Grün-As

Intervallstudie Leben und Wohnen in Grünau 2004

Einleitung | Bewohnerstruktur | Wohnumfeld | Stadtumbau | Blick in die Zukunft

Intervallstudie 2004

Die Intervallstudie 2004 bringt Grünau deutschlandweit in die Schlagzeilen

Bild Seit einigen Wochen ist Grünau wieder in den Schlagzeilen. Aufmerksame Zeitungsleser, Radiohörer und Fernsehzuschauer in der ganzen Bundesrepublik wissen inzwischen, dass sich in Leipzig-Grünau die meisten Menschen wohl fühlen. Dabei ließen die Medienberichte der letzten Jahre eher Gegenteiliges vermuten. Seit der Wende häuften sich Negativschlagzeilen über Leerstand, Abriss sowie soziale Probleme und ließen kaum ein positives Wort verlauten. Jetzt belegt eine wissenschaftliche Untersuchung das Gegenteil.

Die Medienvertreter horchten auf und kurz nach der Pressekonferenz am 11. März 2005 und der feierlichen Übergabe des Ergebnisberichtes an den Oberbürgermeister Tiefensee, klingelte das Telefon der Projektleiterin Dr. Sigrun Kabisch Sturm. Journalisten der verschiedensten Medien baten um Interviews und Informationen zu den Ergebnissen der Intervallstudie. Auch bei den Bewohnern Grünaus, Politikern und Wohnungsgesellschaften zeigte sich reges Interesse.

Im »Grün-As« sollen nun in einer Fortsetzungsreihe die Ergebnisse aus erster Hand allen Grünauern und Interessierten zugänglich gemacht werden.

Die Plattenbausiedlung Grünau ist seit ihrer Entstehung und damit seit über 25 Jahren Gegenstand dieser sozialwissenschaftlichen Untersuchung. 1979 wurde von der Universität Leipzig unter der Leitung von Prof. Alice Kahl die erste Einwohnerbefragung zur Wohn- und Lebensqualität durchgeführt. Acht Befragungen hat es bislang gegeben, in denen jeweils zwischen 300 und 700 befragte Grünauer die Gelegenheit nutzten, ihre Meinungen und Ansichten zu ihrem Wohnort zum Ausdruck zu bringen.

Die vorletzte Befragung erfolgte im Jahr 2000. Darüber wurde von Prof. A. Kahl ebenfalls ausführlich im »Grün- As« berichtet. 2004 war es dann wieder so weit: eine neue Befragung wurde von der Stadt Leipzig in Auftrag gegeben und erstmalig vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) durchgeführt. Das UFZ ist ein Forschungsinstitut, das sich neben naturwissenschaftlichen auch mit sozialen, ökonomischen und rechtlichen Fragen auseinandersetzt.

Die Abteilung für Stadt- und Umweltsoziologie, geleitet von Dr. S. Kabisch, hat bereits mehrere ähnliche Studien sowohl in Leipzig als auch in anderen Städten Deutschlands erfolgreich durchgeführt und verfügt entsprechend über einen großen Erfahrungsschatz. An der Grünau-Studie haben neben Dr. S. Kabisch auch Dr. M. Bernt und Dipl.-Soz. A. Fritzsche mitgearbeitet.

Was diese Studie international einzigartig macht, ist, dass sie die Entwicklung eines Wohngebietes seit seiner Errichtung über viele Jahre und sogar über die politische Wende hinweg begleiten konnte. Ein sehr interessantes Ergebnis war beispielsweise, dass sich die Gesamteinschätzung Grünaus in den letzten Jahren wieder deutlich zum Positiven hin entwickelt hat.

Die Grafik veranschaulicht, dass sich zu Beginn der 80er Jahre ein sehr positives Bild von Grünau abzeichnete. Eine Wohnung in Grünau war damals fast gleichbedeutend mit einem Sechser im Lotto. Diese Euphorie schwächte sich jedoch Mitte bis Ende der 80er, als versprochene Infrastruktureinrichtungen ausblieben, zunehmend ab. In dem Zeitraum von 1992 bis 1995 war ein Tiefpunkt erreicht und ein Großteil der Grünauer fühlte sich nur mit Einschränkungen an seinem Wohnort wohl. Nach 1995 nahmen dann aber die positiven Einstellungen wieder deutlich zu.

Dieser Aufschwung hängt zum einen damit zusammen, dass die Einwohner, die sich in Grünau nicht wohl fühlten, bereits weggezogen sind. Zum anderen schätzen aber auch viele Grünauer die Vorzüge und Verbesserungen in ihrem Wohnumfeld. Natürlich gibt es wie in anderen Stadtteilen Probleme in Grünau, auch wenn sich vieles in den letzten Jahren zum Positiven entwickelt hat. Aber es zeigt sich: »Grünau ist besser als sein Ruf!«. In den folgenden Ausgaben des »Grün-As« werden weitere brisante Themen wie der Stadtumbau, die Entwicklung des Wohnumfeldes sowie die Zukunft Grünaus aus der Perspektive der Bewohner beleuchtet.

Annett Fritzsche

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