Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

20 Jahre Netzwerk älterer Frauen

Eine beeindruckende Bilanz - Teil 1

Am 24. August 1995 gründeten wir das Netzwerk älterer Frauen Sachsen (e.V.). Ein Grund war, für die Region von Meyersdorf auch einen Verein zu haben, der sich um die soziale Betreuung der älteren Menschen kümmern sollte. Gleich nach der Wende war der Verband Altenkultur in Köln gegründet worden und es war die erklärte Absicht der Leipziger Geschäftsstelle, in einem Haus viele Vereine anzusiedeln.

INFO:
Am Samstag, dem 29. August feiert das Netzwerk seinen 20. Geburtstag. Der festliche Auftakt erfolgt 14 im Galeriecafé der Vereinsräume im Geburtshaus Hermann-Meyer-Straße 38. Besucher sind herzlich zu viel Musik, Kaffee und Kuchen eingeladen. Ab 17 Uhr wird im Grünen gegrillt.

Ich ließ mich von diesen Vorstandsfrauen und auch von Roswitha Scholz, der Leiterin der Leipziger Geschäftsstelle des Verbands Altenkultur, überzeugen und so kam es zur Netzwerk-Gründung. In der Herrmann-Meyer-Straße 38. Das ist also unser Geburtshaus. Als erstes galt es, die Leipziger Ämter von der Notwendigkeit unserer Existenz zu überzeugen. Die Frauenbeauftragte der Stadt fand zwar, dass wir mit einem Eintrittsalter von 45 Jahren ganz schön alt seien, aber dann meinte sie, es gäbe ja in der Tat viele ältere Frauen in Leipzig, für die das interessant sein könnte.

Das Sozialamt bekräftigte unser Vorhaben, vor allen Dingen ältere Menschen zu betreuen, um sie aus der Isolation herauszuholen. Im Kulturamt hörte ich allerdings: Mit dem Namen werden Sie bei uns nie eine Chance auf eine Förderung haben, es sei denn, Sie spielen Theater. Schon auf der Rückfahrt nach Meyersdorf war mir klar: Wir werden Theater spielen. Und der Gedanke fand ein begeistertes Echo. Wir erarbeiteten als eines der ersten Vorhaben ein Theaterprojekt. Wir wollten Erinnerungstheater machen. Erfreulicherweise konnten wir Küf Kaufmann als Regisseur gewinnen, der in St. Petersburg in diesem Beruf gearbeitet hatte und über umfangreiche Erfahrungen verfügte.

»Weiberlust und Weiberfrust« hieß unser Theaterprojekt, das wir dann auf die Bühne brachten und mit dem wir Leipzig und Umgebung unsicher machten. Natürlich hatten wir es leicht, zuallererst die Herzen unserer Netzwerkfrauen zu gewinnen. Thea K. erzählte mir, dass sie sich vier Aufführungen von uns angesehen habe. Wir spielten beim Seniorenfestspiel des Freistaates Sachsen, im Haus Steinstraße und erhielten auch eine Ein ladung, zur Museumsnacht im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig aufzutreten. Auftritte folgten in der »Völkerfreundschaft«, im KOMM-Haus, im Alten- und Pflegeheim der AWO.

Aber auch auf sozialer Strecke konnten wir uns entfalten. Unser Angebot, älteren Menschen behilflich zu sein, die nicht mehr allein ihre Wohnung verlassen konnten, fand bald ein großes Echo. Damit bot sich auch vielen älteren Frauen die Chance, noch einmal eine Tätigkeit zu erhalten, wenn auch nur als ABM. Wir haben Begleitdienste zu Ärzten und Ämtern organisiert, Hausbesuche und Gespräche standen auf unserem Programm. Wir haben geholfen, wenn der Weg ins Heim notwendig wurde. Viele ältere Frauen haben in den 20 Jahren unserer Existenz wieder eine dankbare Aufgabe für eine sinnvolle Betätigung gefunden. Dann aber hatte das Arbeitsamt keine Möglichkeit mehr zur Förderung solcher Stellen gesehen. Wir mussten neue Wege gehen.

Alle Arbeit verlagerte sich auf die ehrenamtliche Tätigkeit. Einige Frauen, die mit ABM bei uns gestartet waren, sind bis heute noch in irgendeiner Form bei uns ehrenamtlich tätig und es sind etliche Netzwerkfrauen, die gern diesen Weg der Ehrenamtlichkeit beschritten haben.

Als Frauenverein waren uns natürlich Projekte von und mit Frauen wichtig. Fast von der ersten Stunde an führen wir die Porträtreihe »Frauen aus unserer Mitte« durch. Einmal monatlich stellen wir eine Leipziger Frauenpersönlichkeit vor, die Auskunft gibt über den Lebensweg und die Familie, vor allem aber über die berufliche Entwicklung nach der Wende. Wir hatten nämlich als Defizit in der Nachwendezeit festgestellt, dass viele ältere Frauen plötzlich aus ihrem Erwerbsleben ausgeschieden waren und keine Möglichkeit mehr sahen, sich irgendwie einzubringen. Unsere Vorstellungsrunden sollen vor allem motivieren, sich nicht aufzugeben.

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