Grün-As

Auf gute Nachbarschaft

Neu im Garten der Kita Häschengrube: Nist- und Fledermauskasten

»Die dürften nicht lange leer stehen«, ist sich Dr. Leonhard Kasek vom Leipziger Ökolöwen sicher und meint damit die beiden Holzkästen in seinen Händen. Gemeinsam mit Frau und Enkelchen Sophia hat sich der Naturexperte am 7. März - einer der wenigen schönen Tage im März - auf den Weg in die Kindertagesstätte Häschengrube im Herzen Grünaus gemacht, in dessen Garten er seine mitgebrachten Behausungen anbringen möchte.

Die Breisgaustraße, wo die Kita beheimatet ist, bezeichnet Kasek als Notstandsgebiet für Höhlenbrüter. Zwar gäbe es jede Menge Hecken und Büsche, aber: »Höhlen zum Nisten sind echte Mangelware.« Kaum zum Tor herein, wird das Grüppchen von neugierigen Kindern umringt: »Wer seid ihr?«, »Was macht ihr hier?«, »Was ist das?« Während sich die zweijährige Sophia sofort einen Kinderwagen schnappt und übers Gelände zuckelt, beantwortet ihr Opa geduldig die Fragen der Kinder und schaut sich nebenbei auf dem großen Gelände nach geeigneten Bäumen für sein Vorhaben um. Die Öffnung sollte nicht nach Westen zeigen - das ist die Wetterseite.

Der Stamm, an dem der Kasten hängen soll, muss leicht schräg stehen, damit weder Wind, Wasser noch direkte Sonne durch die kleine Öffnung ins Innere gelangen kann. »Sonst wird es drinnen zu heiß und der Nachwuchs wird gebrutzelt«, kommentiert Kasek seine Standortsuche.

Als der perfekte Baum schon gefunden scheint, schaltet sich Erzieherin Ramona Alexander ein: »Wäre es nicht vielleicht möglich, den Kasten vor unser Fenster im Forscher- und Experimentierbereich der Kita zu installieren?« Für ihre interessierten kleinen Naturforscher, die selbst schon ein Insektenhotel gebaut und dort Schmetterlinge in ihrer gesamten Entwicklung beobachtet haben, wäre es natürlich großartig, das Geschehen direkt vor der Nase zu haben.

Als sich dann auch noch ein passendes Gewächs anbietet, ist der Rest beinah ein Kinderspiel. Hausmeister Ralf Singewald geht helfend zur Hand und schon hängt das Häuschen für die neuen Nachbarn. »Die Öffnung«, stellt Leonhard Kasek erfreut fest »ist mit zirka zweieinhalb Zentimetern Durchmesser so klein, dass dort wahr- scheinlich Blaumeisen einziehen werden.« Das sei insofern gut, da diese kleinere und deutlich zurückhaltendere Meisenart sonst keine so guten Chancen auf dem ornithologischen Wohnungsmarkt hätte.

Findet dann ein Pärchen eine solche Nisthilfe, ist es damit derart zufrieden, dass es selbst größter Kinderlärm nicht mehr daraus vertreiben kann. Deutlich ruhiger mögen es da schon aufgrund ihres anderen Tagesrhythmus die Fledermäuse, aber auch für sie ist im Kita-Garten schnell ein Plätzchen gefunden. Bevor auch der zweite Kasten angebracht wird, erklärt Dr. Kasek der kleinen Schar, die ihm gar nicht mehr von der Seite weichen möchte, die Besonderheiten dieses Quartiers. So etwa die Einkerbungen im Inneren, die den Fledermäusen helfen sollen, sich festzukrallen. Als mögliche Frühjahr-/Sommer-Nutzer (im Herbst zieht es sie in wärmere Gefilde) kämen Breitflügel- oder Zwergfledermäuse in Frage - beide nicht größer als ein Spatz - und meist in Gruppen von bis zu zwölf weiblichen Tierchen.

»Wenn die dann immer Sommer noch je ein Jungtier bekommen, wird es richtig kuschelig«, erzählt der Fledermauskenner seinen gespannten Zuhörern. Wann und ob überhaupt die beiden Holzkästen angenommen werden, könne natürlich niemand versprechen, aber die Chancen auf neue Nachbarn stünden gut. Leonhard Kasek ist genauso gespannt wie die Kinder der Häschengrube und verspricht beim Abschied, sicher bald mal wieder vorbeizukommen.

kmn
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