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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Die vielen Gesichter der 94. Oberschule

2. Kulturforschertag weckt ungeahntes Potenzial

Was macht unsere Einrichtung aus? Was macht sie besonders? Und wie kann man den Schulalltag verbessern? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am 10. März die Schüler und Lehrer der 94. Oberschule im Rahmen ihres zweiten Kulturforschertages. »Kultur. Forscher!« heißt das bundesweite Projekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, bei dem die Grünauer Einrichtung bereits seit drei Jahren gemeinsam mit ihrem Partner, der Galerie für zeitgenössische Kunst (GfzK), involviert ist.

Im vergangenen Jahr ging es rund ums Thema Wohnen. Diesmal nun um den Ort, in dem die meisten Jungen und Mädchen den größten Teil des Tages verbringen - die eigene Schule. Aufgeteilt in 20 Gruppen, erörterte man Themen wie LRS-Förderung, Pausengestaltung, individuelle Sitzordnungen und dergleichen mehr.

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Kulturforschertag

Dabei war es eher nebensächlich, was am Ende für ein Ergebnis herauskommt, wie Pädagogin Julia Bartsch erklärt: »Letztlich geht es darum, wie gearbeitet wird. Die Kinder und Jugendlichen setzen sich eigenständig mit Problemen auseinander. Sie analysieren den Ist-Zustand und versuchen reelle Lösungen zu finden. Wir Lehrer sind dabei eigentlich nur Begleiter und Berater.«

Aus diesem Procedere hätten sich ganz erstaunliche Begabungen mancher Schüler herauskristallisiert. Kids, die sonst eher abwesend im Unterricht sitzen, zeigten plötzlich gute Koordinierungs- und Organisationsfähigkeiten. Andere überzeugten durch ungeahnte Kreativität.

»Genau das ist ja auch der Ansatz des forschenden, ästhetischen Lernens. Lernen - nicht weil man es muss, sondern weil es einem etwas bringt«, so Bartsch. Die junge Lehrerin weiß das Konzept zu schätzen, selbst wenn es »ein stückweit anstrengend ist«, es konsequent umzusetzen. »Die Schüler sollen begreifen, gewisse Dinge, die sie als unlogisch oder gar ungerecht empfinden nicht einfach hinzunehmen, sondern sie hinterfragen. Das ist natürlich auch unbequem für uns Lehrer.«

Und es verlangt ein hohes Engagement des Kollegiums - oft weit über den normalen Arbeitsalltag hinaus. Das Ergebnis ist es jedoch wert. Die Entwicklung der vergangenen drei Jahre kann sich sehen lassen. So entstand in Kooperation mit dem Projektpartner 2011 die beeindruckende Ausstellung »Kaputt«, die den teilweise katastrophalen Zustand des Schulhauses in der Miltitzer Allee künstlerisch dokumentierte (»Grün-As« berichtete) und durchaus Erfolg zeitigte.

Innovativ auch die Gründung eines eigenen Modelabels. Die »Übel Neiss«-Shirts, die auch über die GfzK vertrieben wurden, sind derart beliebt, dass sie momentan sogar vergriffen sind. Der Erfolg der Marke gibt den Machern Auftrieb - demnächst sollen eine Schülerfirma gegründet und weitere Artikel entworfen werden.

Julia Bartsch ist begeistert: »Das ist natürlich ein tolles Erlebnis für die meisten. Jugendliche, die eben nicht immer die Besten in der Schule sind, merken plötzlich, dass sie was können und dass es sich lohnt, etwas zu tun.«

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