Grün-As

LVB zufrieden mit Fahrplanwechsel:

Kaum Nachbesserungen in Grünau nötig

Planer Ekkehard Westphal zum neuen Netz: Bus 62 verträgt mehr Fahrgäste, Tram 15 ist morgens wegen Schülerverkehr besonders voll

Seit 10. Oktober 2010 sind Busse und Bahnen der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) mit teilweise stark geänderter Linienführung unterwegs. Etliche Neuerungen sind für Grünau bedeutsam: Die Straßenbahnlinien 2 und 8 wurden kräftig beschnitten, dazu gibt es positive und negative Änderungen auf fast allen Buslinien im Stadtteil. Welche Erfahrungen die Verkehrsbetriebe mit dem »Netz 2010« knapp drei Monate nach dessen Einführung gewonnen haben, erfuhr »Grün-As« von LVB-Planer Ekkehard Westphal.

Grün-As:
Herr Westphal, wie können Sie überhaupt prüfen, ob das neue Netz bei den Fahrgästen ankommt?
Ekkehard Westphal:
Jedes zehnte LVB-Fahrzeug ist mit einem automatischen Zählsystem ausgerüstet. Diese Fahrzeuge liefern ständig Daten von allen Linien und an allen Wochentagen, in der Schulzeit ebenso wie in den Ferien. Diese Fahrgastzählungen waren eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Planung des Netzes 2010 und werden natürlich auch seit Fahrplanwechsel weitergeführt.
Grün-As:
Gibt es denn schon Ergebnisse? Insbesondere für die neuen Buslinien?
Ekkehard Westphal:
Wenige Wochen nach dem Start des neuen Netzes ist es noch zu früh, um die Akzeptanz der neuen Linienführungen zu beurteilen. Wie sich bei der Netzreform 2001 gezeigt hat, dauert es mehrere Monate oder gar Jahre, bis sich die Nachfrage eingepegelt hat. Dies liegt daran, dass sich Mobilitätsgewohnheiten der Menschen nur langsam ändern. Ein erstes Fazit ist trotzdem schon möglich: Die Linie 62 von Lausen nach Böhlitz-Ehrenberg zieht auf jeden Fall mehr Fahrgäste an als die alte Linie 129, da sie doppelt so oft und auch samstags fährt. Trotzdem wünschen wir uns noch ein paar Fahrgäste mehr. Bei der Linie 162 gibt es das Problem, dass nachmittags bei den Fahrten von Großzschocher in Richtung Lausen das vorgesehene Großraumtaxi manchmal nicht ausreicht. In diesen Fällen organisiert unsere Leitstelle unverzüglich ein zweites Taxi.
Grün-As:
»Mal kommt er zu früh, oft kommt er zu spät, manchmal kommt er gar nicht. Aber pünktlich ist er nie!«, hieß es neulich an der Haltestelle Binzer Straße, als Fahrgäste auf den neuen 62er warteten...
Ekkehard Westphal:
Wir haben seit November auf mehreren Linien durch Baumaßnahmen, Umleitungen und seit Dezember auch durch die winterliche Witterung erhebliche Probleme mit der Pünktlichkeit. Der Straßenbahnbetrieb musste im Dezember sogar zweimal gänzlich eingestellt werden. Die Linie 62 ist durch die Dauerbaustelle in der Lausener Straße betroffen, die wegen des frühen Wintereinbruchs auch nicht wie geplant Anfang Dezember aufgehoben werden konnte.
Grün-As:
Liegt das auch am beschrankten Bahnübergang zwischen Rückmarsdorf und Grünau?
Ekkehard Westphal:
Ja. Der Bahnübergang auf der Miltitzer Straße sorgt für zusätzliche Behinderungen, allerdings ist dafür ein Puffer in der Fahrzeit der Linie berücksichtigt.
Grün-As:
Die LVB hatten einzelne Fahrten der Straßenbahnlinie 2 bis Lausen versprochen. Einige Bahnen fahren früh und abends tatsächlich bis zur ehemaligen Endstelle. Warum gibt es dazu keine Aushänge an den Haltestellen?
