Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Fußball als gemeinsame Sprache

United F.C.

Als sie zum Training auf den Platz kommen, sind sie schon randvoll mit Adrenalin. Freuen sich auf »ihren Montag«. Reden laut. Gestikulieren wild. Hier scheint Großes bevorzustehen ... Leipzig United F.C. - das sind fußballbegeisterte Kids. Senad, Emanuel, Jusuf und Ali, Bajo, Albert, Jaja, Deyan und die anderen.

Sie sind Mazedonier, Serben, Afghanen, Libanesen oder Bulgaren. Jeder mit seiner eigenen Geschichte, seinen Ängsten, seinen Träumen. Aber auf dem Platz sind sie nur eins - Kicker. Der Leipziger Fußballförderverein NETZwerk »blau-gelb« e.V. hat der Mannschaft auf die Beine geholfen. Überwiegend Asylbewerberkinder im Alter von acht bis zwölf Jahren, zumeist aus der Gemeinschaftsunterkunft in der Grünauer Liliensteinstraße, trainieren seit Herbst letzten Jahres gemeinsam.

Ging es anfangs erst einmal darum, die Kinder für Stunden aus ihrem Alltag zu entführen, Sportveranstaltungen zu besuchen oder kulturelle Angebote zu nutzen, um beispielsweise die Innenstadt, aber auch ihr Grünauer Umfeld besser kennenzulernen, so wollen die jungen engagierten Verantwortlichen vom NETZwerk »blau-gelb« e.V. - Philipp Bludovsky und Peter Schön - inzwischen schon mehr erreichen: »Wir vermitteln den Jungs über den Sport allgemeine Werte wie Pünktlichkeit, Verbindlichkeit, Fair Play, Teamgeist, Verantwortung, Respekt, Toleranz und Leistungsbereitschaft. Dies ist die Basis für die Integration dieser Kinder in die Gesellschaft.«

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Leipzig United F.C.

Inzwischen trainieren sie regelmäßig montags von 16 bis 18 Uhr auf dem Gelände des Kooperationspartners SG Lausen. Vereinsvorsitzender Mike Mähler stellt mit dem Platz, Umkleide, Dusche, Tore, Bälle unentgeltlich das notwendige Trainingsumfeld. Bajo und Jusuf sind die Jüngsten: »Montag ist mein schönster Tag. Mein Freund Bajo und ich sind jetzt immer zusammen.«»Wir sind Stürmer«, drängt mich Bajo aufzuschreiben.

Dass die Jungs von Leipzig United F.C. mit Herzblut bei der Sache sind, hat sich bereits echt gelohnt. In ihren von Financial Friends gesponserten brandneuen Trikots hinterließen sie beim NETZwerk-CUP im Dezember einen guten Eindruck. United-Torjäger Emanuel schoss im Testspiel gegen den SV Lindenau 1848 das Tor der Woche (für Fans auf Heimspiel TV nachzuschauen) und damit gleichzeitig das erste Tor in der Mannschaftsgeschichte.

Beim Sterne-Cup im Januar stellten sie mit Emanuel den besten Spieler des Turniers. Im Februar waren sie beim Blitzturnier in der LE Kicker-Hall in Leipzig-Plagwitz dabei. Und in einem Freundschaftsspiel gegen die E-Jugend von Roter Stern Leipzig holten sie im März ihren ersten Rasensieg (3:2). Beim Sterne-CUP hatten sie noch gegen die D-Vertretung mit 0:5 verloren. »Da sind im Hintergrund viele helfende Hände aktiv«, weiß Peter Schön dankbar zu berichten.

»Das Quartiersmanagement Grünau unterstützt uns, zum Beispiel bei der Ausrüstung der Mannschaft. Das Sporthaus am Ring hat den Jungs Fußballschuhe gestiftet. Die Sparkassen Versicherung Sachsen leistete ebenfalls einen finanziellen Betrag. Die WSB-Werbeagentur hat unentgeltlich ein Wappen entworfen. Der Verein Pandechaion-Herberge e.V., der das Heim in der Liliensteinstraße betreut, ist ein zentraler Partner und wir sind mit der 100. Schule in Grünau in Kontakt und haben das Ziel, unsere Jungs mit den Grünauer Kids der dortigen Fußball-AG zu mischen.«

Genau da setzt der Integrationsgedanke an. »Die Jungs sind selbstbewusster geworden, treten offener auf.« Philipp Bludovsky erkennt bereits, wie sie von Straßenkickern langsam zur Mannschaft wachsen. »Grundlage ist die Sprache. Sie kommunizieren Deutsch beim Training, beim Spielen, haben die notwendigsten Fußballerbegriffe drauf, sind motiviert, achten aufeinander, engagieren sich fürs Team. Bei unserem letzten Spiel wurden wir vom Schiedsrichter für unsere faire Spielweise gelobt.

Das macht uns stolz, da wir merken, es entwickelt sich was.« Wenn die Kids diesen Weg erfolgreich weiter gehen, sollen sie in die umliegenden - bereits interessierten - Vereine integriert werden. »Nach Emanuel, unserem Torjäger, wird bereits geschaut«, freut sich Peter Schön. Und auch andere haben durchaus Potenzial. Ali, der Torwart, zeigt mir seine Handschuhe: »Damit kann ich alles fangen. Ich will richtig gut werden. Und mal Profi.«

Emanuel hat nun schon einen Pokal zu Hause: »Der Fußball hat mein ganzes Leben verändert. Ich will gut sein und übe immer.« Senad ist der Kapitän: »Ich bin stolz, Kapitän zu sein. Der Trainer sagt, ich bin ruhig und besonnen und wirke gut auf die Mannschaft. Man darf sich nicht über alles aufregen. Und nie aufgeben.«

United-Coach Christian Liebing war nach dem Spiel gegen Roter Stern begeistert: »Meine Spieler haben zum Ende hin extrem viel Moral bewiesen und das Spiel nach einem 0:2- Rückstand noch einmal herumgerissen.«

Da sind viele Beteiligte auf einem guten Weg. Aber es werden noch helfende Hände gesucht. »Die Mannschaft muss bald geteilt werden«, erklärt mir Peter Schön. »Wir wollen die Jungs in die üblichen zwei Altersgruppen unterteilen (E- und D-Jugend, Anm. d. Red.).

Die Kleineren haben sonst keine fairen Chancen und die Anzahl der Kinder wird zu hoch. Aber dazu brauchen wir Betreuer, Trainer und fußballbegeisterte Eltern.« Mehr Informationen erhalten Sie unter www.netzwerk-blau-gelb.de oder per E-Mail.

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