Grün-As

Intervallstudie Leben und Wohnen in Grünau 2004

Einleitung | Bewohnerstruktur | Wohnumfeld | Stadtumbau | Blick in die Zukunft

Ein Blick in die Zukunft

Grünau - Zehn Jahre später

Über vier Grün-As-Ausgaben hinweg wurden bisher die Befragungsergebnisse der Grünau-Studie (in verschiedenen Themenkomplexen) beleuchtet. So wissen aufmerksame Leser inzwischen, dass sich nach einem Tiefpunkt Mitte der Neunziger Jahre wieder mehr Grünauer in ihrem Stadtteil wohl fühlen. Sie haben außerdem erfahren, wie sich die Bevölkerung in Grünau zusammensetzt, was den dort lebenden Menschen an ihrem Stadtteil gefällt oder noch verbesserungswürdig erscheint und schließlich, wie mit dem Stadtumbau umgegangen wird.

Jetzt ist es an der Zeit, den Blick in die Zukunft zu richten! Der fünfte und letzte Teil der Reihe zur Grünau-Studie dreht sich um die Perspektive Grünaus - aus Sicht der dort lebenden Menschen. Kurz, was erwarten die Grünauer, wie stellen sie sich die künftige Entwicklung ihres Stadtteils vor? Die Hoffnungen, Befürchtungen und Vorstellungen darüber, wie sich Grünau entwickeln wird, fallen sehr unterschiedlich aus. Oft wird davon ausgegangen, dass sich die als deutliche Verbesserung wahrgenommene Gestaltung des Wohnumfeldes auch in Zukunft fortsetzt.

Grünau wird sich in den nächsten zehn Jahren positiv entwickeln (weitere Sanierung der Wohnungen, Straßen, Wege, Radwege). Durch die enormen Neupflanzungen von Bäumen und Buschwerk wird es eine parkähnliche Landschaft werden. Gleichzeitig ist die Überalterung Grünaus in den Zukunftsvisionen seiner Bewohner ein immer wiederkehrendes und sehr wichtiges Thema. So wird Grünau zwar schön grün anzusehen sein, aber die Bewohner werden überwiegend alte Menschen sein. Weiterhin wird eine starke Zunahme der Ausländer und Arbeitslosen sowie allgemein Angehöriger unterer sozialer Schichten befürchtet. Diese Entwicklung überschattet in den Augen vieler Grünauer die Zukunft ihres Wohngebietes.

Es werden mehr Ausländer und mehr Sozialfälle in Grünau wohnen, Kriminalität wird steigen, Zerstörung wird größere Ausmaße annehmen. Im Extremfall ist von Grünau als ›Hochburg der Armut‹, in der ›Alkoholismus, Vandalismus und Drogen‹ herrschen, die Rede. Häufig wird die Ursache für zu erwartende Probleme in Wirtschaft und (Wohnungsmarkt-)Politik gesehen. Wenn der Prozess der Verarmung der breiten Masse durch Lohnsenkungen, Erhöhungen der wöchentlichen Arbeitszeit und damit Vergrößerung der Arbeitslosigkeit weiter so energisch vorangetrieben wird, werden die Arbeitslosen weiter zunehmen. Damit verbunden ist Alkoholismus, Depressivität, Unordnung und Gestank.

Die Entwicklung Grünaus ist damit in den Augen der Grünauer an eine allgemein-gesellschaftliche Entwicklung gekoppelt: hohe Arbeitslosigkeit, Zusammenbruch der Familien und Sozialstruktur, Anwachsen von Kriminalität, Drogen- und Alkoholmissbrauch, ungleiche Bildungschancen, Werteverfall, Zukunftslosigkeit die schließlich zu sozialen Unruhen und Ghettobildung führen können. Neben allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen werden aber auch die ganz speziellen Bedingungen, wie bauliche und soziale Strukturen innerhalb der einzelnen Wohnkomplexe Grünaus als ausschlaggebend für dessen Perspektiven angesehen. So stellt zum Beispiel einer der Grünauer fest: Grünau entwickelt sich offensichtlich nicht gleichmäßig, es gibt große Unterschiede zwischen den WK’s. Ein anderer schreibt: In einigen Gegenden wird es kaum Leerstand geben, an anderen Standorten, wo nicht renoviert wurde, werden der Leerstand und die leeren Läden zur Verödung führen.

Das Schicksal Grünaus ist nach Einschätzung seiner Bewohner, wie sich hier gezeigt hat von vielen Faktoren abhängig, die im Moment schwer überschaubar sind. So kann Grünau ein pulsierender, fröhlicher Stadtteil werden, wie früher, kann von leerer Gespensterstadt mit wenigen Alten bis zur Erhaltung des Ist-Zustandes reichen. Um einen Gesamteindruck darüber zu erhalten, wie die Grünauer die Zukunft ihres Stadtteils einschätzen, soll abschließend eine Grafik die Antworten auf die Frage:

Grünau wird sich - generell positiv entwickeln/ vorwiegend positiv entwickeln/ nicht viel verändern/ negativ entwickeln, veranschaulichen. Obwohl viele Grünauer ihre Bedenken und Sorgen geäußert haben, geht die Mehrheit der dort lebenden Einwohner, wie die Abbildung zeigt, überraschenderweise von einer positiven Entwicklung aus. Auch ist der Anteil derer, die optimistisch in die Zukunft schauen, im Vergleich zu den vergangenen Erhebungen wieder angestiegen. Trotzdem sind die Bedenken der Bewohner Grünaus ernst zu nehmen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Problemen im sozialen Umfeld. In diesem Zusammenhang äußerte einer der Grünauer: Der zur Zeit gesunde Mix von Alt und Jung, Deutschen und Ausländern/ Aussiedlern, Arm und Reich muss erhalten bleiben.

Damit kommt unsere Grünau-Reihe zu ihrem Ende. Die nächste Einwohnerbefragung ist dann in drei bis vier Jahren geplant. Wir möchten uns bei allen Grünauern, die einen Fragebogen ausgefüllt haben, nochmals für ihre Mitarbeit herzlich bedanken. Ein Dankeschön geht auch an die Leser des Grün-As: Wir freuen uns über Ihr Interesse! Für alle, die ausführlichere Informationen über die Grünau-Studie wünschen, ist der gesamte Ergebnisbericht im Internet unter der Adresse www.ufz.de einsehbar.

Annett Fritzsche

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