Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Fritz Hundt hat keine Zeit für Ruhestand

Seine Hobbys halten den interessierten Grünauer geistig frisch

Den kleinen Hofgarten im Frankenheimer Weg kennen Sie sicher, liebe Leser. Und Sie haben sich auch bestimmt schon das ein oder andere Mal gefreut, dass dort jemand mit Fleiß und Liebe tätig ist. Da hängen handgearbeitete Vogelhäuschen. Sind Sitzplätze hergerichtet. Blumentöpfe und Pflanzbeete kunstvoll arrangiert.

Dass dahinter einer steckt, der über dreißig Jahre Mathe und Physik gepaukt hat, erschließt sich einem nun sicher nicht auf den ersten Blick. »Meine Frau hat den grünen Daumen. Ich bin eher für das Handwerkliche zuständig«, erklärt Fritz Hundt. Als der 73-Jährige vor zehn Jahren in Rente ging, hatte er sich vorgenommen, keinen seiner künftigen Rentnerabende vor dem Fernseher zu verbringen.

Und dafür hat er auch gar keine Zeit. Schon während seiner Lehrertätigkeit an der Kinder- und Jugendsportschule begann er, eine Dauerausstellung aufzubauen. Er hat im Untergeschoss des heutigen Leipziger Sportgymnasiums alles zusammengetragen, was in Sachen Leipziger Sport zu bekommen ist - Fotos, Zeitungsartikel, Biografien. Siegerurkunden, Medaillen, Sportpokale. Autogramme, Reiseunterlagen, Trainingspläne. »Viele von denen, die vor mir auf der Schulbank gesessen haben, sind mit ihren guten Leistungen inzwischen in der ganzen Welt bekannt«, freut sich Fritz Hundt. Bescheiden und still. Aber sichtlich stolz.

Bild
Fritz Hundt

Immer ist er am Ball, wenn »seine« Sportler Schlagzeilen liefern. Liest, sammelt, kopiert. Bereitet das Gefundene anschaulich auf. Schneidet und klebt. Ganz Lehrer eben. Auch äußerlich. Seine Liebe für Pollunder ist so ganz nebenbei auf reichlich Fotos durch die Jahrzehnte dokumentiert...

Der Mann kennt Fakten. Und Anekdoten. Hat das Aufbereitete gedanklich präsent. Kann aufs Stichwort in seiner kleinen Ausstellung drei Reihen vor und zwei wieder zurückgehen, ohne den ursprünglichen Gesprächsfaden zu verlieren. Und das alles ohne Handy. Und ohne Internet. Er liest. Und er interessiert sich. Gerade hat er mit vielen anderen Bewohnern den Abriss und Umbau im Frankenheimer Weg mit- / durch- / überlebt. Ist mit seiner Ingrid und den Katzen nochmal umgezogen. Hat die Arbeiten - wen wundert's - akribisch in Foto und Text festgehalten und anschaulich aufbereitet.

Jeden Handwerker nach Namen, Herkunft und Befindlichkeit befragt. Die Chronologie der Ereignisse festgehalten. Bis zum 31. Juli 2013, als die letzte Platte fiel. Die Bildtafeln, die Fritz Hundt als Zeitzeugnis erarbeitet hat, zeigte er später »on air« in seinem kleinen Hausgarten. Viele Grünauer sahen sich am Wahlsonntag im September Fritz Hundts Dokumentation über Abriss und Umbau im Frankenheimer Weg an. Auch sie sind im Foto dokumentiert und selbst nun schon wieder Bestandteil der Sammlung. Selbst das Bauschild blieb von seiner Sammelleidenschaft nicht verschont. Fritz Hundt hat es dem Bauleiter abgeschwatzt und es hängt jetzt mitten im neuen Gemeinschaftsraum.

In den Kellerräumen des Frankenheimer Weg 28. Dort, wo die Bauleitung ihr Büro hatte. Fritz Hundt hat ihn hell und freundlich hergerichtet und zur Einweihung am 16. Januar diesen Jahres kamen über 40 Gäste. Wenn's mal nicht so sehr menscheln soll, zieht er sich auch gern mal zurück. In die Stille seines Gartens. In die Ruhe auf dem Südfriedhof. Seit er für sich entdeckt hat, welche Namen, spannende Familiengeschichten und Stammbäume es dort zu entdecken gibt, kommt er nicht mehr davon los. So ist er beispielsweise auf Heinrich Georg Schomburgk und seine Frau Doris Eugenie gestoßen, Tochter des Industriepioniers Carl Heine. Schomburgk hat als Erster Olympiagold für Deutschland gewonnen. Im Mixed. Im Tennis. Stockholm 1912. Zusammen mit seinem Bruder Wilhelm spielte er außerdem als Linksaußen Fußball beim VfB Leipzig. 1903 wurde er mit dem Verein erster deutscher Fußballmeister.

Friedhofsrundgang
Am 22. November lädt Fritz Hundt zu einem zweistündigen Rundgang über den Südfriedhof ein. Treff ist 10.30 Uhr am Eingang Friedhofsweg am Blumenladen Drescher. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Diese und viele andere interessante Leipziger Familiengeschichten kann er bei einem Rundgang über den Südfriedhof erzählen. Diese bietet er ausdrücklich auch den Lesern des »Grün-As« an und den Ausstellern und Besuchern der nun schon 17. Hobby-Ausstellung im KOMM-Haus, denen er sich dort Samstag und Sonntag persönlich vorstellte.

Fritz Hundt freut sich immer über aufgeschlossene, interessierte Gesprächspartner. Und ist er auch einmal privat? Ganz in Familie? Fritz Hundt schmunzelt: »Ich mag eher die leisen Töne. Meine Frau ist lebensfroh und tanzt gern. Sie liebt zum Beispiel den Leipziger Opernball.« Ist von Anfang an jedes Jahr dabei. Und schon bahnt sich die nächste Anekdote an ... Beim Leipziger Opernball trifft Fritz Hundt auf Kristin Otto - Schülerin, Olympiasiegerin, Sportreporterin. Da hat seine Frau Ingrid ein Auto gewonnen und die taffe Moderatorin Kristin Otto ist bei der Preisübergabe schier baff, ihren »alten« Mathelehrer wiederzusehen.

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