Grün-As

Hundert Jahre und kein bisschen müde...

»Grün-As« gratuliert Dr. Karl Hamel in der Ansbacher Straße zum 100. Geburtstag

Als Dr. Hamel kürzlich gefragt wurde, was er aus seinen umfangreichen Lebenserfahrungen heraus jungen Menschen mit auf den Weg geben würde, sagte er: Um erfolgreich zu sein, braucht man Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Zielstrebigkeit. Man darf keine Halbheiten dulden und muss Angefangenes zu Ende bringen. Dieses Credo durchzieht den Lebensweg des am 17.1.1911 in Dortmund geborenen Karl Hamel in all seinen wichtigen Stationen: Abitur 1933, Landwirtschaftslehre in Bürgeln, Kreis Marburg/Lahn, 1938 Abschluss des Studiums als Diplomlandwirt. Danach Landwirtschaftsreferendar an der Landwirtschaftsschule in Lübz/Mecklenburg.

Wie für so viele seiner Zeitgenossen wurde die berufliche Entwicklung jäh unterbrochen durch den Einzug zum Militär. Karl Hamel wurde Soldat einer Sanitätstruppe in Stettin. Durch einen glücklichen Umstand konnte er 1944 trotz des Krieges an der Universität Rostock zum Dr. agr. promovieren. Dann kam die Gefangenschaft: Novosibirsk. Die Russen erkannten schnell die herausragenden landwirtschaftlichen Fähigkeiten dieses Gefangenen, und so machten sie ihn kurzerhand zum Leiter einer Sowchose, verantwortlich für die Arbeit von 120 Kriegsgefangenen, damit er mit »deutscher Gründlichkeit« und den vorhandenen sehr bescheidenen Mitteln die dringend benötigte Nahrungsmittelproduktion ankurbelte.

Dr. Hamel tat alles in seiner Macht Stehende, um für seine Mitgefangenen die Strapazen so erträglich wie möglich zu machen. Später, als er wieder in Mecklenburg, in Güstrow, wohnte, stand eines Tages ein Mann vor seiner Tür und bedankte sich, dass er ihm, der damals sehr krank war, das Leben gerettet hatte, indem er seine frühere Rücksendung in die Heimat durchgesetzt hatte. 1948, nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft (mit einem Dankesschreiben der Russen für seine hervorragenden Leistungen), wurde er Direktor der Landwirtschaftsschule Güstrow-Schabernack. Diese Funktion hatte er bis 1969 inne. Dann zog er - der Liebe wegen - nach Leipzig.

1970 hatte er seine Frau Ilse geheiratet, die an der Universität Leipzig im Bereich Veterinärmedizin als Dozentin tätig war. Auch er nahm eine Tätigkeit an der Sektion Tierproduktion und Veterinärmedizin auf, die er bis 1976 ausübte. Leipzig wurde seine neue Heimat, nach Lausen-Grünau kam er durch ein Wochenendgrundstück, auf dem er seine in der Landwirtschaft erworbenen Fähigkeiten nach seiner Pensionierung nun im Privaten voll zur Geltung bringen konnte. 1995 zogen die Hamels in ein Reihenhaus in der Ansbacher Straße - noch einmal in eine neue Umgebung, da war Karl Hamel schon 84.

Sie haben es nie bereut, denn auch hier gibt es einen schönen Garten und damit ein umfangreiches Betätigungsfeld. Darüber hinaus eine großartige Nachbarschaft, immer einen netten Plausch am Gartenzaun, gemeinsame Grillfeste und vor allen Dingen eine Menge Hilfsbereitschaft, die es den Hamels erlaubt, auch im hohen Alter und zwangsläufig mit einigen körperlichen Gebrechen in ihrem Haus wohnen zu bleiben. Die Nachbarn helfen beim Einkauf, im Garten, beim Schnee schippen - und werden natürlich auch bei der großen Geburtstagsfeier mit mehr als 80 Gästen dabei sein. Dr. Hamels vier Kinder sind über ganz Deutschland verstreut, ein Schicksal, das die Hamels wohl mit vielen anderen älteren Menschen hier teilen.

Aber Einsamkeit gibt es trotzdem nicht - auch wenn es körperlich etwas beschwerlich ist, nimmt Dr. Hamel noch an zahlreichen Aktivitäten teil, so zum Beispiel 2009 im Rahmen seiner Mitgliedschaft im Verein »Siedlung Grünau e.V.« am Familienwandertag des Dachverbandes (wenn auch nicht mehr als aktiver Wanderer). Der Verein ist natürlich auch stolz auf sein immer noch so aktives 100-jähriges Mitglied und gratuliert ihm ebenfalls ganz herzlich zu diesem Ehrentag. Die Siedler und »Grün-As« wünschen Dr. Hamel weiterhin gute Gesundheit, und dass er zusammen mit seiner Frau Ilse noch recht schöne und interessante Jahre hier in Leipzig-Grünau verbringen kann.

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