Grün-As

Zwischen farbenfrohen Blumenbeeten und meterhohem Unkraut…

… zwischen Abwarten und Eigeninitiative, zwischen Abriß und Neubau, zwischen nackter Fassade und selbst gestalteter Außenwand… - das waren so die Gegenpole beim Stadtteilrundgang des Oberbürgermeisters, Herrn Tiefensee, am 7. September durch Grünau.

Bei herrlichem Spätsommerwetter versammelten sich in der Garskestraße in Schönau Vertreter der Bürgergruppe Schönau und des KOMM e.V., Frau Müller vom Büro des OBM und Frau Kirmes vom Referat Presse und Öffentlichkeitsarbeit sowie Herr Gerkens vom Amt für Stadtsanierung und Wohnungsbauförderung, um gemeinsam mit dem OBM auf Tour zu gehen - leider ohne Pressevertreter, die zwar eingeladen waren, aber wohl alle wichtigere Dinge an diesem Nachmittag zu tun hatten. Schade eigentlich, denn an diesem Rundgang war so einiges neu:

Nicht die Mitarbeiter einzelner Ämter informierten den OBM zu vorgegebenen Fragestellungen, sondern die Grünauerinnen und Grünauer legten selbst die Probleme dar bzw. wiesen auf erfolgreiche Entwicklungen hin, was vielleicht, nicht immer der Sichtweise der Stadtverwaltung entsprach. Der erste Schwerpunkt des Rundgangs war der nun städtische Schönauer Park. Hier wurde angeregt, zu überprüfen, ob der Bau stationärer Strom- und Wasseranschlüsse möglich ist - als förderliche Voraussetzung für zukünftige Veranstaltungen im Park.

Weitere Entwicklungen hängen dann unter anderem von der erwogenen Bewerbung der Stadt als IGA-Standort im Jahre 2013 ab. Schandflecke in Schönau sind die teilweise abgebrannten Baracken, deren Abriss nach Auskunft von Herrn Gerkens jedoch noch in diesem Jahr erfolgen soll, sowie die ehemalige Gaststätte »Schwalbennest«, die der Konsum gern - so wie sie ist - vermieten oder verkaufen möchte.

Allerdings würde der derzeitige Zustand erst einmal gewaltige Summen erfordern, um das Gebäude nutzbar zu machen. Für das leer stehende frühere Bauarbeiterhotel (später Hotel Schönau) wird seitens der LWB ein Abriss in Erwägung gezogen. In der 89. Mittelschule in Schönau nutzten die Lehrer, Schüler und Elternvertreter die Gelegenheit, um Herrn Tiefensee ein Jahrbuch der Schule zu überreichen und noch einmal über die Argumente für und gegen die bevorstehende Schließung zu diskutieren.

Seitens der Verfechter des Schulerhalts sollte jedoch unbedingt das Gespräch mit der 83. Schule gesucht werden, damit nicht nur einseitige Argumente und Betrachtungen ins Feld geführt werden. Besonders ins Auge fielen hier in Schönau - wie auch auf dem Weg durch den WK 8 - die herrlich farbenfroh gestalteten Blumenrabatten. Auch so etwas sollte man bewusst wahrnehmen, denn hier wurden natürliche gärtnerische Kunstwerke geschaffen.

Vorbei am Wohnblock Ludwigsburger Straße 30 (die problematische Wohnlage dokumentiert sich auch nach außen hin), durch den »Bypass« des Allee-Centers, über die S-Bahn-Brücke (Warum heißt die Haltestelle eigentlich nicht Allee-Center, da es doch eines der wichtigsten innerstädtischen Zentren darstellt?) ging es zum Stadtteilladen dessen Lage, Rolle und Funktion recht unterschiedlich bewertet wird, was sich möglicherweise im Zuge der Umgestaltung der Stuttgarter Allee ändern könnte. Aber bürgerfreundliche Öffnungszeiten - was immer man darunter auch verstehen mag - reichen allein kaum aus, um anziehende Wirkung auf »Laufkundschaft« auszuüben.

Herr Tiefensee war zwar schon häufig Gast in der »Völle«, aber das unattraktive äußere Erscheinungsbild hat er bisher nicht bewußt wahrgenommen. (Junge Besucher Grünaus vermuteten neulich bei einem Rundgang das Funktionsgebäude der Schwimmhalle in diesem Betonklotz.) Da wurden Millionen für den Umbau investiert, aber für Farbe, Pflanzen und Gestaltungselemente entsprechend der Funktion hat es dann wohl nicht mehr gereicht. Oder was waren das nur für Planer und Architekten?

