Grün-As

Gefahren für schlafende Igel

Unbedachte Grünflächenpflege und Fehler beim Abrennen der Osterfeuer gefährden Igel

Igel gehören gemäß Bundesnaturschutzgesetz zu den ganzjährig geschützten Wildtieren. Sie halten in Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen von Ende November bis Anfang Mai Winterschlaf. Mit stark reduzierter Atemfrequenz und einer Körpertemperatur von nur 5° C liegen die stacheligen Gesellen gut versteckt in ihrem geschützten Nest in einem tiefen Schlaf. Dort nehmen sie Lärm oder andere Geräusche der motorisierten Grünflächenpflege nicht wahr. Die Nester werden wind- und wettergeschützt oberirdisch, jedoch erdbodennah gebaut unter dichten Büschen und Hecken sowie großflächigen Koniferen und sonstigen Bodendeckern. Oft befinden sie sich auch gebäudenah, also in den so genannten »Vorbeeten«.

Bei den in den Wintermonaten erfolgenden Pflegemaßnahmen von Grünflächen mit oftmals radikalem Gehölzrückschnitt bis auf wenige Zentimeter sind die Nester und die darin schlafenden Igel stark bedroht, da eine vorherige Kontrolle auf möglicherweise vorhandene und bewohnte Schlafstätten des nützlichen Kleinsäugers nicht erfolgt.

Aus unseren Erfahrungen im Praxisbetrieb des Igelschutzzentrums wissen wir um die Schwere der dabei entstehenden Verletzungen der schlafenden Tiere. Mitunter sind sie tödlich, oftmals aber »überleben« die Igel erst einmal das Geschehene. Werden sie glücklicherweise gefunden bleibt nicht selten nur noch die Euthanasie durch einen Veterinär, um die Qualen des Tieres zu beenden. Das Thema Igelschutz im Winter ist nicht zu unterschätzen und sollte unbedingt bei der zweifelsfrei erforderlichen Grünflächenpflege durch Firmen und Privatpersonen Beachtung finden.

Wärmende Sonnenstrahlen in der zweiten Märzhälfte können Igel, deren Winterspeck aufgezehrt ist, vorzeitig wecken. Auf der verzweifelten Suche nach ungenügend vorhandenem Insektenfutter streifen sie umher und nutzen jeden möglichen Unterschlupf für ihren Tagschlaf. Auch vorzeitig aufgehäufeltes Brennmaterial für die allseits beliebten Osterfeuer wird als Schlafstätte genutzt. Selbst wenn das Brennmaterial nur wenige Tage vor dem Abbrennen zusammengetragen wird, haben sich dort inzwischen schon wieder Vögel eingenistet und insbesondere nachtaktive Kleinsäuger, wie Igel, ihre Tagschlafnester eingerichtet. Sie werden dann vom Feuer überrascht und können nicht mehr flüchten. Igel laufen nicht davon, wenn es knistert und stinkt. Sie rollen sich zur Kugel zusammen und warten ab. Das bedeutet, dass sie in den Flammen von uns unbemerkt einen qualvollen Tod finden. Der Feuertod ist leicht vermeidbar, wenn der Reisighaufen vor dem Anzünden vorsichtig umgesetzt wird. Noch besser ist allerdings die Variante, das zu verbrennende Material erst am Tage des Anzündens aufzustapeln.

NABU Igelschutzzentrum Leipzig
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