Grün-As

Grünau braucht neue Wohnformen

Kommentiert von Klaudia Naceur

Zwischen den Zeilen (siehe vorherige Online-Ausgabe) kann man es herauslesen: Auf der frei werdenden Fläche im herrlich zwischen Schönauer Lachen, Schönauer Park und Schönauer Viertel gelegenen hinteren Teil des WK 5.1 können sich sowohl Eigentümer als auch Stadt durchaus Stadtvillen und Einfamilienhäuschen vorstellen.

Von einem Areal mit Potenzial für die kommenden Jahre ist da die Rede oder von Übergängen zum Schönauer Viertel mit eindeutigem Siedlungscharakter. Ein deutliches »Ja« zu neuen Wohnformen wollen sich die Verantwortlichen jedoch noch nicht entlocken lassen. Und das hat seine Gründe. War doch während der schlimmsten Phase des Stadtumbaus in Grünau Anfang der 2000er Jahre, ein immer wiederkehrender Vorwurf, man wolle vor allem die schönen Quartiere im Stadtteil quasi von der Platte befreien, um dort besser verdienende »Häuslebauer« anzusiedeln.

Zugegeben: Bei manchen Maßnahmen hätte man solchen Verschwörungstheorien durchaus anheim fallen können. Doch ganz nüchtern betrachtet, würde wohl kein kommerziell orientiertes Unternehmen, ein großes, voll belegtes Haus mit vielen zahlenden Mietern gegen ein kleines mit nur einer Familie eintauschen.

Die Krux ist wohl am ehesten im gegenseitigen Unverständnis zu suchen: Nicht-Grünauer können sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die ohne finanzielle Zwänge gern in der Platte leben. Freunde der Systembauweise wiederum verstehen nicht, wieso ihr Stadtteil schrumpft, obwohl er doch so schön ist und andere Viertel Leipzigs aus allen Nähten platzen.

Dass ein Neben- und Miteinander verschiedener Lebens- und Wohnideen in unmittelbarer Nachbarschaft bestens funktioniert, beweist das florierende Schönauer Viertel, wo sich seit einigen Jahren die Hände ringend herbeigesehnten Familien ansiedeln, für Nachwuchs, Kaufkraft sowie neuen Schwung sorgen und nicht zuletzt damit die Existenz Grünaus in seiner bisherigen Dimension sichern.

Wer den Stadtteil erhalten und nach vorn bringen möchte, darf sich daher nicht auf die Hinterbeine stellen und nur Kritik an etwaigen Zukunftsphantasien üben. Grünau braucht neue Wohnformen, die es im Zusammenspiel mit sanierten Altbeständen, einer hervorragenden Infrastruktur und einem Maximum an öffentlichem Grün für Neuzuzügler attraktiv erscheinen lassen.

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