Grün-As

Der Westflügel

Vor über hundert Jahren ließ der Gastwirt Nohke den bekannten Jugendstil-Architekten Emil Franz Hänsel in Leipzig-Lindenau ein Ballhaus errichten. Mit Restaurant und einer Gesellschaftshalle als Westflügel konnte das Ballhaus aber nur wenige Jahre durchhalten. Nach wenigen Jahren verwandelte sich der einzigartige Bau in eine Ofenrohrfabrik, später gar in eine Lagerhalle. In der DDR-Zeit wurde das Gebäude ein Kino und erhielt den Namen »Lindenfels«. Nach dem Verfall des Klubhauses »Schwarzen Jägers« in Leutzsch veranstaltete dessen Kulturmannschaft sogar Rockkonzerte im »Lindenfels«, ebenso der Jugendklub am Haus der Volkskunst.

Nach einem völligen Stillstand nach der Wende, konnte 1994 die »Schaubühne Lindenfels« als Theater, Programmkino und Restaurant im ehemaligen Ballhaus eröffent werden. Mit drei eigenständigen Trägern, die das mehrgleisige Programm realisieren, ist die »Schaubühne Lindenfels« heute ein genreübergreifendes Produktions- und Veranstaltungshaus.

Seit Dezember 2003 begann das Figurentheater Wilde & Vogel den seit der Wende leerstehenden Westflügel wieder einer kulturellen Nutzung zuzuführen. In den vergangenen fünf Jahren wurde ein Verein, der Lindenfels Westflügel e.V., gegründet der das Gebäude inzwischen kaufte, ein internatioales Produktionszentrum für Figurentheater realisiert und begonnen das Haus denkmalgerecht zu sanieren.

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FAUST spielen

Tri-tra-trullala? »Wir können auch anders!« - einer der Schwerpunkte des Programms 2009 - widmet sich Kasper und seinen europäischen Brüdern. Mit »Märchenwelten - von hier und anderswo« geht es auf eine Reise in die Kindheit. Neben den hauseigenen Stücken des Figurentheaters Wilde & Vogel sollen dieses Jahr weitere Produktionen mit Gyula Molnàr (Ungarn/Italien), Florian Feisel (Berlin/Stuttgart), Playground (Barcelona), Franziska Merkel (Leipzig) und Christoph Bochdansky (Wien) enstehen.

Auf der Schwelle zwischen Leben und Tod geraten die Erinnerungen an Forscherdrang und Teufelspakt, Lüsternheit und Liebespein, Höhenflug und Hexensabbat bald zum derben Schwank, bald zur Travestie, bald zum packenden Bildertheater: »FAUST spielen« - vom 15. - 17. Januar, jeweils 21.00 Uhr, zeigt Christiane Zange die aktuelle Westflügel-Produktion von Wilde & Vogel und Christoph Bochdansky. Ein Mysterienspiel zwischen volkstheaterhaften Possen und rätselhaften Bildern - »Ich freue mich« - von Christoph Bochdansky ist am 24. und 25. Januar, jeweils 21 Uhr, zu sehen. Der 48-jährige Puppenspieler aus Wien verarbeitet in seinem Solostück Geschichten um den Tod.

Lutz Rodenhauser
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