Grün-As

Jeden Tag Trödelmarkt

Neuer Laden mit alten Sachen in der Ludwigsburger Straße

Was macht Menschen glücklich? Sicher eine nicht ganz einfache Frage, auf die es viele, ganz individuelle Antworten gibt. Eine davon könnte sich im neu eröffneten Ladengeschäft von Paul Gröters in der Ludwigsburger Straße finden lassen. Denn laut den großen bunten Lettern, die seit dem 6. September am Schaufenster kleben, ist er der »Glücklich-Macher«. Oder besser gesagt seine Idee. Diese ist so simpel wie genial: Er vermietet Regale, die von anderen als Verkaufsfläche für ihre ausrangierten Dinge genutzt werden können. Praktisch wie ein kleiner Flohmarkt.

Im Laden selbst herrscht rege Betriebsamkeit. Geschäftsführer Gröters, der in Leipzig noch eine zweite Filiale in der Eisenbahnstraße betreibt, steht am Espresso-Automat und verteilt gut gelaunt und lächelnd kleine Tassen an die Kundschaft. Sein Kollege Udo Gehrmann füllt derweil einen »Mietvertrag« aus. Er ist für Grünau zuständig und mit der Resonanz der ersten Woche sehr zufrieden: »Sowohl Käufer als auch potenzielle Verkäufer haben sich hier die Klinke in die Hand gegeben«, sagt er und kassiert nebenbei eine Kundin ab, die kurz darauf mit drei dicken Wälzern ihren Heimweg antritt. Bücher lassen sich auf den 350 Quadratmetern genauso finden wie getragene Kleidung, nagelneue Schuhe, Spielzeug, Haushaltware oder Technik. Aber auch Kuriositäten wie ein alter Strick liegen in den Regalen. Beinah direkt gegenüber steht wiederum ein Klavier.

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Ladengeschäft von Paul Gröters in der Ludwigsburger Straße

»Es ist die Mischung, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden wird. Es ist eben nicht der typische A&V, den es an jeder Ecke gibt, sondern der Laden lebt von dem, was die Verkäufer hier anbieten«, erzählt Paul Gröters vom Konzept. Sowohl die Ware als auch deren Verkaufspreis werden vom Kunden bestimmt. Das erste Mal beträgt die Mindestmietzeit zwei, später eine Woche, wobei pro Regalblockmeter und Woche fünf Euro zu berappen sind. Bei gut gefüllter Verkaufsfläche und höherwertigem Angebot ist die Miete allerdings schnell wieder drin. Dabei muss der Verkäufer - anders als beim Flohmarkt - gar nicht selbst vor Ort sein.

»Das würde auch gar nicht gehen«, lacht Udo Gehrmann und schaut auf die dicht gestellten Regalreihen, in denen sich Neugierige drängen. »Das Kassieren übernehmen wir. Wenn der Vertrag aufgesetzt wird, etikettieren wir die Ware, der Verkäufer schreibt den gewünschten Preis darauf und es wird ein Konto angelegt. Über dessen Stand kann man sich jederzeit bei uns erkundigen.« Zwei kleine Haken hat diese Art des Handels allerdings: Zum einen entfällt das für Trödelmärkte übliche Feilschen und zum anderen muss der Verkäufer für seinen Umsatz 35 Prozent an den Laden abtreten. Schließlich will der nicht nur andere, sondern auch sich selbst glücklich machen.

kmn
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