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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

B-Plan Kulki auf der Zielgeraden?

Das Ende einer unendlichen Geschichte ist in Sicht

Am 8. Oktober endet das Beteiligungsverfahren in Sachen B-Plan 232 Erholungsgebiet Kulkwitzer See und um es gleich vorweg zu nehmen: Gravierende Kritikpunkte an dem neu erarbeiteten Papier gibt es nicht mehr. Sie waren auch nicht bei der Veranstaltung am 24. September im Stadtteilladen zu vernehmen. Zu dieser hatte die Stadtverwaltung, der Zweckverband des Sees sowie die IG Kulkwitzer See geladen, um etwaige Unstimmigkeiten im direkten Austausch auszuräumen und noch offene Fragen zu klären.

Stadtplaner Heinrich Neu, zuständiger Sachgebietsleiter für den Leipziger Westen und bestens mit der Materie vertraut, spricht an jenem Abend ein offenes Geheimnis aus: »Der B-Plan ist ein Unikum«. Es sei der Plan mit der längsten Entstehungsgeschichte und das hat seine Gründe. Selbstkritisch kommen diese auch noch einmal zur Sprache. Zu sehr hätte man einst auf den Tourismus von Außen gesetzt und zu wenig die Naherholungssuchenden im Blick gehabt. Das hätte man nun korrigiert. So habe man beispielsweise komplett auf das ehemalige Sondergebiet 11 verzichtet. Eines von vielen Zugeständnissen an die 10.000 Unterzeichner der Petition gegen den B-Plan im Jahre 2009.

Der B-Plan liegt noch bis zum 8. Oktober im Stadtteilladen und im KOMM-Haus sowie im Rathaus aus. Bis dahin können auch noch Stellungnahmen mündlich oder schriftlich abgegeben werden. Für Fragen oder Anregungen steht Stadtplaner Heinrich Neu als Ansprechpartner unter folgenden Kontakten zur Verfügung: Tel.: 123 4852, Fax.: 123 4918, heinrich.neu@leipzig.de.

Und trotzdem zu wenig für den Geschmack des Ökolöwen, der derzeit eine Stellungnahme zum aktuellen Plan formuliert. Er sieht in den möglichen neuen Gebieten für Campingplätze und Ferienhäuser einen Verlust an öffentlichen Erholungsflächen und eine Beeinträchtigung der Erholungssuchenden durch vermehrte Lärm- und Schadstoffbelastungen sowie Müll.

Des Weiteren verweist der Ökolöwe auf die Gefahr für streng geschützte Arten wie Brachpieper oder Zauneidechse, deren Lebensräume durch etwaige Maßnahmen zerstört würden. Und nicht zuletzt befürchten die Umweltaktivisten eine Verschlechterung der Wasserqualität und berufen sich dabei auf ein Papier des Boden- und Grundwasserlabors in Dresden, das 2010 für den See eine Eindrittelnutzung der Uferbereiche durch den Menschen empfahl.

Der derzeitige Plan sehe dagegen deutlich mehr vor - allein auf der Ostseite des Kulki. Vom West- und Südufer ganz zu schweigen. (weitere Infos auf www.oekoloewe.de) Letzteres dürfte auch der eigentliche Knackpunkt sein: Wie viel Mensch möchte man im zweifelsfrei schönsten Naherholungsgebiet Leipzigs haben und noch wichtiger: Wie viel Mensch verträgt es.

Dass sich beides nicht immer bedingt, wird am Beispiel der Fördermittelpolitik von Bund und Freistaat deutlich. »Die Richtlinien besagen, dass lediglich Tourismus gefördert wird. Keine Gelder für Naherholung«, erläutert San Gie Ong, Justiziar vom Leipziger Umweltamt und begründet damit den einstigen Ansatz, den Tourismus am See zu forcieren.

Die klamme Kommune würde demnach zwar schon gern am Kulki investieren, beispielsweise Flächen entsiegeln oder Wege anlegen, könne es sich aber schlichtweg nicht leisten. Sprich: Der See muss Geld erwirtschaften, um dauerhaft attraktiv zu bleiben. Diesen Umstand scheint nun auch der Großteil der Kritiker zu akzeptieren. Beruhigen konnten Zweckverbandsvorsitzende und Leiterin des Amtes für Umweltschutz Angelika von Fritzsch auch die Bewohner der Bungalow-Siedlung auf Lausener Flur. Keiner wolle sie von ihrer Stelle vertreiben. Auslaufende Verträge würden anstandslos verlängert.

Aufatmen können auch Klinkenwirt Mike Seiffert, Delphin-Vorstand Petra Pfrepper und Bootsverleiher Peter Nevermann. Ihre Gebäude haben verbrieften Bestandsschutz, auch wenn man sie auf dem Plan vergeblich sucht. In punkto mögliches Hotel auf dem Gelände nördlich der Schiffsgaststätte gab es ebenso vorsichtige Entwarnung: Dies hätte allenfalls den Charakter einer Pension und aus heutiger Sicht sehe man keinen Interessenten für eine solche Investition.

Alles in allem gelte ohnehin: Vieles von dem, was mit Verabschiedung des B-Planes möglich sei, müsse nicht zwangsläufig umgesetzt werden. Diese so genannte Angebotsplanung gelte für zirka 30 Jahre und man habe versucht, allen Eventualitäten, die eine solch lange Zeitspanne mit sich brächten, vorzugreifen.

Wie geht es nun weiter? Nach Ablauf des Auslegungszeitraumes, werden zunächst die verschiedenen Stellungnahmen und eventuellen Einsprüche geprüft und gegebenenfalls eingearbeitet und der Plan im Anschluss ins weitere Verfahren eingebracht. Nächste Stationen seien demnach die OBM-Dienstberatung, der Stadtbezirksbeirat sowie der Stadtrat.

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