Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Neubau, Umbau, Abriss

WG Lispia mit guten und weniger guten Neuigkeiten

Die gute Nachricht vorweg: Die ersten beiden Gebäude der »Kulkwitzer See-Terassen« in der Zschampertaue sind fristgerecht fertig gestellt und werden seit dem 1. Juli bezogen. Das letzte der drei erwartet ab 1. August seine neuen Mieter.

Alle Verträge seien längst unterschrieben, man hätte doppelt und dreifach vermieten können – so groß sei das Interesse auch bei Grünauer Genossenschaftsmitgliedern gewesen. Und das bei einem Quadratmeterpreis von nahezu zehn Euro.

Kurz bevor die ersten Möbelwagen rollen, war man noch damit beschäftigt, den Außenbereich – sprich Grünanlage, Spiel- sowie Wäscheplatz der schicken Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 48 Appartements herzurichten. Zwischenzeitlich hätte man zwar mit Vandalismusschäden – einige Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen – zu kämpfen gehabt, aber diese seien laut Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Grewatsch schnell ersetzt worden.

Weitaus ärgerlicher findet er den Zustand des Gehweges westlich der Neubauten. Dort präsentiert sich eine wahre Huckelpiste. »Es ist unglaublich«, echauffiert sich Grewatsch. »Wir investieren hier Millionen in dieses Gebiet« und die Stadt ist nicht in der Lage einen einfachen Gehweg zu sanieren.

Nachdem auch das Angebot, den Weg für 30.000 Euro selbst zu erneuern seitens der Behörden abgelehnt worden sei, habe man sich dazu entschlossen, wenigstens die defekten Platten zu ersetzen. »So, wie es jetzt ist, sieht es einfach nicht gut aus.«

Nicht gut sieht es nach Ansicht einiger Bewohner auch im WK 8.3 aus. Dort finden derzeit Sanierungsmaßnahmen an den Objekten Liliensteinstraße 49 bis 55 sowie 81 bis 87 statt. Während die ersterwähnten Eingänge lediglich neue Fenster und Hofeingangstüren erhalten, wird im und am anderen sechsgeschossigen Block intensiver Hand angelegt. Dort steht die Instandsetzung der Fassaden, Loggien, Strangsanierung und die Baderneuerung an.

Was eigentlich ein Grund zur Freude sein sollte, sorgt bei Manchen jedoch für Unmut. Die neue gelbe Farbe sei zu quietschig, für die Strangsanierung durch die Küchenwand müssten Einbauküchen abgebaut werden und überhaupt: Man vermisse den dringend nötigen Anbau von Aufzugsanlagen. Der wiederum hätte laut Wilhelm Grewatsch an jenen Beständen in der Liliensteinstraße nie zur Debatte gestanden.

»Zumindest im Moment nicht. Keiner weiß, was in zehn Jahren ist. Der WK 8.3 hat gute Perspektiven und liegt uns sehr am Herzen. Die Übergänge nach Lausen und in die Siedlung sind ideal.« Nicht umsonst würde man jetzt in den Standort investieren. Aber eine derartige Belastung von Mietumlage und Betriebskosten durch Aufzüge sieht er eher skeptisch. Die Idee einer Mieter-Umfrage zum Thema kommentiert der Lipsia-Chef mit den Worten: »Sie können 1000 Leute fragen und bekommen 1000 verschiedene Antworten. Der Vorstand ist dafür da, gewisse Entscheidungen zu fällen und im Interesse der Genossenschaft zu agieren. Genau das tun wir.«

Die abwartende Haltung dürfte auch mit der derzeit unklaren Entwicklung im »Elbsandsteinviertel« zu tun haben. Der Wegzug vom Caritas-Familienzentrum aus dem Gebäude Liliensteinstraße 1 und die hinter vorgehaltener Hand geäußerte Spekulation über die Unterbringung neuer Flüchtlinge in diesem ehemaligen Kita-Komplex, tangiert das unmittelbare Wohnumfeld allemal. Schon jetzt sei laut Grewatsch die Bereitschaft, neben die bereits bestehende Flüchtlingsunterkunft zu ziehen äußerst gering.

Der Leerstand in dem unsanierten Gebäude sei mit 60 Prozent exorbitant hoch. So wie im Block Liliensteinstraße 3 bis 9, den man im kommenden Jahr eigentlich abreißen wollte. Eigentlich. Denn nun hat die Stadt den Plänen der Lipsia einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, in dem sie einen Abriss-Stopp verhängt hat.

Will heißen: Sie befürwortet derzeit keine weiteren Abbrüche von intaktem Wohnraum und reicht entsprechende Fördergelder des Freistaates nicht weiter. Was wiederum bedeutet, die Lipsia muss ihre Ziele mit Eigenkapital finanzieren. Derzeit hält die Genossenschaft an ihren Abriss-Plänen fest, wie Finanz-Vorstand Dr. Kristina Fleischer betont. Sie ist deutlich irritiert von der kommunalen Maßnahme: »Ich habe zwar Verständnis dafür, dass man mit der explosionsartigen Entwicklung der Stadt vor neue Herausforderungen gestellt wird – auch in Punkto Asylbewerber. Aber man kann doch nicht einfach laufende Prozesse von heut' auf morgen stoppen.

Die Vorbereitungen zum Abbruch in der Liliensteinstraße laufen seit geraumer Zeit – die Mieter sind gekündigt. Das kann man doch jetzt nicht einfach rückgängig machen.« Und wird man auch nicht. Man müsse nun jedoch neu überlegen. Sowohl Finanzierung als auch Zeiträume seien erst einmal unklar. Ende Juni traf man sich mit Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau noch einmal zum Thema. Ein medial verbreitetes Gerücht, die Stadt sieht in den leer gezogenen Blöcken ebenfalls potenzielle Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber, widerspricht Fleischer: »Erstens kann die Stadt nicht über fremdes Eigentum verfügen und zweitens würde die Neuvermietung nach einer abrissbedingten Kündigung klar gegen unser Genossenschaftsrecht verstoßen.« Gleiches gelte im Übrigen auch für die Gebäude in der Uranusstraße, die ebenfalls abgerissen werden sollen.

Zwei gute Nachrichten hinterher: Die zweite Hälfte des Sechsgeschossers Miltitzer Allee 42 wird schon bald so schick wie sein Nachbar - Fassaden werden gedämmt, Aufzüge und Balkone angebaut sowie Bäder und Stränge erneuert. Und einen Ausblick auf 2017 gibt es auch noch: Dann nämlich entsteht gegenüber des KOMM-Hauses in der Brackestraße ein funkelnagelneues Hochhaus mit 60 Wohnungen auf 14 Etagen, in denen vor allem ältere Leute ein neues Zuhause finden sollen. Der Bauantrag ist gestellt. Mehr dazu erfahren Sie in einer unserer nächsten Ausgaben.

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