werden müssen.

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Kulturamtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat, Kulturdezernent Michael Faber, Vereinsvorsitzende Dr. Evelin Müller und OBM Burkhard Jung (von links)

Wer das Haus kennt, weiß, dass sich dort gerade in der Vorweihnachtszeit Besucher quasi die Klinke in die Hand geben. »Die Schließung verursacht erheblichen Unmut«, resümiert denn auch Evelin Müller. Sie sei der Tropfen, der das ganze Fass zum Überlaufen gebracht hätte. Von Schließung will man beim Kulturamt, in dessen Verantwortungsbereich das KOMM-Haus gehört, allerdings nichts wissen. In einer knappen Pressemitteilung heißt es lapidar: Das Haus ist weiterhin offen. Die regelmäßigen Kurse der Volkshochschule finden statt.

Dass die Einrichtung aber weit mehr als nur ein Veranstaltungsort der VHS ist, wird dabei geflissentlich negiert. Fakt ist, dass nur gut ein Drittel aller Nutzer des Hauses Kursteilnehmer der Volkshochschule sind. Der Bildungsträger ist zwar somit ein wichtiger, aber längst nicht der alleinige Anbieter soziokultureller Arbeit. Dies geht auch aus der Antwort des Kulturamtes auf die äußerst umfängliche Anfrage des CDU-Stadtratsmitgliedes Ansbert Maciejewski hervor (Anfrage und Antworten finden Sie hier).

Neben Kursen und Veranstaltungen der VHS sowie Fremdeinmietungen unter anderem durch soziale Beratungsstellen, steht dort eine Vielzahl hauseigener Aktivitäten aufgelistet. Aktivitäten, die im Dezember gänzlich entfallen und bei der derzeit unklaren Personalsituation für das kommende Jahr zumindest vage erscheinen. Ein Umstand, der auf die momentane Evaluierung des Konzeptes zurückzuführen sei. Die Zukunft des Hauses steht seit beinah vier Jahren auf dem verwaltungsinternen Prüfstand.

Zunächst sei es um einen Umzug in die Völkerfreundschaft gegangen, ab 2013 gab es die Überlegung mit den KOMM-Haus-Angeboten, das noch immer in Planung befindliche Bildungszentrum zu bereichern. Nach Ausschluss dieser beiden Möglichkeiten sei man überein gekommen, das momentane Veranstaltungsangebot mit dem ursprünglichen Konzept des Hauses zu vergleichen und dabei zu prüfen, inwiefern die momentane Nutzung noch dem Auftrag des Kulturamtes entspricht.

Privaten Feiern wurde für die Zukunft bereits jetzt schon eine generelle Absage erteilt. Weitere Ergebnisse und die Dauer der Projekt-Bewertung sind noch nicht abzusehen. Unter anderem dieses Hinhalten bringt die 40 ruhigen Protestler im Rathaus zu Leipzig denn doch auf die Palme. Als sie dem Oberbürgermeister Burkhard Jung, dem Kulturdezernenten Michael Faber und der Kulturamtschefin Susanne Kucharski-Huniat ansichtig und habhaft werden, erhöht sich merklich der Geräuschpegel vorm Ratsplenarsaal.

Es sei einfach nicht wahr, dass im KOMM-Haus keine Kultur mehr stattfinde, wie es Faber behaupte, erbost sich eine ältere Dame. Eine andere verweist auf die präventive Relevanz, die das Haus in der Stadtteilarbeit spiele, auch die Kritik an fehlender Transparenz ist vielstimmig und aufgrund der langen Prüfungsphase hinter verschlossenen Türen und ohne Beteiligung der Betroffenen durchaus berechtigt, wie auch Dr. Evelin Müller immer wieder betont: »Vor zwei Jahren hat Herr Jung im Zuge des Bürgermeisterwahlkampfes öffentlich zugesichert, dass die Bürger in die Diskussion um die Zukunft des KOMM-Hauses einbezogen werden. Daran wollen wir ihn erinnern, denn wir merken davon nichts.«

Derweil wird der Diskutantenring aus Bürgern, Stadträten und Medienvertretern um die drei Rathausrepräsentanten immer enger, die Stimmung hektischer. Nicht nur Jung reagiert gereizt, als er seine Amtschefin anblafft, sie möge ihm doch keine Erklärungen abgeben, sondern sich an die Leute wenden. Faber hingegen fährt aufgrund des ihm entgegen geschleuderten Vorwurfs, »dass sich das alles gegen den Stadtteil richte«, förmlich aus der dünnen Haut. Das, so sagt er mit drohendem Zeigefinger und hörbar erregt, sei eine bösartige Unterstellung. In all dem Trubel, wäre beinah ein wichtiger Satzuntergegangen, den Kucharski- Huniat, fast beiläufig fallen lässt: Im kommenden Jahr sind für die Einrichtung zwei volle Stellen vorgesehen.

Wenn diese dann ab dem 1. Januar 2015 auch besetzt sind, wäre das schon mal eine wichtige Voraussetzung für einen qualitativen sowie quantitativen Fortbestand des KOMM-Hauses.

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