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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Silke und Marco Gettel schweben auf Wolke Eins C

Im Trainingszentrum des TK Blau-Gold in Grünau tanzen Landesmeister und Bambinis

Sie sind alle vier im Verein - die Gettels haben Tochter Luisa und Sohn Leonard längst dabei. Seit seinem fünften Lebensjahr tanzt der Junge begeistert mit und hat mit Lena eine feste Tanzpartnerin. Nächste Saison will er in den Turnierbetrieb einsteigen. Aber noch liegen die Eltern vorn.

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Sie schweben gerade auf Erfolgs-Wolke Eins C. Haben sich die Landesmeister-Titel Senioren Eins D und Eins C in Sachsen und kurz danach auch in Thüringen ertanzt. Ist das noch Hobby?
Silke Gettel
Ja, unbedingt. Ich liebe das Tanzen. Schon an der Uni habe ich meinen Marco gedrängt und gelockt. Dann kamen Job und Kinder ... Nun sind die beiden groß genug, ihren Eltern auch mal eigene Wege zu ermöglichen. Jetzt nehmen wir uns die Zeit zum Tanzen. Seit knapp einem Jahr haben wir ein Startbuch und nehmen an Wettbewerben teil. Und es ist schön zu sehen, dass wir uns behaupten können.
Marco Gettel
Tja, da hatte meine Frau für die entscheidenden Schritte wohl die Führung übernommen. Ursprünglich habe ich mich ja für das Segeln interessiert. Aber bei der wenigen Freizeit, die wir beide haben, möchte ich ein Hobby gern mit meiner Frau ausüben. Inzwischen macht es mir auch richtig Spaß - zumal sie sich auf dem Tanzparkett dann doch gern von mir führen lässt. Aber reines Hobby ist es schon lange nicht mehr. Inzwischen trainieren wir vier bis fünf Stunden die Woche. Feilen an Posen, an den Bewegungen und am Ausdruck. Aber das erwarten wir nicht von allen unseren Mitgliedern. Wir laden in unseren Tanzsportverein gern alle interessierten Tänzer ein. Kleine und Große. Auch wir haben ja im Rahmen des Breitensports begonnen. Das bedeutet ein-, zweimal die Woche Training. Und anschließend gibt's auch mal ein Gläschen Sekt. Der Schritt in den Turniertanz ist nicht zwingend - die Allermeisten genießen es einfach, regelmäßig mit ihrem Partner zu tanzen.
Silke Gettel
Wenn man den Weg in Richtung Turniertanz jedoch eingeschlagen hat, sollte man den sportlichen Aspekt nicht unterschätzen. Ein Tanz von zirka zwei Minuten verlangt Konzentration und volle Körperspannung, Rhythmusgefühl und Kondition, Körperkommunikation. Während eines Wettbewerbs absolvieren wir jeweils vier, später fünf Tänze in mehreren Qualifizierungsrunden an einem Tag. Da muss nicht nur die Frisur sitzen. Man soll den Tanz mit leichter Eleganz vortragen, freundlich lächeln und vor allem unangestrengt wirken. Da muss man schon einiges für die Grundkondition tun. Wir joggen und schwimmen. Hieran arbeiten wir auch in unserem Turniertraining und ich habe mich einer Zumba-Gruppe angeschlossen.
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Zuletzt haben Sie jeweils mit allen möglichen Einser-Platzierungen gewonnen. Inzwischen macht der Begriff vom »Gettel« die Runde - der Abstand von 18 Einsen zum zweitplatzierten Paar...
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Silke und Marco Gettel
Marco Gettel
Wir sind selbst ganz begeistert, wie gut es bei uns läuft. Wenn man sich bei hochwertigen Turnieren behaupten kann, mit Landesmeistertiteln nach Hause fährt, das bestätigt die eigene Leis- tung und spornt an. Wir haben uns unter den anderen Paaren landesweit einen Stand ertanzt, den wir unbedingt bestätigen wollen.
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Diese angestrebte Leichtigkeit und Eleganz spiegelt sich für den Besucher vor allem in der Turnierkleidung wider. Federleichte Wolken aus Tüll und Seide schweben über das Parkett. Wie wird Ihr Tanzkleid für die nächste Saison aussehen?
Silke Gettel
Bisher tanzten wir in der Klasse Senioren Eins D. Da ist bei Wettbewerben keinerlei Glitzer, Schmuck oder Ähnliches erlaubt und im Training sowieso überflüssig. Wir tanzen in sportlich-festlicher Alltagskleidung. Mit unserer Startberechtigung und den ersten Erfolgen in der Tanzsportklasse Eins C ändert sich das, und ich habe bereits drei Kleider zur Anprobe zu Hause. Schwer genug, sich dann für nur eins zu entscheiden ... So ein Kleid wird von tanzsporterfahrenen Designern entworfen. Es soll ja all meinen Bewegungen standhalten, perfekt am Körper sitzen, sich nicht in anderen Kleidern verfangen, zeitlos elegant eine ganze Tanzsaison gefallen. Da ist es schön, Sandra Tippel als Tänzerin und mit ihrem Mode-Label im Verein zu haben.
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Und welches wird's denn nun?
Leonard Gettel
Mir gefällt ja das Grüne am besten. Damit sieht sie am schönsten aus.
Marco Gettel
Das sehe ich nun gar nicht so. Mir gefällt das Schwarze. Sie sehen schon, das wird nicht nur richtig teuer, sondern auch eine schwierige Entscheidung. Ich habe es da im Moment mit klassischer Hose und Hemd, manchmal Weste, etwas leichter - aber wie heißt es im Tanzsport: Der Herr ist der Rahmen, die Dame das Bild.
Silke Gettel
Vielleicht kann ich meinen Mann ja zu einem zweiten überreden, wenn es im nächsten Jahr weiter so gut läuft wie bisher.
Grün-As
Mit einem neuen Kleid allein ist es aber nicht getan?
Marco Gettel
Das optische Erscheinungsbild eines Paares fällt zwar zuerst ins Auge, ist aber eigentlich kein Bestandteil der Bewertung. Die Wertungsrichter vergeben Platzierungen für verschiedene technische Kriterien, aber eben keine objektiven Bewertungen nach Metern oder Sekunden. Inzwischen wird jedoch daran gearbeitet, olympische Kriterien zu entwickeln. Das heißt: Es geht in erster Linie ums Tanzen. Wir arbeiten bei uns im Trainingszentrum mit Martin Herrmann zusammen. Gemeinsam mit seiner Tanzpartnerin Sandra Tippel tanzt und trainiert er in der Hauptgruppe S Standard. Auch Marcus Weiß und Isabel Edvardsson, bekannte Gesichter der RTL-Sendung »Let's Dance«, bieten bei uns regelmäßig Trainings und Workshops an.
Silke Gettel
Aus dem Hobby ist nun schon ein aufwändiger Sport geworden. Aber dazu haben wir uns bewusst entschieden - als Ausgleich zu unserem Berufsalltag. Mein Mann ist Bauingenieur, ich arbeite als Grundschullehrerin. Wir sind beide engagiert in unseren Jobs und leben diesen Fleiß auch unseren Kindern vor. Da sind viele Stunden und Wochenenden bereits im Vorfeld verplant. Unsere Tochter Luisa sucht gerade nach einem jungen Herrn als neuen Tanzpartner. Leonard und Lena wollen bald eigene Medaillen gewinnen. Wir haben mit unseren Kindern, die uns zu den Wettbewerben interessiert begleiten, auch immer einen eigenen Fanclub dabei. Und Leonard macht manchmal die schönsten Fotos.
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