Ekkehard Westphal:
Der Endpunkt der Linie 2 ist grundsätzlich in Grünau-Süd. Ausnahmen bilden nur sogenannte Ein- und Ausrückefahrten nach und von Lausen, wo einige Fahrzeuge der Linie 2 über Nacht abgestellt werden. Die Fahrten haben denselben Status wie etwa die abendlichen Fahrten der Linie 15 von Miltitz zum Straßenbahnhof Angerbrücke. Wir bieten unseren Fahrgästen die Mitfahrt in solchen Betriebsfahrten an. Eine Veröffentlichung im Fahrplan erfolgt jedoch nicht, da es - etwa bei Baumaßnahmen oder bei einer Änderung der Nachtabstellung unseres Fahrzeugparks - jederzeit zur Streichung oder Verlegung dieser Fahrten kommen kann. Man kann sich also nicht auf sie verlassen. Nur an der Wagenbeschilderung und an den elektronischen Haltestellen-Anzeigen ist zu erkennen, ob die jeweilige Fahrt tatsächlich bis Lausen geht.
Grün-As:
Bleibt es dabei, dass die Linie 2 in den Sommermonaten am Wochenende bis Lausen verlängert wird?
Ekkehard Westphal:
Ja, und zwar zwischen Anfang Mai und Ende September.
Grün-As:
Wenn man sich den Fahrplan anschaut, ist zu sehen: Gleich zweimal pro Stunde haben LVB-Kunden an der Endstelle der Linie 2 einen günstigen Anschluss zu Bus 61 beziehungsweise 161 bis nach Lausen und weiter. Die Haltestellen von Bahn und Bus liegen direkt nebeneinander. Aber gibt es dort das Prinzip »Anschluss erwarten« für die Busse, wenn die Bahn einmal spät dran ist?
Ekkehard Westphal:
Der Anschluss von der Linie 2 zur Linie 61/161 am Ratzelbogen wird von unserem Betriebsleitsystem überwacht. Bei geringen Bahnverspätungen bis zu drei Minuten erhält der Busfahrer eine Aufforderung zum Warten. Bei größeren Verspätungen muss er jedoch abfahren. Deshalb können wir keine Garantie geben, dass dieser Anschluss immer klappt.
Grün-As:
Müssen Sie irgendwo im neuen Netz nachbessern? Wenn ja: Wo und wann?
Ekkehard Westphal:
Wir haben auf mehreren Buslinien im gesamten Stadtgebiet zum »kleinen Fahrplanwechsel« am 12. Dezember nachgebessert. Die größten Veränderungen gab es auf der neuen Linie 74 zwischen Lindenau und Südvorstadt, wo das Angebot am Abend erweitert wurde. In Grünau war aber nur die Linie 62 betroffen, auf der früh um 5 Uhr eine zusätzliche Fahrt ab Wolkenweg bis zur Endstelle der Linie 1 angeboten wird. Dort besteht dann Anschluss an die Straßenbahn.
Grün-As:
Die Linien 1 und 15 müssen nun die Fahrgäste der eingekürzten Linien 2 und 8 aufnehmen. Kommt es deshalb zu Platzproblemen?
Ekkehard Westphal:
Nach unseren Erkenntnissen können die Linien 1 und 15 alle Fahrgäste befördern. Sicher ist es aus Sicht der Fahrgäste nicht angenehm, besonders wenn man bisher einen Sitzplatz gewohnt war und nun öfter stehen muss. Besonders voll ist die Linie 15 am Morgen während der Anreise der Schüler zur Max-Klinger-Schule und zum Berufschulzentrum Arwed Rossbach. Solche Nachfragespitzen haben wir aber auch auf anderen Linien in unserem Netz. Im Berufsverkehr müssen wir unseren Fahrgästen aus wirtschaftlichen Gründen leider eine gewisse Enge in den Fahrzeugen zumuten. In anderen Großstadtnetzen ist das genauso.
Interview: Reinhard Franke
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