Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Der See und seine Kümmerer

Ergebnisse der Zweckverbandssitzung und andere Neuigkeiten

Die gute Nachricht zuerst - auch wenn sie nicht die neueste ist: Der Kulkwitzer See hat auch 2013 bei der Wahl des Lieblingssees der Deutschen erstaunlich gut abgeschnitten und kam mit knapp 7.000 Stimmen (von insgesamt 110.000) auf Platz 2 des bundesweiten Rankings. Im landesweiten Wettstreit hatte er wie 2012 ganz weit die Nase vorn und darf nun erneut den Titel »Lieblingssee der Sachsen« tragen.

Das, so regte Stadträtin Ilse Lauter zur ersten und einzigen Sitzung des Zweckverbandes 2013 an, sollte man zum Anlass nehmen und im Sommer 2014 ein gemeinsames Fest am See feiern. Darüber zumindest herrschte Einigkeit beim Treffen, welches noch ohne den erst kürzlich im Amt bestätigten Bürgermeister der Stadt Markranstädt Jens Spiske stattfand. Davon, dass Leipzigs Nachbarkommune eigentlich per Ratsbeschluss aus dem Zweckverband austreten wollte, war am 8. November 2013 wenig bis gar nichts zu spüren.

In einvernehmlicher Runde saßen sich die Vertreter der beiden Städte Leipzig und Markranstädt gegenüber, schwatzten, scherzten, naschten vom bereitgestellten Mittagsimbiss und arbeiteten ihre ungewöhnlich kurze Liste der Tagesordnungspunkte ab. Bis zu den »Bauchschmerzen« der Interims-Verbandsvorsitzenden Angelika Freifrau von Fritzsch. Die äußerte sie, als es um die nachträgliche Legitimierung von Grundstückskäufen ging, die Markranstädt getätigt hatte, um den See-Rundweg auf Leipziger Flur ausbauen zu können. Sehr zur Freude vieler Seeumrunder ist der Weg am Nordufer nun nämlich trockenen Fußes erlaufbar.

So schön dies auch sei - über das Procedere der Nachlegitimierung waren die Leipziger Vertreter not amused. Zwar wurde nach kurzer Beratungspause grünes Licht gegeben. Den Hinweis, dass man dies aber keinesfalls zur Gewohnheit werden lassen wolle, konnte man sich dennoch nicht verkneifen. Danach folgte eine kurze Debatte über die aufgewendeten Mittel für den Rundweg in Höhe von beinah einer Viertel Million Euro, von denen Markranstädt rund ein Zehntel vom Zweckverband erstattet haben möchte und schon wurde es für Seenpächter Christian Conrad ungemütlich.

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Die Terassen am Roten Haus wurden rückgebaut

Dieser hatte zunächst hörbar angesäuert bekannt gegeben, dass die Terrassen am Roten Haus wie gefordert teilweise wieder entfernt worden seien. Wie das Ergebnis dessen aussieht, verschwieg er. Eventuell hatte er eine Ahnung, was noch alles folgen würde. So forderte ihn Markranstädt auf, seinen erwirtschafteten Überschuss auf den Kulkwitzer See runterzurechnen und an den Zweckverband anteilig weiterzureichen.

Der Leipziger Justiziar San Gie Ong forderte ebenso. Und zwar Einsicht in die Satzungen der Firmengesellschaften, die sich unter anderem auch um die Vermarktung des Kulkis bemühen. Davon gebe es mittlerweile mehrere und deren Verflechtungen seien etwas nebulös. Als dann auch noch die Bitte geäußert wurde, dass der Mietvertrag mit der Universität Leipzig für einen baufälligen »Schuppen« am Westufer aufgelöst wird, damit dieser mit gerade zur Verfügung stehenden Fördermitteln abgerissen werden kann, holte Conrad zum Gegenschlag aus und kritisierte zunächst die Einmischung des Zweckverbandes in seine Geschäftsbereiche.

Überhaupt zeigte sich der zuvor Gescholtene sehr unzufrieden darüber, dass er nur ungenügend in die Erarbeitung der insgesamt drei Bebauungspläne involviert gewesen sei. Regelrecht irritiert sei er beispielsweise darüber, dass der B-Plan am Südufer (Göhrenzer Flur) einen großen Tauchklub aufführt, obwohl dort schon immer die Tauchschule Florian ansässig ist. Diesen Widerspruch konnte oder wollte man ihm zwar nicht erklären, aber den Vorwurf der fehlenden Einbeziehung entkräften: So hätte sich Conrad sehr wohl frühzeitig und umfassend über die Pläne informieren können, wenn er denn interessiert gewesen wäre.

Zudem stellte Ong klar, dass Leipzig und Markranstädt als Eigentümer des Sees auch ohne Zutun des Geschäftsbesorgers Pläne erarbeiten dürften. Das sei vertraglich so geregelt. Ende der Diskussion? Nicht ganz. Ein weiteres Treffen wurde mit Christian Conrad anberaumt. Vermutlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Abgesehen vom Zweckverband gab es aber noch weitere Gremien, die sich in letzter Zeit um die Geschicke des Sees bemühten. Dreh- und Angelpunkt ist der noch immer nicht beschlossene B-Plan auf Grünauer Seite. Dieser sollte schon längst überarbeitet zur Einsichtnahme ausliegen. Tut er aber nicht. Grund sei nach Auskunft des zuständigen Stadtplanungsamtes ein Bearbeitungsstau in der Behörde. So lange der B-Plan mit Nummer 232 jedoch nicht verabschiedet ist, liegen dringende Handlungsbedarfe praktisch auf Eis.

Der seit Langem geforderte Ausbau des unbefestigten Seezuganges von der Endhaltestelle Lausen beispielsweise. Vom Stadtbezirksbeirat West zwar zur wichtigen Angelegenheit erklärt, ruht eine etwaige Umsetzung zumindest bis zum Beschluss des Bebauungsplanes, damit - so wörtlich - keine Tatsachen geschaffen würden, die der Planung entgegenstünden. Ein guter Grund, bei der B-Plan-Überarbeitung ein wenig auf die Tube zu drücken und endlich Planungssicherheit zu schaffen. Denn eines gewiss: Auch im kommenden Jahr gibt es wieder eine Wahl zum Lieblingssee.

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