Grün-As

Freie Schule für ökologisches Engagement geehrt

Grünauer Einrichtung erhält den ersten UN-Dekade-Preis Leipzigs

UN-Dekade-Preis:
Für den Zeitraum von 2011 bis 2020 riefen die Vereinten Nationen die UN-Dekade Biologische Vielfalt aus. Ziel ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten und ein gesellschaftliches Bewusstsein anzustreben. Biologische Vielfalt umfasst das gesamte Spektrum des Lebens auf der Erde - Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen, Pilze und genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Ein Anliegen der UN-Dekade ist es, mehr Menschen für die Natur zu begeistern und für den Erhalt der Vielfalt zu motivieren. Seit Juni 2012 werden wöchentlich beispielhafte Projekte ausgezeichnet. Bis 2020 kann sich jeder, der sich durch Forschungs-, Bildungs- oder Naturschutzmaßnahmen für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzt, seine Bewerbung online unter www.un-dekade-biologische-vielfalt.de einreichen.

»Ich bin so froh, dass es euch hier in Grünau gibt«, lobt am 27. Februar Laudator Dr. Leonhard Kasek das Engagement der Freien Schule in seiner Rede zur Verleihung des UN-Dekadepreises für biologische Vielfalt im Saal des Theatriums.

Als erstes Projekt Leipzigs überhaupt, wurde der Agenda-Gruppe der Grünauer Einrichtung die Ehrung dieser weltweit anerkannten Organisation zu teil. Und das zu Recht: Zur Preisverleihung konnte man einen Blick auf die vielen kleinen und größeren Aktionen der sechsköpfigen Gruppe werfen, die seit knapp fünf Jahren an der Schule existiert.

Dabei sind es keineswegs Projekte, die nur für sich alleine stehen. »Wir achten schon sehr darauf, dass das alles ineinander greift. Schließlich ist der Umgang mit der Natur ein komplexer Teil des Lebens und einzelne Aspekte können nicht voneinander losgelöst betrachtet werden«, meint Henrik Ebenbeck, der als Pädagoge an der Freien Schule tätig ist und sich in der Agenda-Gruppe engagiert. Es geht also um Nachhaltigkeit, nicht um Schnellschüsse.

Doch was genau bedeutet das? Für Kasek beginnt dies schon beim täglichen Schulweg: »Die meisten Schüler werden nicht mit dem Auto gebracht und das obwohl viele nicht im Stadtteil wohnen.« Dies sei nur ein kleiner Beitrag, aber beispielhaft für ein naturnahes Konzept. Naturschutz - ein Begriff, den mittlerweile jedes Kind kennt und mehr oder weniger verinnerlicht hat - bestenfalls kann es die genaue Definition herbeten. Dabei ist es viel mehr als das bloße trockene Wissen, was man sich irgendwie in den Kopf pauken muss. Es ist Liebe zur Natur und das Leben mit ihr. Das ist gar nicht immer einfach: »Letztes Jahr standen wir beispielsweise vor einem Problem, das wir so nicht erwartet hätten«, erzählt Agenda-Gruppen-Mitglied Andreas Ortmann.

»Unser Schulgarten, in dem wir Kräuter und Gemüse für den Eigenbedarf anbauen, wurde regelmäßig von Hasen weggefressen. Das hat uns mächtig gewurmt, aber die Hasen gehören ja letztlich auch zur Natur und wir wollten sie nicht einfach nur durch einen Maschendrahtzaun fernhalten.« Kurzerhand wurde ein Weidengeflecht installiert, das die Beete schützt und die heimischen Nager obendrein ernährt. Darüber hinaus sei ein extra Salatbeet außerhalb des Zaunes nur für sie geplant. »Ein Musterbeispiel an Nachhaltigkeit«, wie Naturexperte Kasek findet.

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Freie Schule für ökologisches Engagement geehrt

Auch die anderen Aktionen allein des vergangenen Jahres, können sich sehen lassen: Da waren die Kids beispielsweise mit jeder Menge Spaß und Eifer beim Bau eines Insekten-Hotels dabei. Im Oktober schwärmten sie zur großen Apfelernte in den Stadtteil aus. Die Früchte ihrer Arbeit aßen sie pur, dörrten sie in Ringen in einer selbst gebauten Vorrichtung und verarbeiteten den Rest zu Saft. Einprägsam für alle Beteiligten war auch das Projekt zur Mülltrennung: Dabei leerten sie die große Abfalltonne vor aller Augen auf dem Schulhof und sortierten deren Inhalt. Das Ergebnis war ein deutlich kleineres Volumen an eigentlichem Müll. Im Rahmen einer veganen Woche beschäftigten sich die Agenda-Mitglieder sehr intensiv mit den Themen Lebensmittel und Massentierhaltung und zauberten am Ende ein veganes Büfett, das bei allen Schülern und Lehrern gleichermaßen gut ankam.

»Die vegane Woche war ein tolles Projekt«, resümiert Henrik Ebenbeck. »Derzeit sind wir dabei eine Materialkiste dafür zusammen zu stellen, die wir dann gern an andere Schulen oder Einrichtungen ausborgen möchten.« Leonhard Kasek ist von dieser Idee begeistert: »Das ist gelebte Öffnung in den Stadtteil. Ich hoffe, dass das Angebot auch genutzt wird und damit solche tollen Projekte Nachahmung finden.«

Klaudia Naceur
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