Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Die ohne Alter durch die Lebensmitte tanzen

Geborgenheit und gute Laune zwischen Square, Salza und Kreis-Blues

Beate war beim Friseur. Achim ist im frisch gebügelten Oberhemd da. Heinz stellt seinen Rollator in die Ecke. – Sie nehmen ihn ernst, ihren ganz besonderen Termin am Mittwochnachmittag. Einen kurzen Moment lang sieht es wieder aus wie die Tanzstunde von einst...

Aber als die Musik beginnt, zeigen sie, dass sie inzwischen ordentlich dazugelernt haben. Flott finden sie ihren Rhythmus. Drehen sich im Kreis. Tanzen im Square. »... ein tip – zwei tip – rein tip – raus tip« höre ichs, kann die Stimme aber nicht gleich orten. Dann sehe ich sie – die lebhafte blonde Tanzleiterin Inka Arabin. Mittendrin unter »ihren« Senioren hält sie den Gedankenfaden der erarbeiteten Choreografie zusammen. Einladend. Motivierend.

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Bild: Silke Heinig

Als die frisch ausgebildete Diplomsozialpädagogin 1996 zur Paulusgemeinde kam, ahnte sie nicht, dass Tanzen einmal ihre Leidenschaft sein würde. Hineingeschubst in das bestehende, sich entwickelnde Gemeindeleben, war sie plötzlich »aufgefordert« mitzutanzen. Holte sich Rat bei Uta Kühn. Lernte von Käthe Wagner.

Und beginnt noch einmal eine Spezialausbildung. Drei Jahre lernt sie, was eine Tanzleiterin für Senioren wissen muss. Die Jüngste war sie damals weit und breit. In ständigen Weiterbildungen hält sie sich auf dem neuesten Stand. Alle drei Jahre unterzieht sie sich der Prüfung zur Zertifikatsverlängerung. Heute ist sie Arbeitskreisleiterin im Landesverband. Führt ihre Gruppe »Tanz in die Lebensmitte« im 15. Jahr. Berät die fünf weiteren Seniorentanzgruppen in Grünau. Freut sich auf das nun schon 11. »Mitmachtanzfest« – in diesem Jahr am 10. Oktober in der Völle.

»Es ist nicht nur ein wunderbares Arbeiten mit den Senioren«, erläutert sie mir die Quellen ihres unerschöpflichen Antriebes, »Ich bin richtig gut angekommen. Fühle mich wohl und erfreue mich an dem, das ich von den Menschen zurückbekomme.«

Der familiäre Rückhalt, die Geborgenheit in der Gemeinde und die Anerkennung und Freundschaften sind es auch, die Inka Arabin aufgefangen haben, als es gesundheitlich einen ernsten Rückschlag gab. Sie wird sich künftig umsichtiger organisieren, behutsamer ihre Kräfte einteilen. Eine Kur steht noch an, ganz ist sie nicht über den Berg.

Aber sie genießt die Zeit mit »ihren« Senioren und gesundet daran. Kein Zweifel, auch die anwesenden Damen und die – leider nur drei Herren, zweimal Heinz und, neu auf Probe, der schmucke Achim – genießen den Zauber der Tanzstunde. Geben sich dem Rhythmus der Musik hin, lauschen den Melodien, berühren sich, lassen sich aufeinander ein.

In der Pause gibt's Kaffee und Frisches. Man erzählt sich Neuigkeiten. Feiert über die Jahre Geburtstage. Hält sich bei Trauer. Und einmal im Jahr fahren sie gemeinsam zur Tanzwoche. In diesem Jahr geht es an die polnische Ostseeküste. Sie wollen am Meer tanzen...

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