Grün-As

Durchatmen

... denn Grünau hat mit die sauberste Luft in Sachsen

Es gibt keinen Teil einer anderen sächsischen größeren Stadt, der mit Grünaus sauberer Luft mithalten kann. Das ist aber leider bisher zu wenig in der Öffentlichkeit bekannt.

Nur in abgelegenen Ecken im Erzgebirge und im Voigtland enthält die Luft noch weniger Feinstaub. Fernwärmeversorgung und Verkehrsführung begünstigen die Luftreinheit in Grünau. Durch Fernwärme wird nichts emittiert, und die Stadtwerke haben leistungsfähige Filter, so dass das Problem auch nicht einfach woanders hin verschoben wird. Die neuen Häuser im Schönauer Viertel heizen mit Gas. Die dabei entstehenden Feinstaubmengen sind aber sehr gering. Richtige Dreckschleudern sind dagegen Öfen und Kamine, die mit Holz gefeuert werden. So etwas gibt es in Miltitz, in Lausen und in einigen Einfamilienhäusern in Schönau. Eine Holzpelletheizung produziert 200-mal so viel Feinstaub wie eine Gasheizung gleicher Leistung, eine Scheitholzanlage sogar das 3000-Fache.

Grünau hat im Wohngebiet überwiegend Anliegerverkehr. Die Straßen führen um die großen Wohnkomplexe herum. Auch bietet Grünau kaum Anreize, von den Hauptstraßen abzuweichen. Es bedarf keiner »Schleichwege« für Durchreisende. Das ist gut so. Es erspart uns Feinstaub aus Reifenabrieb und Autoabgasen. Vom Stadtzentrum her bildet das dicht bebaute Lindenau eine Barriere: Nur Ratzelstraße, S-Bahntrasse, Lützner und Lyoner Straße bilden Durchlässe. Aber hier werden Filter wirksam: das Hafengelände, der Schönauer Park, der Robert-Koch-Park und die vielen Bäume und Sträucher überall in Grünau.

Eine wichtige Rolle spielt der Kulkwitzer See. Im Sommer ist das Wasser kühler als die Umgebung - vor allem als die Stadt. In diesem Kälteloch sinkt die Luft ab und fließt dann in Richtung wärmeres Stadtzentrum ab. Dabei nimmt sie Feinstaub und giftige Gase mit. Schwacher Wind muss dabei den See umgehen: Durch die absinkende Luft steigt über dem Wasser der Luftdruck. Nur kräftiger Wind fegt einfach drüber. Aber der Effekt ist gleich: Bei sehr schwachem Wind wird die heranströmende Luft auf Umleitungen gezwungen. Bei starkem Wind weht es den Schmutz einfach weg und er kann sich nicht absetzen. Das schützt Grünau vor Feinstaub aus dem Umland.

Im Winter ist das Wasser wärmer als die Umgebung - solange der See nicht zugefroren ist. Vor allem an frostigen Tagen bildet sich dann über dem See eine Säule aufsteigender Luft, die wie ein Staubsauger den Feinstaub abtransportiert. Ob Sommer oder Winter - die Temperaturunterschiede See/Grünau sorgen immer für Luftbewegung und damit für besseren Abtransport des relativ wenigen in Grünau anfallenden Feinstaubes. Feinstaub ist übrigens hochgradig gesundheitsschädlich: Die winzigen Staubteilchen werden vom Flimmerepithel in der Luftröhre kaum zurückgehalten und durchdringen die Wand der Lungenbläschen.

Einmal im Kreislauf können sie alle Organe angreifen. Krebs und Herz-/Kreislauferkrankungen können die Folge sein. Zu DDR-Zeiten war die Feinstaubbelastung übrigens deutlich niedriger: Es gab wesentlich weniger Autoverkehr und bedeutend mehr groben Staub. Der bindet den Feinstaub, setzt sich sehr viel schneller am Boden ab und hilft dadurch, die aggressiven Minipartikel zügig aus dem Verkehr zu ziehen. So ist das Feinstaubproblem in gewisser Weise ein Ergebnis der wirksamen, aber unvollkommenen Luftreinhaltepolitik, denn technisch ist das Feinstaubproblem sehr wohl beherrschbar.

Also tief durchatmen! Grünau hat die gesündeste Luft von Leipzig! Und wer sich dann noch viel an der sauberen Grünauer Luft bewegt, gesundheitsbewusst lebt, saisonale und regionale Lebensmittel bevorzugt und die kleinen Freuden des Alltags genießt, der kann schon mal anfangen, seinen 100. Geburtstag bei guter Gesundheit zu planen.

Leonhard Kasek
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