Grün-As

In unserer neuen Serie Ausflugsziele stellen wir Ihnen interessante Orte vor, die einen Besuch lohnenswert sind, nicht allzu weit entfernt liegen und die man auch gut mit Bus oder Bahn erreichen kann. Schreiben Sie unserer Redaktion Ihre Ausflugserlebnisse und -eindrücke. Wir werden diese dann in unseren laufenden Folgen mit veröffentlichen.

Fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?

Egal, ob mit dem Zug (Bahnhof Radebeul West) oder mit dem Auto - Kötzschenbroda ist wirklich eine Reise wert. In diesem eingemeindeten Ortsteil von Radebeul habe ich in diesem Jahr die letzten beiden Tage des Jahres 2001 gemeinsam mit Freunden verbracht. Einige von ihnen waren bereits im Sommer dort und so begeistert, dass sie in der »Alten Unke« gleich Plätze für Silvester bestellt haben. Doch wer kennt schon Kötzschenbroda? Erinnern Sie sich, Lutz Jahoda sang ja mal das Lied »Verzeih’n Sie mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?« (die gleiche Melodie hat Udo Lindenbergs »Sonderzug nach Pankow«).

Heute ist Altkötzschenbroda eine wohl für Sachsen und darüber hinaus einmalige ländliche Siedlungsanlage. Aus den ehemals verfallenen Gebäuden mit bröckelndem Putz und zerschlagenen Scheiben um den Dorfanger herum entstanden seit 1995 sehr schöne Häuser in kräftigen Farben - in Rot-, Gelb- und Blautönen, die den Eindruck von Erdverbundenheit vermitteln, Wohn- und Gewerbehöfe, kleine Läden und viele Gaststätten, die übrigens am Abend alle gerammelt voll waren, wie »Schwarze Seele«, »Stumpfs Hof«, »Weiberwirtschaft«, »Storch Café« (wo’s frisch gemahlenen, gebrühten Kaffee gibt), »die Schmiede« (ein historischer Dreiseithof), »Glühwürmchen« (wo wir den letzten Tiroler Obstler des Jahres 2001 austranken, bevor 2002 wieder Nachschub eintrifft). Stahlbeton- Neubauten fügen sich harmonisch in das Bild des Angers ein. Bei einigen Gebäuden ist die Sanierung noch im Gange. Die silberglänzende wellenartige Brunnenkonstruktion vor dem »Goldenen Anker« (der eine gediegene, an die Historie angelehnte Innenarchitektur aufweist) wirkt zwar im Winter etwas futuristisch, ist aber im Sommer vielleicht sehr reizvoll.

Bild Man muss sich den Ort ja nicht gerade zum Weinfest im September mit zigtausend anderen Leuten ansehen, sondern mal in Ruhe und am besten zu einer Zeit, wenn man draußen sitzen kann, denn auch die ornamentale Pflasterung sei sehenswert (wir stapften ja nur durch den Schnee). In der Nähe gibt es auch gute und preisgünstige Übernachtungsmöglichkeiten (wir wohnten zufrieden bei Brigitte Oehmichen - mit Blick auf die hoch gelegene, hellerleuchtete Behausung von Familie Biedenkopf). Von diesen Standort aus kann man natürlich vieles unternehmen. Neben einem Einkaufsbummel, um unsere letzten D-Mark auszugeben, besuchten wir die Puppentheatersammlung, kehrten auf dem Rückweg in die Vinothek von Schloss Wackerbarth ein, um sächsischen Wein zu verkosten, fuhren mit der dampflokbetriebenen Traditionsbahn von Radebeul Ost durch die herrlich verschneite Landschaft nach Moritzburg zum Mittagessen und wieder zurück, spazierten an der Elbe entlang.

Und wir waren uns einig, dass das nicht unsere letzte Begegnung mit Kötzschenbroda war. Daher empfehlen wir auch Ihnen einen Besuch dieses sehenswerten Ortsteils. Hier wurde wirklich enorme Arbeit geleistet und ein attraktiver Anziehungspunkt für viele Gäste geschaffen. Angestoßen auf das neue Jahr haben wir dann natürlich mit dem Sekt »Schloss Wackerbart«.
Evelin Müller

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