Grün-As

Intervallstudie Leben und Wohnen in Grünau 2004

Einleitung | Bewohnerstruktur | Wohnumfeld | Stadtumbau | Blick in die Zukunft

Grünau im Wandel - Die Chancen und Gefahren des Stadtumbaus

In den letzten Jahren hat sich vieles in Grünau getan. Die Grünauer Einwohnerschaft hat sich verkleinert und entsprechend muss der Stadtteil an die neue Situation angepasst werden. »Stadtumbau« ist inzwischen - nicht nur in Grünau - ein viel diskutiertes Thema. Aber was genau verbirgt sich dahinter für diejenigen, die tagtäglich den Wandel ihres Wohngebietes beobachten können?

Uns hat also in der Einwohnerbefragung zunächst interessiert, was für die Grünauer »Stadtumbau« bedeutet. Was verstehen sie überhaupt unter diesem von Stadtplanern erfundenen Begriff?

Die Befragung ergab, dass in erster Linie bauliche Veränderungen damit verbunden werden und hier vor allem der Abriss von Häusern. Wo Gebäude wegfallen, bleiben Lücken, die in den meisten Fällen begrünt werden. Um es also auf eine kurze Formel zu bringen: Stadtumbau bedeutet in den Augen der Grünauer mehr Grün und weniger Häuser. Grünflächen werden als Auflockerung, Oasen und Bereiche der Erholung meist positiv bewertet, obwohl auch in einigen Fällen auf den Pflegeaufwand und die Gefahren der Verwahrlosung hingewiesen wird. Aber was konkret halten die Einwohner Grünaus von dem Abriss von Wohnhäusern? Aus mehreren Antwortvorgaben auf diese Frage konnten die Grünauer die Aussage ankreuzen, die für sie am ehesten zutrifft. Mehr als die Hälfte der Grünauer befürwortet demnach den Abriss von Häusern.

Jeder zweite Abrissbefürworter hat aber auch konkrete Vorstellungen darüber, unter welchen Bedingungen Abriss gerechtfertigt ist und wie sich entsprechende Maßnahmen gestalten sollten. Im Wesentlichen sollte darauf geachtet werden, dass die Mieten aufgrund der Wohnungsverknappung nicht ansteigen, dass nicht »wahllos« abgerissen wird und vorhandene Strukturen nicht zerstört werden.

So gibt es z.B. Befürchtungen, dass durch den Abriss die Anzahl infrastruktureller Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil verringert wird und intakte Wohnkomplexe zerstört werden. Es ist z.B. den Bewohnern unverständlich, warum die Brackestraße abgerissen wird, obwohl »damit die einzigen kleinen Geschäfte, die es hier gibt, auch noch verschwinden.«

Darin liegen aus Sicht der Bewohner Grünaus die Gefahren des Stadtumbaus. Auf der anderen Seite eröffnen sich aber auch neue Möglichkeiten. Viele Grünauer sehen im Stadtumbau eine Chance, »alte Bausünden« auszubügeln. Wo zu dicht gebaut wurde, soll die Häuserstruktur aufgelockert werden, wo an Grün gespart wurde, können jetzt neue Grünanlagen entstehen, um auf diese Weise die Wohnqualität in den erhaltenen Häusern zu erhöhen. Das Ergebnis sollte ein Stadtteil sein, »der großräumig angeordnet ist mit vielen Grünflächen« und »Wohnblöcken, die nicht zu dicht zusammen stehen.«

Stadtumbau kann, um die Ergebnisse zusammenzufassen, wenn er gut durchdacht ist, die Wohnqualität in Grünau erheblich erhöhen. So stimmen weit mehr als die Hälfte der Grünauer der Aussage »Der Stadtumbau macht Grünau schöner.« zu.

Wollen weitere stadtumbauliche Maßnahmen eine Zustimmung in der Grünauer Bevölkerung finden, sollten sie also für jeden nachvollziehbar sein und »ganz Grünau optisch, kulturell und sozial aufwerten«.

Annett Fritzsche

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