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Der neue Personalausweis

Am 1. November 2010 wird der neue Personalausweis (28,80 €) den bisherigen (8,00 €) ablösen. Der Ausweis im Scheckkartenformat enthält einen Chip im Innern der u.a. ein digitales Lichtbild und die Fingerabdrücke des Inhabers (Abgabe ist freiwillig) enthält. Außerdem kann man eine elektronische Signatur aufspielen lassen. Der Chip ermöglicht eine Reihe neuer Funktionen für den Einsatz an Automaten und im Internet:

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  • Authentifizierung, wobei der Ausweisinhaber festlegen kann, welche Daten er preisgeben möchte
  • Altersüberprüfung, wobei das genaue Geburtsdatum nicht preisgegeben werden muss
  • Wohnortbestätigung, auch hier u.U. ohne genaue Angabe der Adresse
  • Pseudonymfunktion, Internetdienste können den Ausweisinhaber wiedererkennen, wissen jedoch nicht wer er ist
  • elektronische Signatur, zum »unterschreiben« von E-Mails und Dokumenten

Für die Internet-Funktionen brauchen Sie einen PIN, einen PUK, ein Sperrkennwort und die Freischaltung dieser Funktionen im Bürgeramt. Außerdem wird noch ein spezielles Lesegerät und Software (AusweisApp) für den Computer benötigt. Die Software gibt es für Windows (ab XP), Mac OS X, Ubuntu, OpenSuse und Debian. Bei den Lesegeräten tut sich bereits die erste Schwachstelle auf: Eine der Begleitstudien sieht bei den billigen Basis-Lesegeräten die Möglichkeit, daß Trojaner die Eingabe der PIN »keyloggen« und damit vollen Zugriff auf die Karte haben, soweit diese im Lesegerät ist. Bei den teureren Standard- und Komfort-Lesegeräten muß die PIN am Gerät eingegeben werden, so daß dies nicht möglich ist. Auch der Chaos Computer Club (CCC) hatte im Juni ein Lesegerät der Schutzklasse 3 gehackt.

Wenn man die elektronische Signatur verwenden will, braucht man mindestens ein Komfort-Lesegerät und eine Signatur, die man sich von einem zugelassenen Signaturanbieter gegen Bezahlung erstellen lassen muß. Die Signaturanbieter werden von der Bundesnetzagentur beaufsichtigt. Zu den Signaturanbeiter zählt übrigens auch die Deutsche Telekom AG - die Firma die jahrelang u.a. Journalisten illegal abgehört hat. Kein Wunder dass viele Bundesbürger die neuen Funktionen garnicht verwenden wollen. Das muß man auch nicht...

Der CCC hat Anfang des Monats erhebliche Sicherheitslücken vorgeführt - mit der Feststellung, dass diese Angriffe simpel genug sind, um von gemeinen Online-Kriminellen problemlos beherrscht zu werden. Auch der Datenschutz-Verein FoeBuD sagt zum neuen Personalausweis: »Teuer und von zweifelhaftem Nutzen«. Die Datenschützer sehen jedoch schon aus bürgerrechtlicher Sicht Probleme dahingehend, dass persönliche Daten systematisch und im großen Umfang gespeichert werden, z.T. ohne erkennbaren Zweck (Fingerabdrücke). Es wird außerdem befürchtet, dass der Staat zukünftig die Internetnutzung zwangsweise an eine Ausweispflicht koppeln könnte.

Lutz Rodenhauser
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