Editorial
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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

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Scherben bringen Glück?

Liebe Leserinnen und Leser, vielleicht kennen Sie ja folgende Situation: Sie gondeln schön gemütlich mit dem Fahrrad durch die Gegend und auf einmal wird der Reifen weicher und weicher bis Sie schlussendlich auf der Felge fahren.

Ein Platten hat schon so manches Zweirad-Vergnügen jäh beendet. Mir ging das in den letzten Wochen und Monaten häufig genau so, was zwar, nebenbei bemerkt, dazu geführt hat, dass ich mittlerweile meisterhaft Schläuche reparieren kann. Aber ärgerlich ist es trotzdem. Neulich da hat es mich – trotz Investition in angeblich unplattbare Marathon-Reifen – wieder erwischt. Mitten im Neuseenland, fernab jeglicher Zivilisation, sah ich mich zu einer unfreiwilligen Mega-Wanderung gezwungen. Und ich konnte nicht einmal auf Jemanden sauer sein, was meinen Frustabbau deutlich verlangsamte.

Diesmal muss wohl ein doofer Stein – der Ursachenforschung hab ich mich dank eines passablen Ersatz-Gefährtes noch nicht gewidmet – für den Plattfuß gesorgt haben. Das unterscheidet dieses Pannenereignis von den vielen anderen in der Stadt. Denn auf Leipzigs Straßen, Fuß- und vor allem Radwegen sind eher Glasscherben die Übeltäter. Aber was rede, beziehungsweise schreib ich hier?

Natürlich kann man keiner Flasche einen Vorwurf machen, sinnloserweise auf den Asphalt geschleudert worden zu sein. Vielmehr sollte er jenen gelten, die sich zuvor aus ihr gelabt haben. Dabei scheint es tatsächlich so zu sein, dass es Leute gibt, die nicht aus akut auftretender Handschwäche ihr Glas-Gefäß aus Versehen fallen lassen. Oft geschieht das mit voller Absicht und in klammheimlicher Vorfreude darauf, dass der nächste Radler, Hund oder das barfüßige Kind, sich durch den Scherbenhaufen begibt.

Besonders fällt mir das auf meinem täglichen Weg nach Grünau am Karl- Heine-Kanal auf. Dort liegen solche Haufen vorzugsweise an den Brücken. Allerdings gerne auch dort, wo sich am Abend viele Menschen treffen, um an diesem idyllischen Gewässer trinkend und schwatzend die Seele baumeln zu lassen. Von Idylle kann am nächsten Morgen jedoch kaum die Rede sein. Wenn dort nicht beinah täglich die Mitarbeiter der Stadtreinigung die spärlich vorhandenen Abfallbehälter leeren und durchkehren würden, sähe es sehr schnell sehr schlimm aus und keiner hätte mehr Lust, sich dort zu treffen.

Doch zurück zum Thema: Was also tun gegen die fiese Glas-Falle, die das Radfahren mancherorts zum Slalom-Akt werden lässt? Man könnte es so handhaben, wie ein sehr aufmerksamer und menschenfreundlicher Bekannter von mir. Er hat stets Kehrschaufel und -besen auf dem Gepäckträger dabei und entfernt sorgsam ihm auffallende Scherben von Radwegen. Sehr löblich. Aber weder habe ich einen Gepäckträger noch so viel Zeit, so viele Ärgernisse zu beseitigen.

Unplattbare Reifen kaufen? Habe ich getan und bin nur mäßig überzeugt. Auf der Suche im Netz bin ich auch nicht fündig geworden, sondern habe eigentlich nur festgestellt, dass ich mit meinem Problem nicht allein bin. Allerdings bin ich bei meiner Recherche über die Stadt Potsdam gestolpert. Die hat dem Glasbruch den Kampf angesagt und ein »Scherbentelefon« eingerichtet. Das wünsche ich mir von Leipzig auch. Und Ihnen eine plattenfreie Fahrt durch den Sommer.

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