Auffällig sind in der Stuttgarter Allee die vielen leeren Ladengeschäfte - unter heutigen Bedingungen zu groß angelegt. Hier ist vor allem die Initiative des Eigentümers gefragt, zusammen mit den Umgestaltungsmaßnahmen durch das ASW. Die neue Schwimmhalle, die nach der Eröffnung durch vielfältige Mängel Probleme hatte, nimmt mittlerweile einen festen Platz bei den Freizeitaktivitäten der Grünauer ein, und was besonders wichtig erscheint, sie erspart den Schulkindern kilometerweite Fahrten zum Schwimmunterricht.

Die gute öffentliche Verkehrsanbindung Grünaus konnten dann alle Rundgangteilnehmer praktisch erfahren, da von der Haltestelle Stuttgarter Allee drei Stationen mit der Straßenbahn zurückgelegt wurden. Im WK 8.3 - Fördergebiet seit 1993, wo viele Maßnahmen zur Wohnumfeldgestaltung umgesetzt wurden, und Preisträger beim Wettbewerb um den Spielraum-Preis des Deutschen Kinderhilfswerkes - wurde der OBM von engagierten Bürgern begleitet, die sich für ihr Wohngebiet einsetzen und z.B. eine Fragebogenaktion im Auftrag des Amtes für Wohnungswesen kritisch hinterfragten.
Kritisiert wurde von den Anwohnern der verwahrloste Zustand zahlreicher Grünstreifen in städtischem Eigentum, was dem ansonsten gepflegten Gesamteindruck des Gebietes entgegensieht.

Im Jugendclub Olympic nutzte Herr Tiefensee die Gelegenheit, um mit den Jugendlichen dort ins Gespräch zu kommen und sich neben den Aktivitäten im und um den Klub herum (von den Jugendlichen selbst gestaltete Außenwände und -anlage) auch über persönliche Befindlichkeiten der jungen Leute zu unterhaken. Weiter ging es dann entlang der eingerüsteten Wohnblöcke eines Zwischenerwerbers, wo derzeit wegen Zahlungsschwierigkeiten Bau-Stopp herrscht, vorbei am »großes Platz«, dessen Umgestaltungsentwurf bereits öffentlich diskutiert wurde und der oberhalb einer Tiefgarage realisiert werden soll im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Alten Salzstraße.

Diese präsentierte sich auch beim Rundgang als Parkplatz und Straße, obwohl als Rad-/Fußweg ausgewiesen. In der Ladenstraße Selliner/ Brackestraße konnte sich der OBM davon überzeugen, wie Dank der Privatinitiative von Herrn Neitemeier (bären-Apotheke) durch den Umbau großer Läden zu kleineren ein gut funktionierendes Geschäftsleben erhalten und ausgebaut werden kann. Sein nächstes Projekt im Jahr 2000 ist der Neubau des KOMM-Hauses, das auch künftig seine Funktion als soziokulturelles Zentrum Grünaus erfüllen wird. Im großen Saal des Hauses, der von KOMM-Haus-Akteuren mit eigenen Arbeiten - Klöppelarbeiten, Getöpfertes, Handpuppen - ausgestattet wurde, fand dann der Stadtteilrundgang sein Ende, indem die Bürger die Möglichkeit für Fragen und Meinungsäußerungen hatten, die auch ausgiebig genutzt wurde, begrenzt durch den nachfolgenden Termin des Stadtoberhauptes.

Der Rundgang insgesamt war zwar kein gemütlicher Spaziergang - der Zeitdruck war ziemlich groß, und das Lauftempo riss die Gruppe zum Schluss ganz schön auseinander -, aber das Themenspektrum war interessant, bot Positives und Negatives. Die Abschlussdiskussion im gut gefüllten Saal des KOMM-Hauses bestätigte noch einmal die richtige Auswahl der Schwerpunkte.

Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an alle Grünauerinnen und Grünauer, die an der Vorbereitung beteiligt oder vor Ort anwesend waren, um den OBM zu informieren bzw. die eigenen Sichtweisen und Erfahrungen darzulegen. Hervorragend funktioniert hat auch die Zusammenarbeit mit Frau lsolde Müller vom Büro des OBM, was zu einem gelungenen Nachmittag beitrug.

Der Vorstand KOMM e.V.
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